Elftes Capitel.

[111] Der nächste Morgen war so glorreich, daß er auch wohl ein noch schwerer verdüstertes Herz als das meinige hätte aufhellen können. Ueberdies war ich, müde wie ich war, so schnell entschlummert, nachdem ich kaum mein junges, sorgenvolles Haupt auf's Kissen gelegt, und hatte so fest geschlafen, ich mußte mich ordentlich erst darauf besinnen, was mich denn gestern Abend nur so außer mir gebracht hatte. Nach und nach fiel es mir freilich wieder ein, und da wurde mir die Stirn heiß, das weite Zimmer zu eng, es litt mich nicht mehr zwischen den Wänden, ich hatte, wie immer in meinen Nöthen, das Gefühl, daß draußen unter dem blauen Himmel Alles besser werden müsse, und ich eilte die steile Hintertreppe hinab in den Park.

Nun irrte ich unter den im Morgenwinde leise wehenden Zweigen der hohen Bäume, zwischen den sonnebeglänzten Büschen auf den wildverwachsenen Wegen, bald zum Himmel schauend, bald mit verschränkten Armen düster auf den Boden[111] starrend, zwischendurch einem Vogel lauschend, der unaufhörlich sein monotones kleines Herbstlied zirpte, oder eine Raupe beobachtend, die an einem klafterlangen Faden von einem Zweige herabhängend hin und her schaukelte, und versuchte, jene für einen jungen Men schen so überaus schwierige Aufgabe zu lösen, versuchte, mir meine Situation klar zu machen.

Ich hatte gestern Herrn von Granow die Wahrheit gesagt: es hatte sich, seitdem ich auf dem Gute war, nichts ereignet, was jenen Verdacht bestätigt hätte? Ich war ja kaum von seiner Seite gekommen während dieser ganzen Zeit! Keine fremden Leute waren auf dem Hofe erschienen, keine verdächtigen Zusammenkünfte hatten stattgefunden; es waren keine Waaren eingeliefert und außer jenen paar Fässern Wein an die Nachbarn meines Wissens auch keine ausgeliefert worden. Die Leute, die zum Gute gehörten, sahen allerdings aus, als ob sie zu jedem andern Geschäft mehr aufgelegt seien, als zu einer ehrlichen Hantierung, und besonders mein langer geprügelter Freund Jochen hatte unmöglich ein reines Gewissen; aber die Kathenleute rings herum auf den andern Gütern, in der Nähe des Strandes, waren sämmtlich zum Theil verkommenes, zum Theil verwegenes, seeräubermäßig aussehendes Gesindel, wie denn auch gar viele Fischer und Schiffer gewesen und gelegentlich noch waren. Daß aber die Bande, der wir gestern begegnet, nicht aus unsern Leuten bestanden hatte, davon glaubte ich mich überzeugt zu haben, als ich bei den Tagelöhnerwohnungen vorüber kam und Jochen nebst ein paar Andern wie gewöhnlich vor den Thüren sitzen sah.

Und dann! zugegeben: Herr von Zehren war in Wirklichkeit, wozu ihn der böse Leumund machte; nun, so trieb er es am Ende nicht schlimmer, als die Andern auch. Ein wenig paschten sie Alle – das hatte ich aus Granow's Munde; und wenn alle diese adeligen Herren sich nicht genirten, ihre Keller mit Wein zu füllen, von dem sie wußten, daß er geschmuggelt war, – der Hehler war so gut wie der Stehler, und Herr von Zehren nur vielleicht hier, wie überall und immer, der kühnere Mann, der den Muth hatte, zu thun, was die Andern gern gethan hätten.

Und endlich! ich war ihm zum tiefsten Dank verpflichtet! Sollte ich auf einen Verdacht hin, auf die Klatschereien eines Schwätzers hin, ihn verlassen, der immer so gütig, so freundlich zu mir gewesen? der mir seinen besten Hund und seine[112] beste Flinte, nein! – seinen zweitbesten Hund und seine zweitbeste Flinte geschenkt, dessen Börse, dessen Cigarrenkiste (ach! und welche köstlichen Cigarren führte er – ich hatte nie geglaubt, daß es solche Cigarren gebe!) mir alle Zeit offen gestanden! Nein und abermals nein! Und wenn er wirklich ein Schmuggler, ein Schmugler von Profession wäre! – aber wie konnte ich erfahren, daß er einer war!

Doch am einfachsten, wenn ich mich an ihn selbst wandte; ich hatte ein Recht dazu. Man zweifelte in der Gesellschaft an meiner Ehrenhaftigkeit; man wußte nicht, was man aus mir machen sollte: das konnte ich mir nicht gefallen lassen. Herr von Zehren konnte nicht verlangen, daß ich mich seinetwegen dem schmählichen Verdachte aussetzte, entweder ein Spion oder sein Helfershelfer zu sein. Aber wenn er dann sagte: so gehen Sie! ich halte Sie nicht!

