Fünfzehntes Capitel

[119] Als Oswald am nächsten Morgen nach einem kurzen, unruhigen Schlaf erwachte, war es ihm, als hätte sich ein trüber Lethestrom über die Erinnerungen des vergangenen Tages gewälzt. Was sich ereignet hatte bis zu dem Augenblicke, wo ihm das Venusbild in der dämmrigen Waldkapelle entgegenschwebte – er hatte es vergessen; was nachher geschehen war, als er[119] Melitta, die ihm bis in die Nähe des Wagens durch den Wald das Geleit gegeben, zum letzten Male in seine Arme gepreßt hatte – er wußte es nicht mehr. Aber die Küsse, die er gegeben und empfangen, brannten noch auf seinen Lippen; aber der süße Athem, der sich mit dem seinen vermischt, umkoste ihn noch; aber die liebetiefen Augen, die in den seinen geruht, sie strahlten ihm noch immer. O, diese Augen, diese zärtlichkosenden leidenschaftblitzenden Augen! wie zwei helle Sterne, die selbst das Frühroth nicht verlöschen kann, schimmerten sie und leuchteten sie, und verfolgten ihn allüberall. Er sah sie, wenn er die eigenen Augen schloß: er sah sie, wenn er aus dem Fenster, in dem er lehnte, in den hellen Morgenhimmel schaute; er sah sie, wenn er den Blick in die blauen Schatten senkte, die zwischen den hohen Bäumen lagen, unten in dem stillen, thaufrischen Garten. Es war ihm, als ob er sich todt weinen könnte, als ob er laut aufjauchzen müßte vor seligem Schmerz und schmerzlicher Seligkeit, als ob sein ganzes Wesen sich auflösen, wie ein Ton in der Harmonie des Alls verklingen müßte. Daß er einen Körper hatte, erschien ihm wie Hohn.

Er schlich sich auf den Fußspitzen in die Kammer der Knaben: er wollte wenigstens ein liebes Antlitz, Bruno's Antlitz sehen. Das erste Frühroth drang durch die geschlossenen Gardinen: im Zimmer war es auffallend kühl. Bruno hatte wieder einmal nach seiner Gewohnheit das Fenster die ganze Nacht hindurch offen gelassen. Oswald schloß es, denn die Morgenluft wehte herein und Bruno's Gesicht war von einem unruhigen Traum erhitzt. – Wieder lag er da, wie in jener Nacht, als Oswald ihn zum ersten Mal erblickte – mit über der Brust verschränkten Armen, düstern Trotz auf dem dämonisch-schönen Angesicht. Aber als Oswald ihn heute auf die Stirn küßte, öffnete er nicht, wie damals die Augen, ihn voll Traumseligkeit anzulächeln; öffnete er nicht, wie damals die Lippen, ihm das rührende Wort zuzuflüstern: ich habe Dich lieb! die dunklen Brauen zogen sich nur noch finsterer zusammen, und schmerzlich zuckte es um den stolzen Mund. – Zu jeder andern Zeit würde Oswald dies für einen Zufall angesehen haben; aber jetzt in[120] seiner augenblicklichen weichen Stimmung schmerzte es ihn innig. – Zürnt er dir noch, dachte er, daß du ihn gestern zu Hause ließest? Ahnt er, daß seit gestern ihm nicht mehr all' deine Liebe gehört? und doch, liebe ich ihn jetzt nicht nur noch mehr? Er streichelte dem Knaben sanft das dunkle Haar aus der finstern Stirn; er hüllte die leichte Decke fester um den schlanken Leib und schlich wieder aus dem Gemach mit viel weniger leichtem Herzen, als er es betreten hatte. Eine bange Ahnung von schwerem Leid, das ihm selbst und Bruno und auch ihr! aus all' der Himmelslust erwachsen werde, durchbebte ihn. Er eilte in den Garten hinab, um im Freien freier athmen zu können, und schweifte umher in den dunklen Laubengängen und zwischen den Beeten, und schüttelte den Thau von den Zweigen in sein heißes Gesicht und schaute mit den düstern verwachten Augen in die frommen Kinderaugen der Blumen. – An den Gemüsebeeten fand er den Gärtner beschäftigt. Es war doch wenigstens ein Mensch. Oswald sehnte sich darnach, die Stimme eines Menschen zu hören. Er redete den Mann an; er erkundigte sich, was er nie zuvor gethan, nach seinen Verhältnissen: ob er verheiratet sei? ob er Kinder habe? ob er die Kinder liebe? Der Mann gab ihm schiefe, halbe Antworten; redseliger wurde er, als er auf seine Pflanzungen zu sprechen kam, die bei dem köstlichen Wetter, wo herrlichster Sonnenschein mit warmem Gewitterregen abwechselte, gar üppig gediehen. Aber Oswald hörte nur mit halbem Ohre hin und verließ plötzlich mit einem flüchtigen Gruße den Alten, der, sich die Mütze aus der Stirn rückend, ihm verwundert nachschaute, mit dem Kopfe schüttelte, und wieder zum Spaten griff. – Oswald setzte seine rastlose Wanderung durch den Garten fort, dann aber wurde es ihm auch hier zu eng in dem von dem hohen Walle rings eingeschlossenen Raum. Er eilte aus dem Garten über den Hof in das Feld, aus dem Felde in den Wald, weiter und weiter, dem Brausen entgegen, das zuerst dumpf, dann lauter und lauter an sein Ohr drang.

