Sechszehntes Capitel.

[192] Ich kam von dem Kreidebruche zurück, wo ich den ganzen Morgen mit der Einmauerung der eben angekommenen Wasser-Wältigungs-Maschine beschäftigt gewesen war. Die Arbeit war unter meiner Leitung trefflich von Statten gegangen, Dank dem Geschick und dem guten Willen meiner Leute; und der phlegmatische Bergmeister hatte zuletzt mit einem Anfluge von Begeisterung gesagt: »ich glaube, nun holen wir es doch!« Ich war in einer sehr glücklichen Stimmung. Die alte Schaffenslust hatte mich wieder ganz erfaßt und während ich durch die Felder rasch dahinschritt, diesen und jenen neuen Plan im Geiste wälzend und die Mittel dazu erwägend, da war ich wieder einmal zu dem Resultat gekommen, daß Alles wohl geschehen könne und wohl gerathen würde, wenn nur der rechte Wille da sei, und ich hatte zum andern Male gesagt: wer hier Herr wäre!

Aber ich sagte es nicht, wie ich es vor acht Tagen gesagt. Damals war es ein Wunsch gewesen, dem nichts Persönliches anhaftete, und das Ziel war mir unerreichbar erschienen. Heute war mein Herz nicht weniger erregt, aber es schlug nicht mehr frei wie neulich, und ich sah das Ziel nicht mehr unerreichbar weit, ja, ich sah es manchmal so nahe, als ob ich nur die Hand auszustrecken brauchte, um es zu haben. Und wenn mir dieser Gedanke kam, und es plötzlich vor meine Seele trat: das schöne, junge Gesicht mit der Wolke von Zorn auf der weißen, festen, von hellbraunem,[192] krausen Gelock umdüsterten Stirn, und den unmuthgeschürzten, vollen, rothen Lippen; dann stand ich still, vor mich hinstarrend in die grüne Saat, deren Spitzen im Morgenwinde nickten, oder hinaus in die blaue Meeresferne, die über den Uferrand herüberschimmerte, und sah nichts, nichts als immer nur das süße, trotzige Gesicht, und dann athmete ich tief auf und besann mich, daß der Commerzienrath mich hatte rufen lassen und wohl schon ungeduldig meiner harrte.

Ich fand ihn in seinem Zimmer in so lebhafter Unterredung mit dem Justizrath, daß ich die beiden Herren, die zu gleicher Zeit sprachen, schon hörte, bevor mir Wilhelm Kluckhuhn die Thür geöffnet hatte. Sie saßen an dem runden Tisch, der mit Flurkarten, Bauplänen, Anschlägen bedeckt war.

»Kommen Sie endlich!« rief mir der Commerzienrath in einem Tone entgegen, daß ich mich veranlaßt fühlte, über die Schulter gewandt nach der Thür zu sehen und dem Aufgeregten zu bemerken, daß Wilhelm bereits das Zimmer verlassen habe.

Der Commerzienrath warf mir einen jener bösen Blicke zu, die man in den Augen eines alten Tigers wahrnimmt, wenn er ungewiß ist, ob er die Stahlpeitsche in der Hand eines Wärters respectiren soll oder nicht, und rief dann im muntersten Ton: »Ja, ja, der verfluchte Kerl; da habe ich ihn schon vor einer Stunde nach Ihnen geschickt und nun erst bringt er Sie uns, die wir ohne Sie gar nichts machen können, wenigstens ich nicht, während dieser Herr allerdings schon eher ohne Sie fertig wird.«

»Erlauben Sie, Herr Commerzienrath,« sagte der Andere.

»Nein, ich erlaube Nichts,« rief Jener, »am wenigsten, daß Sie sich als mein Freund in dieser Sache benehmen.«

»Ich bin auch der Freund der anderen Partei, so zu sagen,« erwiederte der Justizrath, indem er mit vieler Würde das starre, mittlerweile stark ergraute Haar von beiden Seiten auf den Wirbel seines spitzen Kopfes emporstrich, daß es sich dort zu jenem Kamme aufstellte, in welchem die Circus-Clowns einen blonderen Schmuck ihrer interessanten Erscheinung zu erblicken geneigt sind.