Ich setzte mich an dem Rande des Parkwaldes auf die steinerne Bank, welche dort unter einem breitastigen Ahorn angebracht war, und starrte, den Ellnbogen auf den halb umgesunkenen Tisch stemmend und meine Stirn in die Hand legend, nach dem Schlosse, das seinen Schatten weit hinein über die in der Morgensonne goldig schimmernde Wiese warf.

Wie hatte ich das alte verfallene Haus doch so lieb gewonnen! Wie gut kannte ich jeden der hohen Schornsteine! jeden Grasbüschel, der aus dem altersgrauen, moosüberwucherten Ziegeldache wuchs! die drei Balkone, – zwei kleinere freischwebende rechts und links und in der Mitte den großen, zu welchem aus dem obern Saal die Glasthüren führten, und der auf den plumpen Säulen mit den seltsam verschnörkelten Capitälen ruhte! Wie kannte ich jedes der zahlreichen Fenster mit den verwitterten, verwaschenen Holzjalousien, die nie geschlossen wurden, von denen die meisten auch nicht mehr geschlossen werden konnten! Einige hingen nur noch in einer Angel, und die am dritten Fenster von rechts klappte in der Nacht immer, wenn der Wind von Westen kam – ich hatte sie schon oft befestigen wollen und es immer wieder vergessen. Dort die zwei Fenster an der Ecke links waren mein Zimmer, mein poetisches Zimmer mit den köstlichen alten Meubeln, die mir noch immer so sehr imponirten, daß ich mir zwischen ihnen wie ein junger Königssohn vorkam. Welche glücklichen Stunden hatte ich in der kurzen Zeit schon in dem Zimmer verlebt! Des Morgens in der Frühe, wenn ich mich,[113] froh der in Aussicht stehenden Jagd, trällernd ankleidete und meine Patronen in Ordnung brachte, des Abends spät, wenn ich mit meinem Freunde nach Hause gekommen war, erhitzt vom Spiel und Wein und lustigem Geschwätz, und mich dann hinauslehnte, eine Cigarre dampfend und zwischendurch die kühle Nachtluft mit vollen Zügen einsaugend, während der Gedanken gar viele durch meine Seele gingen, närrische und sentimentale Gedanken, die sich schließlich alle auf das schöne Mädchen bezogen, das da unter mir in dem Zimmer hinter der Terrasse nun wohl schon seit mancher Stunde schlummerte.

Was hatte der abscheuliche Mensch gestern von ihr gesagt? Ich wagte die Lästerungen kaum in Gedanken zu wiederholen; ich begriff nicht, wie ich es nur hatte anhören können, oder wie ich ihn mit heiler Haut hatte davon kommen lassen, nachdem ich es gehört, nachdem er mein Heiligenbild so entweiht! Der elende, erbärmliche Mensch! der dünkelhafte, aufgeblasene, neidische kleine Molch! Freilich! es war ein großes Verbrechen, daß sie von einem solchen Liebhaber nichts wissen wollte! daß sie von den andern Krautjunkern nichts wissen wollte! Und dafür schmähten sie sie nun; behaupteten, sie habe sich verkaufen lassen wollen, sie, die Edle, Reine, Schöne, für die ein Königsthron noch zu niedrig gewesen wäre. Oder gab es einen Kopf, würdiger eines Diadems? Gab es eine Gestalt, die mehr verdiente, von einem Purpurmantel umwallt zu werden! Mein Gott! ich verlangte ja nichts für mich! ich war es ja zufrieden, wenn ich an den Saum ihres Kleides rühren durfte! Aber die Andern sollten sie ebenso ehren wie ich; Keiner, und wenn er ein Fürst, und wenn er ein König wäre, sollte wagen, sich, ohne daß sie es erlaubt, ihr zu nahen. Wenn sie mich doch nur, wie sie es an jenem Abend scherzend gesagt, Wache halten lassen wollte auf ihrer Schwelle!

So demüthigte ich mein volles, junges Herz, das vor Sehnsucht und Verlangen schier zersprungen wäre. Und ich that es aus innigster Ueberzeugung, in felsenfestem Glauben an die Hoheit und Reinheit der so heiß Geliebten. Ich darf es sagen: es war kein Blutstropfen in mir, der nicht ihr gehörte; ich würde mein Leben geopfert haben, ihr zu dienen, hätte sie es von mir verlangt, hätte sie mich für die treue Seele genommen, die ich war; hätte sie offen mit mir gesprochen. War es das Vorgefühl der kurzen Spanne Zeit,[114] die ich mich noch in diesem treuen, ungebrochenen Glauben an ein unverletzlich Heiliges in der Menschenbrust wiegen sollte, was mich jetzt den Kopf tiefer auf die Hände beugen und so heiße Thränen vergießen ließ?