Da trat er heraus aus den Buchen, deren breite Kronen sich über seinem Haupte wölbten, auf das hohe Kreideufer, und[121] weit, unermeßlich lag es vor ihm da, das heilige, ewige Meer. Dort in der Ferne blitzten die weißen Kämme der Wogen auf, die, sich unaufhaltsam heranwälzend, tief unter seinen Füßen zwischen den gewaltigen Steinen des schmalen Strandes mit unaufhörlichem Donner brandeten – Woge auf Woge, immer neue und immer neue, unzählig, sinnverwirrend, wunderbar. Kein Segel war zu sehen in der ungeheuren Runde; nur ganz am Horizont zog eine Rauchsäule von Osten nach Westen. Sie kam aus dem Schlot eines Dampfers, der seine einsame Bahn, wer weiß, woher und wohin rastlos verfolgte. – Ueber der schäumenden Brandung unter ihm flatterten weiße Möwen und stürzten sich kreischend in die Salzfluth und schwangen sich wieder auf und flatterten wieder hierin und dorthin. Hoch oben in der blauen Luft zog ein Seeadler seine majestätischen Kreise, höher und immer höher, bis er Oswald's Blicken nur noch als ein schwarzer beweglicher Punkt erschien. – Aber selbst das erhabene Schauspiel des Meeres vermochte heute nicht seine Seele auszufüllen, und wie köstlich sie auch Oswald sonst dünkte, die Musik der Wogen, er hatte vor wenigen Stunden eine köstlichere Musik gehört. Nur den Adler droben beneidete er. Ein Schlag deiner mächtigen Schwingen, und du schwebst über Wälder und Felder fort bis zu Melitta's Haus.

Er sprang empor, er eilte zurück in's Schloß, hinauf auf die Zinne des Thurmes; vielleicht konnte er von dort Melitta's Wohnung sehen; und er jauchzte laut auf vor freudiger Ueberraschung, als er wirklich, den spähenden Blick nach jener Seite richtend, den obersten Giebel ihres Hauses eben noch über den Rand des Waldes emporragen sah. Ein wonnevoller Schauer durchrieselte ihn; es war ihm, als hätte er den Saum ihres Gewandes berührt. –

Die Zeit, in der Oswald seine Unterrichtsstunden zu beginnen pflegte, war herbeigekommen; er ging in sein Zimmer; er fand die Knaben nicht, die gegen die Gewohnheit noch unten beim Frühstück waren. Sein eigenes Frühstück stand auf dem Tische.