»So sollten Sie doch wenigstens unparteiisch sein!« rief der Commerzienrath.[193]

»Fragen Sie unsern Freund hier, ob er mich je anders gekannt hat?« fragte der Justizrath mit einem würdevollen Blick zu mir herüber.

»Ach was,« rief der Commerzienrath, »Redensarten machen den Kohl nicht fett und mein Kohl wird magerer, je länger Sie ihn auf dem Feuer haben. Vor acht Tagen, das heißt, bevor Sie kamen, wollte der Fürst noch viermalhunderttausend Thaler geben; nachdem Sie dreimal mit ihm conferirt, ist er um fünfzigtausend mit seinem Gebot heruntergegangen, macht für jede Conferenz sechszehntausend sechshundert und sechsundsechszig zwei drittel Thaler! Ich danke Ihnen! Sie sind mir immer ein theurer Gast gewesen; aber daß Sie mir so theuer sein sollten, würde ich nie geglaubt haben!«

Emiliens Vater machte eine Bewegung, als wenn er sich vor den scharfen Pfeilen seines Gegners in den großgeblümten Schlafrock hüllen wollte, den er zu Hause zu tragen pflegte; da er sich aber darauf besann, daß er in einem schwarzen Gesellschaftsrock stecke, zupfte er nur an dem Kragen, prüfte dann, ob der Hahnenkamm auf seinem Schädel noch unversehrt sei, und blickte mich mit einem dummpfiffigen Lächeln an, als ob er sagen wollte: Wenn einer mit dem Justizrath Heckepfennig fertig werden will, muß er früh aufstehen; Sie haben es erfahren, nicht wahr, junger Mann?

»Ja, ja, lieber Freund, so behandelt man mich hier,« fuhr der Commerzienrath, zu mir gewandt, fort, indem er zur Veränderung in einen weinerlichen Ton verfiel; »es ist wirklich zum Rasendwerden; und Sie wissen doch am besten, Georg, denn Sie verstehen es – was viel mehr ist, als man von gewissen Leuten sagen kann – Sie wissen doch, daß das Gut seine fünfmalhunderttausend Thaler unter Brüdern werth ist, zumal jetzt, wo wir die Gewißheit haben, die Wasser im Kreidebruche zu bewältigen.«

Der Commerzienrath begleitete diese Worte mit einem auffordernden Blick nach mir hin, der so viel bedeutete, als: Jetzt, Georg, fall' ihm in's Gepäck!

»Und das ist noch eine sehr bescheidene Forderung,« fuhr er fort, »wenn man bedenkt, daß wir das Geheimniß gefunden haben, das große Moor trocken zu legen, indem wir die Röhren bis an die Sandschicht leiten, die dem Kreidebruche beinahe verderblich geworden wäre und, bei Licht betrachtet,[194] der von der Natur selbst gegebene Abzugskanal für die Moorwasser wird.«

Und der Commerzienrath sah mich jetzt mit einem wüthenden Blicke an, ob ich denn noch nicht zu seinem Beistande heranrücke.

Nun war der letzte von ihm angedeutete Plan von mir selbst ausgegangen, und ich hielt es deshalb für meine Pflicht, hier zu bemerken, daß ich allerdings auf das angedeutete Project die größten Hoffnungen setze, daß aber die Resultate erst einmal abgewartet werden müßten, und schließlich, wenn dieselben auch noch so günstig ausfielen, das neugewonnene Terrain den Wald, welchen man wahrscheinlich unwiederbringlich verloren, höchstens ersetzen werde, mithin der ursprüngliche Werth von Zehrendorf kaum wesentlich verändert sein könne.

»Sind Sie des Teufels, Herr!« rief der Commerzienrath, indem er aufsprang und in dem Zimmer umherzulaufen begann. »Sind Sie dazu gekommen? was? wie?«

»Ich bin gekommen, Herr Commerzienrath, weil Sie mich haben rufen lassen;« erwiederte ich, ruhig vor dem Aufgeregten sitzen bleibend, der mit schnellen, kurzen Schritten vor mir hin und her lief, mich dabei fortwährend mit den giftigsten Blicken anstierte, sich dann wieder in seinen Lehnstuhl warf und mit einem krähenden Lachen rief:

»Ein Tausendsassa, der Georg Hartwig, ein wahrer Tausendsassa! Was der immer für prächtige Antworten hat! Ist hierher gekommen, weil ich ihn habe rufen lassen! Ein Tausendsassa! Ein wahrer Tausendsassa!«

Und der alte Herr schlug mir mit der flachen Hand auf das Knie und sagte, plötzlich in einen ernsten Ton fallend: »Aber, um auf unsere Angelegenheit zurückzukommen: die Sache ist, daß ich von Granow fünfmalhunderttausend Thaler jeden Tag haben kann. Nicht wahr, Georg? Das hat er Ihnen doch noch gestern Abend gesagt!«

Herr von Granow hatte mir dies keineswegs gesagt, im Gegentheil: er wäre bereit auf jedes vernünftige Gebot abzuschließen, die Forderungen des Commerzienrathes aber seien geradezu unvernünftig. Da ich dem Commerzienrath nicht den Gefallen thun konnte, die Unwahrheit zu sagen, und dem Justizrath, der nur darauf zu lauern schien, nicht die Freude machen wollte, die Wahrheit einzugestehen, so erhob ich mich,[195] indem ich sagte, daß, wenn meine Gegenwart sonst nicht gewünscht werde, ich um die Erlaubniß bäte, mich auf mein Zimmer zu begeben, wo ich noch eine kleine Arbeit zu fertigen habe.

»Nein, bleiben Sie, bleiben Sie!« rief der Commerzienrath eifrig, »ich habe nothwendig mit Ihnen zu sprechen. Was uns anbetrifft, lieber, alter Freund, so gehen Sie jetzt und sagen Sie Sr. Durchlaucht, was Sie wollen; aber, wenn Sie ihm sagen, daß wir das Wasser im Kreidebruche nicht zu bewältigen im Stande wären, so schicke ich ihm den Georg hier, der ihn darüber eines Anderen belehren wird. Und nun fahren Sie mit Gott, alter Freund, und seien Sie pünktlich zu Mittag wieder hier. Ich habe noch ein paar Flaschen Hochheimer zweiundzwanziger gefunden, die Sie goutiren werden, Sie Schmeckesäbel, Sie!«

Der Commerzienrath stieß dem corpulenten Justizrath freundschaftlich mit dem Daumen in die Seite und trieb ihn auf diese Weise gewissermaßen zur Thür hinaus, wandte sich dann kurz auf den Hacken um, kam mit seinen kleinsten Schritten auf mich zugelaufen, blieb vor mir stehen und rief in einem Zorn, der ihm das Blut in die kahlen Schläfen trieb: »Jetzt sagen Sie mir, wollen Sie mir bei diesem Handel helfen, oder wollen Sie es nicht?«

»Zuerst sagen Sie mir, Herr Commerzienrath, wollen Sie aus einem andern Tone mit mir sprechen, oder wollen Sie es nicht?«

»Ach was! lassen Sie Ihre Narrenspossen! Wir sind jetzt unter uns. Ich habe keine Lust, mit Ihnen Blindekuh zu spielen, Herr, verstehen Sie mich?«

»Nicht im mindesten,« erwiederte ich, »oder höchstens so viel, daß ich keine Lust habe, auch nur eine Minute länger der Gast eines Mannes zu sein, der so wenig, der so gar nicht weiß, was er seinen Gästen schuldig ist.«

Ich hatte das in einem sehr ruhigen Tone sagen wollen; aber es gelang mir nicht ganz. Der Gedanke, daß in diesem Augenblicke die großen Pläne, mit denen ich mich noch eben getragen, vielleicht in Rauch aufgingen, daß die junge, frische Saat meiner schönsten Hoffnungen von diesem thörichten, alten, egoistischen Manne mit zornigen Füßen in den Boden gestampft würde – dieser Gedanke machte denn doch, daß wenigstens meine letzten Worte mit einer größeren Bitterkeit[196] gesprochen wurden, als es wohl sonst meine Gewohnheit war.

Der Commerzienrath mußte mit seinen scharfen Ohren herausgehört haben, daß er an der Grenze meiner Duldsamkeit angekommen sei, denn, als ich an der Thür war und den Drücker schon in der Hand hatte, fühlte ich mich plötzlich am Rockschooß festgehalten, und, mich umwendend, sah ich das Gesicht des wunderlichen alten Herrn mit einer so seltsamen Verzerrung zu mir emporgerichtet, daß ich lachen mußte, so trüb mir auch zu Sinnen war.