Ich richtete mich schnell empor; denn ich glaubte dicht hinter mir ein Rauschen gehört zu haben, und ich hatte mich nicht getäuscht. Aus den Büschen hervor, zwischen denen der Weg weiter in den Buchwald führte, trat Konstanze. Hatte sie mich hier sitzen sehen? Ich sprang in großer Verwirrung von meiner Bank auf und stand vor ihr, ohne daß ich Zeit gehabt hätte, die Spur der Thränen von meinen brennenden Wangen zu verwischen.

»Guter Georg,« sagte sie, indem sie mir die Hand mit mildem Lächeln entgegenstreckte, »nicht wahr, Sie meinen es gut mit mir?«

Ich murmelte etwas, das als Antwort gelten sollte.

»Lassen Sie mich ein wenig hier bei Ihnen Platz nehmen, sagte sie, ich fühle mich etwas ermüdet; ich bin schon so lange auf. Wissen Sie, wo ich gewesen bin? Im Walde bei dem Weiher und hernach oben auf der Ruine. Wissen Sie, daß wir nicht wieder zusammen dort gewesen sind? Ich habe heute Morgen daran gedacht, und wie schade es ist. Es ist so schön auf der Uferhöhe, und es wandert sich mit Ihnen so gut. Warum kommen Sie nie, mich abzuholen? Wissen Sie noch, was Sie mir versprachen: Sie wollten mein treuer Georg sein und alle Drachen auf meinem Wege tödten. Wie viel haben Sie schon todt?«

Sie blickte unter den langen Wimpern hervor mich mit den braunen Augen an, deren Tiefe für mich unergründlich war, in meine Augen, die ich in Verwirrung senkte. »Warum antworten Sie nicht?« sagte sie. »Hat es Ihnen mein Vater verboten?«

»Nein,« erwiederte ich, »aber ich weiß nicht, ob Sie meiner spotten. Sie sind die ganze letzte Zeit so wenig gütig zu mir gewesen; ich habe mir zuletzt nicht mehr getraut, Sie anzureden, kaum Sie anzusehen.«

»Und Sie ahnen nicht, weshalb ich in letzter Zeit weniger freundlich gegen Sie gewesen bin?«

»Nein,« sagte ich, und setzte dann kleinlaut hinzu: »es müßte denn sein, weil ich so viel von Ihrem Vater halte; aber wie kann ich das anders?«[115]

Eine Wolke zog über ihre Stirn. »Und wenn es deshalb wäre,« sagte sie, »könnten Sie es mir verdenken? Mein Vater liebt mich nicht; er hat mir schon zu viele Beweise davon gegeben. Wie kann mich Jemand lieben, der so viel von meinem Vater hält« – sie sprach die letzteren Worte in bitterm Ton – »der ihm vielleicht jede Sylbe wieder erzählt, die ich sage, und so zu den Geschichtenträgern und Geberdespähern, mit denen ich bereits umgeben bin, einen neuen zugesellt, einen um so gefährlicheren, als ich von ihm alles Andere eher erwartet hätte, als verrathen zu werden.«

»Verrathen, und verrathen von mir,« rief ich erschrocken.

»Verrathen, ja,« sagte sie, leiser, schneller, leidenschaftlicher sprechend. »Ich weiß, daß der alte Christian, der Tag und Nacht herumstreicht, mich wie eine Gefangene bewacht; ich bin keineswegs sicher, ob Pahlen, die mir Ergebenheit zeigt, mich nicht für eine Hand voll Thaler verkauft. Ja, verrathen bin ich, verrathen von allen Seiten, ob von Ihnen – ich will um Ihrer guten blauen Augen willen annehmen, daß ich mich geirrt habe, obgleich ich wahrlich triftigen Grund hätte, Sie zu beargwöhnen.«

Ich war außer mir, Konstanze so sprechen zu hören; ich bat sie, ich beschwor sie, mir zu sagen, was sie gegen mich habe, welcher abscheuliche Schein gegen mich spräche; denn daß es nur ein Schein sei, wolle ich ihr beweisen. Sie solle mir Alles sagen, sie müsse mir Alles sagen.

»Nun denn,« sagte sie, »ist es Schein oder Wahrheit, daß Sie gleich an dem ersten Abend Ihres Hierseins auf Befehl meines Vaters, der Sie jedenfalls zu dem Zweck mitgebracht hat, Wache gestanden haben unter meinem Fenster, während Sie mir weismachen wollten, mein Spiel habe Sie herbeigelockt?«

Ich erschrak heftig über diese letzten Worte, die sie mit einem finstern, lauernden Blick begleitet hatte, der noch deutlicher sprach als die Worte. Also war jene dunkle Gestalt doch um ihretwillen dagewesen und war seitdem wieder dagewesen; denn wie hätte sie sonst von der Begegnung unterrichtet sein können?

»Sie brauchen es nicht mehr einzugestehen,« sagte Konstanze im bittern Ton, »Sie haben noch nicht ausreichend gelernt, sich zu verstellen. Und ich gutmüthige Thörin glaubte, Sie wären mein treuer Georg!«[116]

Ich war nahe daran, vor Zorn und Schmerz zu weinen.