Da klopfte es leise an die Thür und herein trat der alte[122] Baron, mit einem Bündel Papiere in der Hand. Nach den ersten Begrüßungen und nachdem er sich wegen seines ungewöhnlichen Besuches entschuldigt hatte, sprach er:

Sie könnten uns einen rechten Gefallen erweisen, Herr Doctor.

Ich vermuthe, Herr Baron, daß es sich um die Papiere handelt, die Sie dort in der Hand haben.

Ja, ja. Sie wissen, daß Grenwitz und Stantow zu Martini aus der Pacht kommen. Nun möchten wir gern, daß die Güter neu vermessen würden, da die Flurkarten, die vor fünfundzwanzig Jahren angefertigt wurden, sehr schlecht sind. Der erste Brief also, den wir Sie zu schreiben bitten würden, wäre an unseren Feldmesser. Er heißt Albert Timm und wohnt in Grünwald. Sie würden ihn bitten, zu einer vorläufigen Besprechung sofort herüberzukommen. Der zweite Brief ist an unseren Advocaten, ebenfalls in Grünwald. Anna-Maria wünscht seine Revision der Pachtcontracte. Hier ist eine Abschrift der jetzigen. Anna-Maria hat am Rande verzeichnet, was wir in den neuen Entwurf aufgenommen wünschen. Wenn Sie auch dieses Schriftstück mundiren wollten – es ist freilich etwas viel –

Geben Sie nur, Herr Baron. Zu wann wünschen Sie die Sachen geschrieben?

Wenn es Ihnen bis Mittag möglich wäre? Wir haben den Knaben schon vorläufig angekündigt, daß sie mich auf einer Fahrt nach Stantow begleiten sollen. Sie haben doch nichts dagegen?

Ich denke, es wird wohl so das Beste sein.

Nun, dann leben Sie wohl, lieber Herr Doctor, und entschuldigen Sie, daß wir Sie mit diesen Sachen belästigen. Aber Sie wissen, Anna-Maria –

Keine Entschuldigung, Herr Baron –

Der alte Mann verließ das Zimmer, Oswald warf sich auf das Sopha und schloß die Augen, um von Melitta zu träumen. Aber je eifriger er sich ihr geliebtes Bild vorzustellen suchte, desto eigensinniger steckte sich das runzlige Gesicht des[123] alten Barons dazwischen. Das verwandelte sich dann wieder in das Antlitz der braunen Gräfin, dann zog ihm der Pastor Jäger eine Fratze, und plötzlich stand Bruno im Zimmer, gehüllt in lange, wallende, weiße Gewänder. Oswald wollte lachen über die tolle Maskerade, aber als er einen Blick in das Gesicht des Knaben warf, erstarb das Lachen auf seinen Lippen. Ein Schauer durchrieselte ihn, seine Haare bäumten sich – die wachsbleiche Farbe, die so seltsam von den blau-schwarzen Haaren abstach, die weiten starren Augen, ein namenloses Etwas in dem Ausdruck dieser glanzlosen, gebrochenen und doch so wunderbar beredten Augen – das war nicht Bruno, das war der Tod, der leibhaftige Tod in Bruno's vielgeliebter Gestalt ... Mit einem wilden Schrei fuhr Oswald in die Höhe. Das schreckliche Bild war verschwunden, aber es bedurfte mehrerer Minuten, bis der junge Mann sich überzeugen konnte, daß es wirklich nur ein Bild gewesen. So deutlich hatte er mit geschlossenen Augen jedes Möbel im Zimmer, den Sonnenstrahl, der durch das Fenster fiel, die Staubatome, die in dem Strahle tanzten – Alles, Alles gesehen.

Da hörte er das Knallen einer Peitsche und das Knirschen von Rädern in dem Sande vor dem Portal des Schlosses. Der Baron fuhr eben mit den Knaben fort.

Oswald ging mit hastigen Schritten in seinem Gemache auf und ab.