»Na, das ist recht, lachen Sie tüchtig, Sie schlechter Mensch, und setzen Sie sich wieder hin! Ei, das fehlte mir noch, daß Sie mir so aus dem Hause liefen! Da würde ich heute Mittag eine schöne Suppe auszuessen haben! Nein, nein, setzen Sie sich! Ich habe nothwendig mit Ihnen zu sprechen, und ich will mit Ihnen sprechen, als wenn Sie mein Sohn wären. Der Himmel hat mir ja leider keinen geschenkt und ich muß schon zu andern Leuten meine Zuflucht nehmen, die natürlich einem alten Manne sein bischen Heftigkeit nicht verzeihen können.«

Ich war schon längst wieder in einer versöhnlichen Stimmung und der Commerzienrath hätte gar nicht einen so kläglichen Ton anzuschlagen brauchen. Aber er blieb in diesem Ton, während er mir nun des Weiteren auseinandersetzte, daß er Zehrendorf damals nur übernommen habe, um es später mit Vortheil wieder verkaufen zu können; daß dieser Zeitpunkt jetzt ge kommen sei, daß er das Geld brauche, nothwendig brauche, und daß ich ihm auf jeden Fall helfen müsse, den Handel mit dem Fürsten zum Abschluß zu bringen. Ich verstände mehr von diesen Dingen, als er selbst, oder der Justizrath, oder auch der junge Fürst, und der Letztere habe ihm schon wiederholt und erst noch heute Morgen geschrieben, daß er mich lieber zum Unterhändler wolle, als den Justizrath, der ein alter Esel sei, und, schrie der Commerzienrath, »Gott sei es geklagt, wahr und wahrhaftig ein alter Esel ist.«

»Wie kommt der junge Fürst dazu, mich zum Unterhändler zu wollen?« fragte ich erstaunt.

»Weil er sich für Sie interessirt, wie es alle Welt thut, Sie Tausendsassa, Sie!« rief der Commerzienrath. »Nun, wollen Sie, wollen Sie?«[197]

»Herr Commerzienrath,« sagte ich nach einer kleinen Pause, in welcher ich mich bemüht hatte, die sich durchkreuzenden Gedanken auf einen Punkt zu sammeln: »ich will es Ihnen gestehen: es thut mir weh, zu denken, daß Zehrendorf in eine andere Hand kommen soll, in die Hand eines Herrn, von dem ich nicht weiß, ob er nicht Alles, was hier mit so vielen Kosten und so großer Mühe in's Leben gerufen ist, wieder zu Grunde gehen läßt, so daß die arme Menschheit hier herum in einen noch erbärmlicheren Zustand geräth, als in welchem ich sie vorgefunden. Denn Ihre neuen Unternehmungen haben trotz alledem so Manchen hierher gezogen, der nicht so bald wieder fort kann, sondern hier weiter darben und das allgemeine Elend vermehren helfen wird. Nun erlaubte ich mir, Ihnen mehr als einmal schon zu sagen, daß ich Sie keineswegs für den guten Herrn halte, den ich für Zehrendorf wünsche, aber ich meinte, Sie würden schon in Ihrem eigenen Interesse versuchen müssen, das Angefangene zu vollenden, und so mochte ich denn immer noch die Hoffnung nicht aufgeben, Sie endlich zu meinen Ansichten zu bekehren. Dennoch, da Sie sagen, daß Sie das Gut verkaufen müssen und Ihr Entschluß fest zu sein scheint, will ich Ihnen die Hand dazu bieten, aber nur unter zwei Bedingungen. Die eine ist, daß Sie mir verstatten, als Ihr Freund, aber auch als ein ehrlicher Mann bei dem Handel zu Werke zu gehen, das heißt, einen guten, oder sagen wir den besten Preis zu erzielen, nicht aber Forderungen zu machen und zu vertreten, die der Fürst nur annehmen kann, wenn er ein Narr ist, oder die er mit Hohn zurückweisen wird, wenn er keiner ist. Ich bitte noch um einen Augenblick Geduld, Herr Commerzienrath! Ich sagte, daß ich zwei Bedingungen habe und die zweite ist, daß Sie in der Stunde, wo ich den Verkauf zu Stande bringe, den Plan der Erweiterung unserer Fabrik in der Stadt genehmigen und mir die Summen, welche ich dafür berechnet habe, anweisen lassen.«