»Um Gottes willen,« rief ich, »verdammen Sie mich nicht, ohne mich gehört zu haben. Ich bin in den Park gegangen ohne eine bestimmte Absicht, ohne eine Ahnung, daß ich – ihm, daß ich Jemand begegnen würde. Hätte ich gewußt, daß der Mann, den ich von dieser Stelle dort aus dem Bosket auftauchen sah, nicht ohne Ihre Erlaubniß kam, ich würde ihm nicht in den Weg getreten sein, würde ihn ruhig dahin haben gehen lassen, wo man ihn, wie es scheint, erwartete.«

»Wer sagt Ihnen, daß er nicht ohne meine Erlaubniß kam, daß er erwartet wurde?« fragte Konstanze nicht ohne Heftigkeit.

»Sie selbst;« erwiederte ich schnell, »der Umstand, daß Sie von etwas wissen, was doch nur er und ich wissen könnten.«

Konstanze blickte mich an und lächelte flüchtig. – »Ei,« sagte sie, »wie geschickt wir zu combiniren verstehen; wer hätte uns das zugetraut! Aber Sie irren sich. Ich weiß es von ihm, gewiß; und doch hatte ich ihn nicht erwartet und doch hatte ich ihm keine Erlaubniß gegeben. Ja, noch mehr, ich schwöre Ihnen: ich hatte keine Ahnung, daß er mir so nahe war. Und jetzt? fragt mich Ihr Blick. Jetzt ist er mir so fern wie je. Er hat mir auf einem Wege, der nichts zur Sache thut, geschrieben, daß er in der That an jenem Abend versucht habe, mich zu sehen, mir eine Mittheilung zu machen, von der er nicht wünschte, daß ich sie durch einen Andern erführe; ich habe ihm auf demselben Wege geantwortet, daß ich es nun doch bereits durch einen Andern erfahren habe und daß ich ihn um seiner und um meiner Ruhe willen bitte, keinen Versuch zu machen, sich mir zu nähern. Dies ist Alles und wird für immer Alles sein. Ich habe nicht die Gewohnheit, von denen, welche mich lieben, zu verlangen, daß sie mir ihre Zukunft, ihre Existenz zum Opfer bringen. Und das wäre hier der Fall. Jener Mann kann ohne Einwilligung seines Vaters keine Verbindung eingehen, und mein Vater hat dafür gesorgt, daß diese Einwilligung nie erfolgt. Er ist erst frei nach seines Vaters Tode. Darüber können Jahre vergehen. Er soll mir nicht einmal diese Jahre zum Opfer bringen.«

»Und er nimmt das Alles an,« rief ich empört; »er entsagt[117] nicht lieber seinem Titel und seinem Erbe, als daß er auf Sie verzichtet? Er läßt sich nicht eher in Stücke zerreißen, als daß er Ihnen entsagte? Und dieser Mensch besitzt Millionen und nennt sich ein Fürst!«

»So wissen Sie, wer er war?« sagte Konstanze, indem sie, wie es schien, heftig erschrak; und dann setzte sie mit Bitterkeit hinzu: »Aber freilich, wie sollten Sie nicht! Sie sind ja der Vertraute meines Vaters, dem Sie jedenfalls das Abenteuer sogleich pflichtschuldigst berichtet haben.«

»Ich habe gegen Niemand jenes Vorfalls Erwähnung gethan,« rief ich, »ebenso wenig, wie Herr von Zehren jemals den Namen des Fürsten in meinem Beisein über die Lippen gebracht hat.«

»Bedarf es denn des Namens?« sagte Konstanze. »Man kann ja wohl auch, ohne Namen zu nennen, sehr deutlich sein. Aber, was er Ihnen auch gesagt haben mag, das hat er Ihnen gewiß nicht gesagt, daß Carlo und ich uns verlobt hatten, daß die Verbindung einzig und allein durch seine Schuld nicht zu Stande gekommen ist, daß er mein Glück rücksichtslos geopfert hat, um einer hochmüthigen Laune willen, um sich an dem Vater meines Verlobten auf unsere Kosten rächen zu können; und daß er, weit entfernt, mir für die glänzende Zukunft, um die er mich betrog, eine auch nur erträgliche Gegenwart zu bieten, das Leben mir täglich und stündlich zu einer Qual macht. Er hat meine Mutter getödtet, er wird mich auch tödten.«

»Um Gottes willen, sprechen Sie nicht so,« rief ich.

»Dies Leben ist kein Leben, ist schon Tod, schlimmer als der Tod;« murmelte sie, indem sie den Kopf auf die Platte des Tisches sinken ließ.

»So lieben Sie ihn immer noch, der Sie verrathen hat,« sagte ich.

»Nein,« erwiederte sie, indem sie sich aufrichtete, »nein! ich sagte Ihnen schon: so ist es und so muß es für immer bleiben. Ich habe frei und ganz verzichtet. Ich bin zu stolz, mein Herz – das ist Alles, was ich habe – hinzugeben, wo man mir nicht sein Alles giebt. Und, Georg, kann man mehr geben, als sein Herz!«

Ich wollte erwiedern: »Dann haben Sie mein Alles, Konstanze;« aber ich konnte keinen Laut über die zuckenden Lippen bringen, konnte sie nur ansehen mit einem Blicke, in[118] welchem gewiß mein ganzes Herz lag – das volle, thörichte, von guter, närrischer, treuer Liebe überfließende Herz eines Neunzehnjährigen.

So drückte sie denn meine Hand und sagte: »Guter Georg. Ja, ja, ich will, ich muß es glauben, daß Sie es gut meinen. Und nun, da wir uns ausgesprochen haben und wieder gute Freunde sind, lassen Sie uns nach dem Hause gehen, wo meine alte Pahlen mich mit dem Frühstück erwartet.«

Sie war auf einmal wieder in den Ton gefallen, mit welchem sie die Unterredung begonnen hatte, und in demselben Tone fuhr sie fort: »Gehen Sie heute auf die Jagd? Gehen Sie gern auf die Jagd? Ich bin früher auch wohl einmal mit gewesen, aber das ist lange, undenklich lange her. Ich soll früher eine gute Reiterin gewesen sein und glaube, ich könnte nicht mehr im Sattel sitzen. Ich habe Alles verlernt, besonders, wie man es anfängt lustig zu sein. Sind Sie immer lustig, Georg? Ich höre Sie manchmal des Morgens so prächtige, muntere Lieder singen; Sie haben eine schöne Stimme. Sie sollten mich Ihre Lieder lehren; ich weiß nur traurige Lieder.«

Wie reizend ich dies Geplauder fand! Aber wie mich in der letzten Zeit ihre Ungnade stumm und scheu gemacht hatte, so übte jetzt die unerwartete Güte, mit der sie mich überschüttete, dieselbe Wirkung aus. Ich ging mit einem halb verlegenen, halb glücklichen Lächeln neben ihr her um den großen Wiesenplatz herum nach dem Hause zu, wo wir uns, an ihrer Terrasse angelangt, trennten, nachdem sie mir nochmals die Hand gedrückt hatte.

Mit drei Sätzen sprang ich die steile Treppe hinauf, öffnete mit Ungestüm die Thür zu meinem Zimmer und blieb einigermaßen erschrocken auf der Schwelle stehen, als ich Herrn von Zehren in dem großen Lehnstuhl am Fenster sitzend fand.

Er wandte den Kopf halb um und sagte: »Sie haben mich lange warten lassen, ich sitze hier schon eine gute Stunde.«

Das war nicht eben beruhigend für mich; von dem Lehnstuhl aus sah man über die Parkwiese weg gerade auf die Bank unter dem Ahornbaum: wenn Herr von Zehren schon eine Stunde hier saß, so hatte er mit seinen scharfen Augen jedenfalls viel mehr gesehen, als mir irgend lieb war. Ich erwiederte daher seinen Gruß in großer Verlegenheit, die wahrlich[119] nicht geringer wurde, als er, mit einer Geste nach der Bank hin, sagte: »Maria Stuart, Georg? wie? grausamer Kerkermeister Sir Paulet mit dem großen Schlüsselbund? schwärmerischer Mortimer: das Leben ist ein Moment, der Tod ist auch nur einer? he? treuloser Lord Lester, der die bequeme Gewohnheit hat, zu Schiff nach Frankreich zu sein, sobald es um Kopf und Kragen geht!«

Er schnellte die Asche von seiner Cigarre und fing dann auf einmal, mich anblickend, mit einem jener blitzschnellen Uebergänge seiner Laune, die ich an ihm nun schon gewohnt war, laut zu lachen an und sagte:

»Nein, lieber Georg, Sie müssen mir kein so grimmiges Gesicht machen. Ich meine es wahrlich gut mit Ihnen, und, wie ich Ihnen schon gestern sagte, Sie können nichts dafür, und ich bitte Sie aufrichtig um Verzeihung, daß ich Sie auch nur einen Augenblick habe entgelten lassen, woran Sie doch wahrlich unschuldig genug sind. Sie muß Komödie spielen, sie hat es von Kindesbeinen an gethan, sie kann es nicht lassen. Ich habe wirklich manchmal schon gefürchtet, daß sie es von ihrer unglücklichen Mutter hat. Es hat schon Mancher darunter gelitten, ich nicht zum wenigsten; aber Ihnen möchte ich es gern ersparen; ich habe Sie oft genug indirect gewarnt und thue es jetzt direct. Was wollen Sie?«

Ich war bei den letzten Worten des Herrn von Zehren in dem Zimmer umhergelaufen und ergriff jetzt meinen Hut, der an der Thür hing. – »Was wollen Sie?« rief er noch einmal indem er aufsprang und mich beim Arm ergriff.

»Fort!« stammelte ich, während sich meine Augen mit Thränen füllten, die ich vergebens zurückzuhalten suchte, »fort von hier! Ich kann es nicht ertragen, so von Fräulein Konstanze sprechen zu hören.«

»Und dann wäre das eine so günstige Gelegenheit, auch von mir fortzukommen?« sagte Herr von Zehren, indem er seine großen dunklen Augen mit einem durchdringenden Blick auf mich heftete; »nicht?«

»Ja,« sagte ich, indem ich all meinen Muth zusammennahm, »auch von Ihnen.«

»So gehen Sie!« sagte er.

Ich schwankte nach der Thür und tastete – denn meine Augen waren von Thränen geblendet – nach dem Drücker.[120]

»Georg,« rief der Wilde, »Georg!«

Der Ton schnitt mir in's Herz; ich kehrte um; ich ergriff und drückte seine beiden Hände und rief: »Nein, ich kann nicht! Sie sind so gut gegen mich gewesen; ich kann nicht freiwillig von Ihnen gehen.«

Herr von Zehren führte mich sanft zu dem großen Stuhl und schritt, während ich meine Stirn in die Hände drückte, mehrmals in dem Zimmer auf und ab. Dann blieb er vor mir stehen.

»Was hat Ihnen gestern Granow gesagt? Hat er mich bei Ihnen verklatscht, wie er Sie bei mir verklatscht hat? Sie vor mir gewarnt, wie mich vor Ihnen? Nein, antworten Sie mir nicht; ich mag es nicht wissen; es ist so gut, als wäre ich zugegen gewesen und hätte Alles gehört. Man weiß ja, wie doppelzüngige alte Weiber schwatzen!«

»So ist es nicht wahr?« rief ich aufspringend. »Ach, gewiß, gewiß, es ist nicht wahr; ich habe es nie geglaubt, ich habe es auch dem Elenden gestern nicht geglaubt – nicht einen Augenblick.«

»Und nur noch eben erst!« sagte Herr von Zehren, indem er wieder seinen durchdringenden Blick auf mich wandte. Aber ich schlug diesmal nicht die Augen nieder, ich erwiederte seinen Blick und sagte leise und fest:

»Ich werde es nicht glauben, bis ich es aus Ihrem eigenen Munde höre.«

»Und wenn ich nun Ja sage? Was dann?«

»Dann will ich Sie bitten, so viel ich nur vermag: thun Sie es nicht, thun Sie es nicht mehr! Es kann nicht gut enden, und es ist mir gräßlich, zu denken, daß es schlecht enden könnte.«

»Sie meinen,« sagte der Wilde, indem ein finsteres Lächeln über sein Gesicht zuckte, »es würde sich nicht hübsch ausnehmen, wenn in den Zeitungen zu lesen wäre: Heute wurde Malte von Zehren auf Zehrendorf zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurtheilt und zur Verbüßung seiner Strafe nach der Anstalt in Dingsda abgeführt, deren Director bekanntlich der Bruder des Verurteilten ist? Nun, es wäre nicht das erste Mal, daß ein Zehren im Thurm säße!«

Er lachte laut auf und fuhr dann mit Heftigkeit zu sprechen fort, indem er bald im Zimmer auf- und abging, bald vor mir stehen blieb:[121]

»Ja, ja, nicht das erste Mal. In meiner Jugendzeit – es mag jetzt dreißig Jahre oder drüber her sein – da stand in Ihrem verfluchten Nest auf einem wüsten Platz zwischen der Stadtmauer und dem Wall ein alter halbverfaulter Galgen und an den Galgen waren ein paar verrostete Eisenschilde genagelt, auf denen halbverwischte Namen standen, und einer dieser Namen hieß: Malte von Zehren, und das Schild trug die Jahreszahl 1436, und an der Zahl habe ich es erkannt und in einer Nacht mit meinem Jugendfreunde Hans von Trantow, unsers Hans' Vater, abgebrochen und dann den Galgen umgehauen und ihn über den Wall in den Stadtgraben geworfen. Wissen Sie, wie der Name meines Ahns dahin gekommen? Er hatte in Fehde gelegen mit den Pfeffersäcken, und sie hatten geschworen, ihn an den Galgen zu henken, wenn sie ihn fingen. Und, obschon er es wußte, und daß sie ihm keinen Pardon geben würden, hat er sich zur Faschingszeit verkleidet in die Stadt geschlichen, einem hübschen Bürgermädchen zu Liebe, die dem Ritter hold war, wie er ihr. Sie sehen, lieber Georg, die Weiber – sie sind an allem Unglück schuld. Und haben ihn auch richtig gefangen des Morgens in der Frühe, als er vom Liebchen schlich, und haben ihn in den Thurm geworfen, und am folgenden Tage hat er sollen gehenkt werden zum Gaudium der guten Spießbürger. Aber ein Page, der ihn begleitete und der entwischte, hat's Hans von Trantow hinterbracht, und der Hans hat zwanzig Knechte satteln lassen und hat sie über die ganze Insel geschickt, zu allen Vettern und Sippen, und ist selbst herumgeritten, und in der Nacht sind sie auf zwanzig Kähnen übergesetzt und in die Stadt gebrochen, ihrer zweihundert, und haben meinen Ahn herausgehauen aus dem Thurm, die guten Gesellen, und das Nest an vier Ecken angezündet, daß es gebrannt hat lichterloh, und dafür haben sie denn, weil sie den Malte von Zehren selbst nicht mehr hatten, wenigstens seinen Namen an den Galgen geschlagen.

Was aber war die Ursach' der Fehde gewesen? Der Zoll auf dem Sund, den die Herren von Zehren jahrhundertelang erhoben hatten und den die Pfeffersäcke für sich beanspruchten. Mit welchem Recht? Ich frage Sie, mit welchem Recht? Als das Krämernest noch aus Hütten bestand, in denen armselige Fischer wohnten, haben die Zehren oben auf der Höhe schon gewohnt als Herren und Gebieter, erst[122] in wallumgebenem Blockhaus, wie man es in der ältesten Zeit hatte, dann in einem Schloß von Stein mit Thürmen und Zinnen; und so weit der Blick von oben über die Wälder und Buchten in die Insel reicht, hat kein Heerd in Haus oder Hütte geraucht, an dem sich nicht Vasallen und Hörige des Schlosses gewärmt hätten, und so weit der Blick von oben in's Meer reicht, hat kein Segel sich gebläht und kein Wimpel geflattert, das dem Schlosse nicht Tribut entrichtet hätte. Glauben Sie, junger Mann, so etwas vergißt sich? Glauben Sie, ich könnte je lernen, mich unter einem Gesetz mit dem Gesindel zu fühlen, das vor meinen Ahnherren im Staube kroch? oder einen Herrn über mir anzuerkennen? Von Gottes Gnaden? Was da! was waren diese von Gottes Gnaden vor vier-, fünfhundert Jahren? Ich könnte sitzen, wo sie sitzen, mit demselben Fug und Recht, und mein Wappenschild prangte anstatt des ihren auf jedem Thore, auf jeder Wache, und in meinem Namen erhöbe man Zoll und Steuer. Und jetzt! Tod und Teufel! Jetzt sitze ich hier als Herr von Habenichts in diesem Steinkasten, der mir nächstens über dem Kopf zusammenfallen wird, und kein Fuß breit Boden, auf den ich trete, ja nicht so viel, als an meinen Stiefeln hangen bleibt, gehört noch mir. Da,« er trat an das offene Fenster und deutete mit vor Erregung zitternder Hand hinaus, »Sie haben mich gefragt, weshalb ich das nicht zu Gelde mache, es müßten doch Tausende und Tausende in dem Walde stecken. Ich habe gesagt, ich könne es nicht über's Herz bringen, die alten Bäume umhauen zu lassen – nun, das ist wahr, ich könnte es nicht, und daß sie nicht umgehauen werden, so lange ich lebe, das ist auch noch das einzige Recht, das ich an ihnen habe. Kein Baum gehört mir mehr und kein Bäumchen, nicht so viel, um mir einen Sarg daraus zimmern zu lassen, – jeder Zoll davon gehört dem Pickelhäring, Euerm Krösus, der sich Commerzienrath nennen läßt und nicht umsonst Streber heißt. Ich sehe den Stockfisch noch, wie er sein schiefes Maul verzog, als er mir das Sündengeld auf den Tisch gezählt hatte und den Contract in die Tasche schob. Er dachte: es wird nicht lange vorhalten und hernach schießt er sich eine Kugel vor den Kopf. Nun, vorgehalten hat es nicht, und zu dem Andern kann ja auch noch Rath werden. Aber ich weiß nicht, welcher Plauderteufel heute Morgen in mich gefahren ist; ich glaube, der Umgang mit dem Waschweib, dem Granow,[123] wirkt ansteckend; oder ist es, weil ich nachholen muß, was ich gestern Abend versäumt habe? Wahrhaftig, Georg, ich habe Sie sehr vermißt. Trantow, der gute Kerl, hat mich nach Haus gefahren aus purem Mitleid, weil er mir ansah, wie schwer es mir wurde, meine letzte Cigarre allein zu rauchen. Und dann hat es mich ein Heidengeld gekostet, daß Sie nicht an meiner Seite waren. Es ist mir gestern schlecht ergangen, Georg, verzweifelt schlecht; sie haben mich alten Habicht gerupft, daß die Federn nur so flogen; aber heute Abend wollen wir es ihnen heimzahlen; wir sind bei Trantow, da habe ich noch immer Glück gehabt; aber Sie dürfen nicht von meiner Seite. Und nun trinken Sie Ihren Kaffee und kommen Sie in einer halben Stunde herunter; ich habe ein paar Briefe zu schreiben; der Herr Steuerrath wollen mal wieder aus einer seiner tausend und einen Verlegenheit gerissen sein; ich kann ihm aber diesmal nicht helfen, wenigstens heute nicht; er muß schon noch warten. Also in einer halben Stunde; hernach wollen wir an den Strand. Ich fühle mich heute etwas fieberhaft, die Seeluft wird mir gut thun.«

Er ging und ließ mich in der seltsamsten Stimmung zurück. Ich hatte die Empfindung, daß er mir Alles gesagt, und wenn ich es recht bedachte, waren es doch nur dieselben Reden gewesen, wie er sie ähnlich schon oft gegen mich geführt; ich hatte das Gefühl, als habe ich mich ihm mit Leib und Seele verschrieben, und doch hatte er mir kein Versprechen abgenommen. Gerade aber das war es wohl, weshalb ich mich mehr als je zu dem seltsamen Manne hingezogen fühlte. Wenn er großmüthig genug war, mich nicht auf sein Schiff nehmen zu wollen, das er dem Untergange entgegentreiben sah, durfte ich ruhig am sichern Ufer stehen bleiben und ihn mit den Wellen kämpfen und von den Wellen verschlingen sehen?

Meine jugendliche Phantasie erfaßte mit Begierde die romantische Geschichte von jenem Ritter, der mit meiner Vaterstadt in Fehde gelegen. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen; ich träumte mich in die Rolle des Pagen, der sich mit Gefahr seines Lebens durchgeschlagen, dem geliebten Herrn Hülfe und Rettung zu bringen. Sollte ich geringer denken, weniger kühn handeln als jener Knabe? Und waren wir nicht in derselben Lage fast? War mein Ritter nicht bis auf's[124] Aeußerste gebracht? Hatten ihm die Pfeffersäcke nicht sein Alles genommen? Ihm nichts gelassen von dem Erbe seiner Väter, ihm, dem königlichen Mann? Wie sie dagestanden, die schlanke, edle Gestalt mit den blitzenden Augen und dem Herzeleid in dem bleichen, tiefgefurchten Antlitz, das der volle Bart umwogte! Der sollte seine Tochter haben verkaufen wollen? Der! Und ein Mensch, wie der Commerzienrath, sollte einst hier Herr sein an des Ritters Statt? Der Mensch mit dem glattrasirten Fuchsgesicht, den zwinkernden Diebesaugen und den plumpen gierigen Fingern! Er, der mir selber schon den Galgen prophezeit hatte? Ja, sie hatten mir nicht besser mitgespielt als meinem Ritter. Sie hatten mich aus der Stadt getrieben, und Gott sei Dank, daß sie's gethan, daß ich sie hassen konnte, die ich immer verachtet hatte!

So erhitzte sich mein thörichter Kopf mehr und mehr. Die Lust an Abenteuern, das innige Behagen an dem zügellosen Leben, das ich Freiheit nannte, eine ungeheure Verwirrung der Begriffe von Recht und Pflicht, Dankbarkeit, Jugendübermuth, eine erste leidenschaftliche Liebe – Alles, Alles bannte mich in diesen Kreis, der mir eine Welt war, die mich ganz erfüllte, – meine Welt; zog mich mit unwiderstehlicher Gewalt zu diesem Manne, der mir als das vollkommene Ideal eines Ritters und Helden erschien, zu dem schönen Mädchen, in dem ich meine kühnsten Phantasien so weit übertroffen sah. Und daß sie, die ich doch mit gleicher Liebe umfaßte, sich feindlich gegenüberstanden, trug nur dazu bei, in mir das Gefühl einer geträumten Unentbehrlichkeit zu verstärken. Sie waren noch eben, jedes in seiner Weise, gleich gütig zu mir gewesen, hatten mir dasselbe Vertrauen gezeigt – die Erfüllung meines glühendsten Wunsches, sie beide versöhnt zu sehen, war mir noch nie so nahe erschienen, als an diesem Morgen, wo ich in meinem Zimmer umherirrte und am Fenster zu dem blauen Himmel hinaufstarrte, an dem große weiße Wolken unbeweglich standen, und hinab auf den Park, dessen majestätische Baumgruppen und breiten Wiesengründe vom herrlichsten Sonnenlicht zauberisch überstrahlt waren.

Wie hätte ich ahnen können, daß jene weißen Wolken sich so bald zu einem finstern Trauermantel auseinander rollen und die Sonne verhüllen würden! daß ich mein Paradies in diesem Zauberglanz zum letzten Male erschaut hatte!

Quelle:
Friedrich Spielhagen: Sämtliche Werke. Band 1, Leipzig 1874, S. 111-125.
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Fräulein Else

Die neunzehnjährige Else erfährt in den Ferien auf dem Rückweg vom Tennisplatz vom Konkurs ihres Vaters und wird von ihrer Mutter gebeten, eine große Summe Geld von einem Geschäftsfreund des Vaters zu leihen. Dieser verlangt als Gegenleistung Ungeheuerliches. Else treibt in einem inneren Monolog einer Verzweiflungstat entgegen.

54 Seiten, 4.80 Euro

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Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

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