Warum heute, gerade heute das fürchterliche Bild! Muß Bruno sterben, zuvor mir sterben, damit ich Melitta lieben kann! Ist es nicht möglich, einen Bruder und eine Geliebte zu lieben zu gleicher Zeit, mit gleicher Gluth der Seele? Ist das Menschenherz so klein, daß eine Empfindung, um darin wohnen zu können, die andere verdrängen muß? und ist die Treulosigkeit Naturgesetz?

Der junge Mann war wieder ruhiger geworden, aber die ambrosische Schönheit des Sommermorgens war verschwunden. Die Sonne hatte keinen Glanz mehr für ihn, der Gesang der Vögel keine Süßigkeit; der übermüthig sprudelnde Quell der Lust in seinem Busen war versiegt.[124]

Du bist jetzt in der rechten Stimmung für die trockene Arbeit, sagte er bitter und holte das Packet wieder aus der Ecke hervor, in die er es vorhin geschleudert hatte. Er setzte sich an den Tisch und begann zu schreiben. Zuerst den Brief an den Geometer – das ging noch; auch der Brief an den Advocaten kam, obgleich nicht ohne einige heimliche Verwünschungen, glücklich zu Ende; aber die Abschrift der beiden Kontrakte zu fertigen, mußte er seine ganze Geduld zusammennehmen. Mehr noch als die Langweiligkeit der Arbeit selbst, ärgerten ihn die von der Hand der Baronin eingestreuten Bemerkungen, in welchen sie die in den Contracten von ihr beliebten Veränderungen in den Augen des Advocaten, vielleicht auch in ihren eigenen, zu motiviren suchte. Die Höhe der Pacht war in beiden Fällen fast um das Doppelte gesteigert, was Oswald um so mehr Wunder nahm, als er den Inspector Wrampe wiederholt hatte sagen hören: Herr Pathe, der Pächter der beiden Güter, ein außerordentlich fleißiger, strebsamer und ökonomischer Mann, sei so gestellt, daß ihn eine einzige Mißernte ruiniren müßte. In einer Notiz der Baronin hieß es: Herr P. ist ein nachläßiger Monsieur und sein sauberer Inspector W. ist nicht besser. Je humaner man gegen dergleichen Menschen ist, desto fauler werden sie. In einer andern: die dem Schlosse von dem Gute Grenwitz zu leistenden Naturallieferungen müssen auf jeden Fall doublirt werden, denn daß wir doch nur die Hälfte von dem bekommen, was uns zusteht, und diese Hälfte unter den langen Fingern unserer Leute noch mehr zusammenschrumpft, ist von vornherein anzunehmen. Durchstrichen, aber nicht so, daß man sie nicht noch hätte lesen können, waren die folgenden Worte: Sollte ja etwas übrig bleiben, so können wir ja den Rest alle Sonnabende in B. (dem nächsten Landstädtchen) auf dem Wochenmarkte verkaufen. An einer andern Stelle: Kann nicht contractlich ausgemacht werden, daß die Verwalter, Statthalter (Großknechte), Ausgeberinnen u.s.w. der Pächter jedesmal von dem Baron bestätigt werden müssen? Man wüßte dann doch, mit was für Subjecten man es zu thun hat, und behielte den Griff fester in der Hand.[125]

Und das Vermögen dieser Menschen beträgt Millionen! rief Oswald und warf die Feder zornig auf den Tisch. Schreibe ein Anderer das Gewäsch! Soll ich mich zum ergebensten Werkzeug dieser egoistischen, hochmüthigen, herzlosen Aristokratenbrut hergeben?

Und trüber und trüber ward es in des jungen Mannes Seele. Nicht zum ersten Male wurde er heute daran gemahnt, wie schief, wie unhaltbar doch seine ganze Stellung sei. Und was hatte ihn in diese Stellung getrieben, wenn nicht seine Freundschaft zu dem Professor Berger, dessen Rath er gegen seine bessere Ueberzeugung gefolgt war? Es fiel ihm ein, daß er den letzten Brief seines wunderlichen Freundes noch nicht beantwortet hatte. So setzte er sich denn wieder hin und schrieb:

Es giebt kein Unrecht als den Widerspruch – das ist, wenn ich mich recht erinnere, eine Ihrer Lieblingsmaximen, und die Cardinalregel, nach der Sie das Thun und Lassen der Menschen beurtheilen! Nun denn! So hatten Sie doppelt und dreifach unrecht, mich in diese Situation hineinzureden und hineinzulachen, denn sie ist, wie ich sie auch betrachten mag, aus Widersprüchen zusammengesetzt. Ich ein Erzieher Anderer, der ich mich selbst noch zu erziehen habe! Ich, der Aristokratenfeind, der Adelshasser in dem Schooße einer aristokratischen Familie, halb der Freund und halb der Diener dieser hochadeligen Sippe! Und was mich noch abscheulicher dünkt, ist, daß ich an den Genüssen dieses aristokratischen Lebens so harmlos Antheil nehmen kann, als hätte mich nie ein Schauer der Ehrfurcht erfaßt, wenn ich in der Schrift an die Stelle kam: Des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege! Sind diese Worte denn nicht auch für mich geschrieben, für mich, dem kein Kissen zu wollüstig, kein Teppich zu weich, keine Speise zu lecker, kein Wein zu kostbar dünkt? für mich, der ich, weit entfernt, mich von diesem Luxus angeekelt zu finden, ihn nicht gierig verschwelge, wie der Sklave seine kurzen Augenblicke der Freiheit, sondern ruhig und bedächtig durchkoste und genieße, ihn hinnehme, wie etwas, was sich von selbst versteht, wie etwas, zu dem man geboren und erzogen ist. Soll die gnädige Frau[126] Baronin recht haben, die neulich hochmüthig behauptete, von allen sogenannten Volksfreunden früher und jetzt habe nur noch jeder seinen persönlichen Vortheil im Auge gehabt. Der Eine verkaufe seine Grundsätze ein wenig theurer als der Andere – der Eine lasse sich seine Apostasie mit Geld, ein Zweiter mit Ehrenstellen, ein Anderer wieder anders bezahlen – das sei aber auch der ganze Unterschied. Damals widersprach ich natürlich lebhaft – es war gleich zu Anfang meines hiesigen Aufenthalts – ich weiß nicht, ob ich noch heut dazu den Muth hätte. Denn, mein Freund, ich denke an Marie Antoinette, und denke, wenn eine andere Frau, so schön und so geistreich, wie die unglückliche Königin, eine Frau mit den Augen und dem Schmelz der Stimme und dem Liebreiz, wie – nun wie mein Ideal, die Frau, die ich lieben könnte, lieben müßte – zu mir spräche: Das Abschwören Deiner Grundsätze ist der Preis meiner Gunst! – Gott, sie wird es nicht sagen, sie kann es nicht sagen, denn ich will glauben, daß in dem schönsten Körper die schönste Seele wohne; aber, wenn sie dennoch in den Vorurtheilen ihres Standes so befangen wäre – wie dann? O, ich fühle, nein, ich weiß, daß ich ihren Worten, ihren Thränen nicht widerstehen könnte; daß vor der Gluth ihrer Küsse, dem Feuer ihrer Blicke die stolze Kraft hinschmelzen würde, wie Wachs; daß, wenn sie ihre weichen Arme um mich schlänge, ich nicht im Stande wäre, mich loszureißen; daß aus der gepreßten Brust kein Wort des Zornes, kein Wort des Hohnes sich losringen würde, nein! nur das eine Wort: ich liebe Dich!

Sie lächeln, o mein Freund, daß mich eine bloße Hypothese, ein bloßes Problema so in Aufregung versetzen kann. Sie denken, in der kühlen Luft der Wirklichkeit gedeihen dergleichen phantastische Treibhauspflanzen nicht. Nun wohl, das Ganze ist nur ein Problema, und wollte Gott, es bliebe problematisch! ...[127]

Quelle:
Friedrich Spielhagen: Sämtliche Werke. Band 1, Leipzig 1874, S. 119-128.
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