»Sind Sie verrückt, Herr!« schrie der Commerzienrath, mit der Faust auf die Lehne seines Stuhles schlagend, »mir solche Sachen zu sagen, hier, in meinem eigenen Hause, auf meinem eigenen Zimmer, als wenn Sie ein Pascha von drei Roßschweifen, oder, ich weiß nicht was, wären und nicht vielmehr –«[198]

»Ihr ergebenster Diener,« sagte ich, indem ich meine beste Verbeugung machte.

»Ach was!« schrie er, »wollen Sie mir nicht bange machen! Sie gehen ja doch nicht; wozu also die Possen?«

»Und Sie geben mir ja schließlich doch Recht, wozu also der Lärm?« erwiederte ich lächelnd.

»Aber ich sage Ihnen zum hundertsten Male, daß ich das Geld, und wenn ich Zehrendorf noch so gut verkaufe, zu anderen Dingen brauche, als zu Ihrer vertracten Fabrik!« rief der Commerzienrath.

Ich sah dem alten Mann starr in die Augen und sagte: »Wissen Sie, was mir neulich geträumt hat, Herr Commerzienrath? daß Sie gar nicht der reiche Mann sind, für den man Sie hält.«

»Sie Tausendsassa! Sie Spaßvogel! Sie humoristischer Teufelskerl, Sie! Werden Sie mir nicht nächstens sagen, daß ich die Stiefeln gestohlen habe, die ich trage! Sie! Können Sie mir nicht auf ein paar Tage fünf Thaler leihen? Sie!«

Und er stieß mir mit dem Daumen in die Seite, und hielt sich dann die eigenen Seiten über den köstlichen Spaß.

»Wenn Sie also ein reicher Mann sind,« fuhr ich sehr ernsthaft fort – und es hatte mir keine Mühe gemacht, ernsthaft zu bleiben – »so sagen Sie ja, und die Sache ist gut.«

Ich hielt ihm meine Hand hin, in die er, noch immer wie toll lachend, einschlug.

»Also der Handel ist abgemacht,« sagte ich tief aufathmend.

»Abgemacht!« rief er.

»Und ich werde mein Wort einfordern, Herr Commerzienrath, darauf verlassen Sie sich.«

»Und ich mich auf Sie,« entgegnete er, indem er noch immer meine Hand mit einer seiner Hände festhielt und mir mit der zweiten sanfte Schläge auf die Knöchel ertheilte; »wenn Sie nicht ein so verläßlicher Mensch wären, glauben Sie, daß ich so viele Umstände mit Ihnen machen würde, Sie! o weh!«

Ich mußte ihm wohl in meiner Aufregung die Hand etwas zu kräftig gedrückt haben, denn er schrie laut auf und machte ein schreckliches Gesicht; ich bat um Entschuldigung; er lachte und rief nochmals: »o weh! Der Eisenmensch! Der Tausendsassa!« und trieb mich mit Daumenstößen zur Thür hinaus, genau so, wie er vorhin den Justizrath hinausgetrieben.

Quelle:
Friedrich Spielhagen: Sämtliche Werke. Band 2, Leipzig 1874, S. 192-199.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Hammer und Amboß
Hammer Und Amboss; Roman. Aus Hans Wachenhusen's Hausfreund, XII (1869 ) (Paperback)(English / German) - Common
Friedrich Spielhagen's sämtliche Werke: Band X. Hammer und Amboss, Teil 2
Hammer Und Amboss; Roman in 5 Banden Von Friedrich Spielhagen
Hammer Und Amboss: Roman... Volume 2
Hammer & Amboss (German Edition)

Buchempfehlung

L'Arronge, Adolph

Hasemann's Töchter. Volksstück in 4 Akten

Hasemann's Töchter. Volksstück in 4 Akten

Als leichte Unterhaltung verhohlene Gesellschaftskritik

78 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon