Zweites Kapitel.

[30] Ein schlicht Gewand

Deckt in der Welt

Gar oft den Mann

Der in der Hand

Den Zepter hält

Wie's ihm gefällt:

Wer sieht's ihm an?

Ballade.


»Schon gesattelt und aufgezäumt?« fragte ein junger lebhafter Mann von ausnehmend schöner Gestalt und vornehmem Wesen den Knecht des Junkes von Hülshofen, der den erlösten Gaul mit der Reisedecke schmückte. – »Dachte nicht, daß es schon so weit seyn würde, nachdem was ich gehört!« –

Sprachs, und stand mit wenig Sprüngen in der Maienstube vor dem Edelknecht. Dieser saß bei einem Paßglase Malvasier, und kanzelte den demüthigen Wirth zum Rebstock auf gut deutsch ab, wegen[30] seines unziemlichen Benehmens gegen fremde ehrsame Edelleute. Da er jedoch des Besuchs ansichtig wurde, schickte er kurz abbrechend den Kneipenmeister zum Teufel, und wendete sich in der fröhlichsten Laune zu dem Jüngling.

»Sieh da!« sprach er: »Edles Herrlein, seyd will kommen. Habt doch Wort gehalten, ob schon Ihrs im Martinsjubel gabt. Ihr verschmäht es nicht, in der Gesellschaft eines alten Schrankenraufers zu reiten, der Wappen und Freiheit an Eure Stadt verkaufen mußte, um schnöden Sold.«

»Ei warum denn, possierlicher Mensch?« fragte der Jüngling. »Wer mir auf der Lebensbahn aufstößt, lustig, wohlgemuth wie ich, ist vor Allen mein lieber Gesellschafter, er schaue nun unter einer Grafenkrone, einer Fechterhaube, oder einem Gugelhute hervor. – Alter Degenknopf; ich habe von Deinem gebrannten Herzeleid gehört, und bin gekommen, Dich zu befreien aus den Schlingen der Edomiter, die gar zu gern einhergefahren wären auf Deinem Turniergaule!« – Hier klimperte er dem Gerhard gar anmuthig mit einem gefüllten Beutel vor den Ohren. – »Ich komme jedoch zu spät, wie ich zu meiner Freude sehe. Wie ist es Dir möglich geworden, Du durchlöchertes Sieb, dem Handel so schnell ein Ende zu machen?«

Gerhard erzählte lustig, locker und frech in der Freude seines Herzens die Art, wie er zu dem Gelde gekommen. Des Jünglings Gesicht verfinsterte sich jedoch gewaltig, und ungeduldig stampfte er mit dem Fuße, da Hülshofen geendet. – »Pfui![31] pfui! und abermals pfui!« rief er: »Zerbrich Dein Wappen und Dein Schwert, Du geldsüchtiger alter Mensch! Bist Du nicht schlechter als der Jude, der doch nur eine Christenseele kaufte, die Du verschleudert hast? Gerhard! ist das eines Edelmanns würdig? Wärst Du bei Deinem Steigbügel zu Gaste gegangen, wie die lockern Gesellen, die gestern im Rosengarten mit Dir zechten, hättest Du die Marktschiffe geschunden, wie der grausame Hans von Rudenkheim, dessen Rückinger Schloß mein Vater vor zehen Jahren niederbrennen half, – hättest Du mit Scharlach gehandelt auf offner Landstraße, ich würde um Alles dieß Dich weniger gescholten haben, als um eines Menschenverkaufs willen; denn der ist vor allen unritterlichen Streichen der unritterlichste.«

»Noth kennt kein Gebot;« meinte Gerhard. »Hättet Ihr gesehen, wie mich der Wirth beschimpfte, hättet Ihr gesehen, wie meine lieben Freunde mich sitzen ließen, – hättet Ihr empfunden, wie kalt dieser Ofen und wie leer mein Magen war; Ihr würdet glimpflicher mit mir verfahren.«

»Einem Juden?« fuhr der junge Mann fort: »Der arme Junge! Ich war ja dabei, als Du ihn gefunden. Noch sehe ich sein holdes Antlitz; ich empfahl ihn Dir noch auf das Beste, da ich Dich trunknen Mann an der Hausthüre Deinem Knechte überließ; aber was hilft das Alles! Verschachert wie Joseph an die Kinder Ismaels! Nun, wart, wart! alter Luxbruder! Der heilige Martin wird Dir's gedenken, wenn die Seele eines Christen durch Dich zum Teufel fährt.«[32]

»Ei nun;« erwiederte Gerhard: »so überlaßt es auch dem heil. Martin und brummt nicht mit mir. Was soll das Hadern? Laßt uns den Span in Minne beilegen, und zu Gaule steigen. Geld klingt in der Tasche, und überall stehen die Fässer uns offen. Seyd Ihr schon reisefertig?«

»Mein Pferd steht vor meiner Herberge;« antwortete noch etwas finster der junge Mann; »laßt uns dort den Valettrunk halten, denn von Deinem mit Christenblut bezahlten Sekt nehme ich keinen Tropfen an.«

Der Vorschlag wurde von dem trinklustigen Gerhard recht ausführbar befunden, und die Beiden begaben sich auf den Weg. Der lange Vollbrecht, ohnehin zum Fußmarsch verdammt, machte sich eilends zum Thore hinaus, während die Herren noch lustig im Rosengarten sich zutranken. Die rothwangige Tochter des Hauses kredenzte den feurigen Wein, und entzückte durch ihre Liebenswürdigkeit den jungen Mann dergestalt, daß er den Arm um ihren schlanken Leib legte, und sich theuer vermaß, er wolle ihrer selbst im Getümmel der Feste zu Costnitz eingedenk seyn.

»Ei, seht doch!« schäckerte die erfahrne Dirne: »Der Junker will wohl gar noch läugnen, daß er in Frankfurt eine schöne Amrie zurückgelassen, daß vielleicht in Costnitz eine zweite seiner harrt.«

Der Junker fuhr sich unmuthig über die Stirne. »Was schwatzest Du da für Zeug, tolles Mädel!« rief er: »Man muß Deine Schönheit schätzen, wie ich, um Dir Deine Unverschämtheit so hingehen zu lassen!«[33]

»Nur nicht böse, lieber Herr!« bat Dorothea: »Es ziemt mir freilich nicht, also mit ritterlichen Leuten zu scherzen, allein dem willkommnen Mund verzeiht man öfters eine unwillkommne Rede.« – Sie bot dem Jüngling die frischen Lippen zum Kuß, der auch nicht verweigert wurde. – »Ihr dürft Euch übrigens,« fuhr sie fort, »im Ernste darauf gefaßt machen, Euer Herz in Costnitz zu verlieren, wäre es auch ganz allein an die schöne Fremde, die gestern einen Augenblick hier still hielt auf ihrer Reise nach Costnitz, und trotz der stark einbrechenden Nacht alsobald weiter fuhr. Sie darf Euch dort begegnen, und Ihr seyd unwiederbringlich verloren.«

»Eine schöne Fremde?« fragte der Jüngling begierig. »Jungfrau oder ...«

»Ein Fräulein ist sie wohl nicht, denke ich;« erwiederte das schlau lächelnde Mädchen: »aber eine Wittib ganz gewiß, eine junge schöne Wittib, der das schwarze Trauergewand unvergleichlich zu den dunkeln Augen steht.«

»Eine Frau in Trauer?« fragte Gerhard begierig: »die nur einen Augenblick halten ließ?«

»Ja; sie ließ sich nur einen Trunk Weins belieben, und fuhr schnell von dannen. Ein Fuhrknecht und eine junge Gürtelmagd waren ihre ganze Begleitung.«

»Sie ist's! ohne Zweifel!« schrie Gerhard. »Der Zufall hilft uns auf die Sprünge!«

Dorothea staunte. »Auf welche?« fragte der junge Mann; und gab dem vorlauten Fechtbruder einen derben Rippenstoß, als dieser von dem gefundenen[34] und verkauften Knaben anheben wollte. Gerhard schwieg bestürzt, und folgte ohne Widerrede dem Junkherr, denn, – nachdem er in Kürze von Dorothea erfragt, daß die trauernde Fremde in der That den Weg gen Costnitz genommen, und vermuthlich eine jener fahrenden Frauen sey, die des Gewinns halber die Kirchenversammlung mitzufeiern gedachten, – rasch zu Gaule stieg, und nebst seinem Begleiter Worms bald im Rücken hatte.

»Sage mir aber ums Himmelswillen,« begann der Jüngling nach einer Weile unmuthig, »sage mir, ob Du rein des Satans bist, Du küpfriges Gefäß? Erst verhandelst Du eine unmündige Seele an den Moloch, und hinterher willst Du durch Dein abgeschmacktes Gerede uns in den Mund der plauderhaften Dirne, vielleicht auf den Scheiterhaufen bringen?«

»Nun, nun,« fiel Gerhard begütigend ein: »Nur nicht böse; meine Offenherzigkeit ist allzugroß, und wenn die Frau wirklich die Frau wäre ...«

»Schweig!« brummte der junge Mann: »Du wärst noch im Stande, der Nächstbesten auf den Kopf zuzusagen, daß sie ihr Kind ausgesetzt; blos weil sie ein schwarzes Kleid trägt. Ich sollte mich billig aufs Neue gegen Dich erzürnen, Du Seelenverkäufer.«

»Laßt's seyn,« meinte Gerhard. »Es kömmt bei dem Zanke nichts heraus, als viel Geschwätz, viel Galle, und am Ende Blut, wenn die Galle überläuft. Der heilige Martin wird die Sünde von mir nehmen, und damit genug. Laßt uns lieber von Eurem Herzlieb reden, das Ihr in Frankfurt zurückgelassen;[35] denn ohne Grund wurdet Ihr nicht roth, da das Kellerdirnel Euch auf das Kapitel brachte.«

»Pah! Schnurren und Flausen!« lachte der Jüngling. »Jede Dirne träumt nur von Minne, und jeder gewäschige Hagestolz von unziemlicher Buhlschaft. Ich antworte Dir darauf Nichts, als daß ich zum Dienst des Herrn bestimmt bin, und also an kein Lieb zu denken habe.«

Gerhard hielt plötzlich seinen Gaul an, stemmte beide Arme in die Seiten, und brach in ein unmenschliches Gelächter aus. »Ho ho!« stammelte er unter demselben, und wischte sich die Lachzähren aus den Augen: »Erlaubt mir, daß ich lachend sterbe bei dem Gedanken, Euch dereinst im Chorrock mit geschorner Platte zu erblicken.«

»Stirb zu, alter Pickelhäring!« entgegnete ihm der Begleiter lustig: »Jetzt hast Du die beste Zeit dazu, denn ich ertheile Dir die Absolution in aller Form, und einen so nachgiebigen Beichtvater findest Du gewiß in Deinem ganzen Leben nicht mehr. – Was meinst Du aber mit Deinem Narrengelächter eigentlich. Denkst Du, ich würde mich schlecht ausnehmen im Meßgewand oder gar, wenn das Glück will, in der Inful?«

»Bewahre!« versetzte der Hülshofen: »Ick bedaure vielmehr alle Dirnen und Frauen, die das Unglück haben, den Ort zu bewohnen, wo Ihr Chor singt, oder den Hirtenstab regiert. Es macht mir indessen Spaß, Euch mir im Pfaffengewand zu denken, da Ihr doch augenfällig in den Panzer gehört, – mit dem Rauchfaß bewaffnet, da Ihr doch den Flamberg[36] führen solltet von Gott und Reichswegen! – die Kerze in der Faust, die den Sperber zu tragen geschaffen ist.«

»Hast Recht;« sprach der Jüngling, ein wenig nachdenklich werdend: »aber was hilft all das Reden gegen Vatergebot und Muttergelübde? Die gute Mutter! Daß sie mich zur Welt gebracht, gab ihr den Tod; doch um dem Himmel zu danken, daß er nur mich gesund und getrost erschaffen, vermählten mich ihm ihre sterbenden Lippen, und gerne schied sie dahin, weil ich nur athmete. Mein Vater – Du kennst ihn ja, – der alte Diether Frosch, stieß sich in meiner Erziehung wenig an den Schwur der Mutter, und ließ mich adeliches Gewerb lehren. Ich lernte reiten, fechten, wälsch, hungarisch und deutsch tanzen, Falken abrichten und der Jagd obliegen, die Laute spielen und den Ball schlagen. Nothdürftig begriff ich die Kunst des Lesens und Schreibens, und war weit entfernt, zu glauben, daß es jemals Ernst werden sollte mit dem Gelübde der Mutter. Aber, da mein Vater ein anderes Weib nahm, und mir eine böse Stiefmutter gab, wurde es anders.«

»Glaub's;« schaltete der Edelknecht ein: »Kann auch ein Liedlein singen, wie's den Kindern erster Ehe geht.«

»Auf einmal war ander Wetter in unsrem Hause:« fuhr der junge Mann fort. »Die Stiefmutter ein blühendes rundes Weiblein, nicht älter denn ich damals gewesen – nämlich achtzehn Jahren mit Haut und Haar, zog ein in des Bräutigams Gut und Habe, – eine rüstige Abigail zu einem ergrauten[37] David. Seinen Reichthümern hatte die arme Freiin ihre Jugend geopfert; er hatte seine Selbstständigkeit für die Rosen ihrer Wangen hingegeben. Der Himmel der neuen Ehe war blau, so lang die Hochzeitsfeste dauerten, dann thürmten sich winterliche Wolken daran auf. Die Rosen wollten im Schnee nicht gedeihen; sehnten sich nach einem andern Gärtner. Der Vater hatte nicht klug daran gethan, den erwachsenen Sohn im Hause zu halten; und ... doch es gilt Dir gleichviel, wie es geschah, daß ich aus Liebe zum Vater mit der Stiefmutter in Unfrieden gerieth.«

»Nur weiter; ich begreife schon;« versetzte Gerhard schelmisch lächelnd.

»Mit einem Wort«: fuhr der Jüngling fort: »Plötzlich brach die alte Litanei los, von dem Gelübde der Mutter, von der Verpflichtung es zu halten, und da nach Verlauf eines Jahrs die Stiefmutter eines Söhnleins genaß, war mit einem Streich mein Schicksal entschieden. Meine Schwester älter als ich und kühner, hatte schon früher das väterliche Haus im Zwist verlassen, und an Thüringens Grenze ein Gut bezogen, das ihr ein Oheim geschenkt, der Prälat eines Klosters in Wälschland ist, und den sie um Schutz angefleht gegen die böse Mutter. Ich folgte ihr bald nach, und ward zu dem berühmten Predigermönch Johannes in Obhut gethan, der das Privium und Quadrivium volle fünf Jahre mit mir durchstöberte, und mich endlich auf den Punkt gebracht hat, wo man eingeht in das Pfaffenthum. Nun schrieb mein Ohm, der Prälat, dem Vater, und forderte[38] ihn auf, mich ihm zu senden nach Costnitz, we er Pflichtswegen dem Concilio beiwohnt. Ich soll ihm gen Wälschland folgen, auf einer hohen Schule meine Studia vollenden, und durch seinen Einfluß einer fetten Pfründe gewärtig seyn.«

»Wohl dem, der heiliger Verwandtschaft sich rühmen kann;« meinte Gerhard.

»Und so ließ ich denn Alles dahinten,« fuhr der Jüngling fort: »Haus und Hof und Geld und Gut gehört dem kleinen Bruder Johannes, und ich überlasse ihm Alles gern, denn er ist ein lieblicher Bube, sofern als ich mich seiner noch entsinnen kann, bevor er seiner Gesundheit halber weggethan wurde in die Kost zu einer Amme unfern des Königsteins. Mag er in Wohlstand leben, mag ihn die Mutter verhätscheln, und der Vater Abgötterei mit ihm treiben; mir gleichviel. Mich ernährt fürder der Altar, und ein faules Chorherrnleben ist eben nicht das Schlimmste.«

»Gott erhalte Eure Lustigkeit, Junker Frosch!« rief Gerhard: »Mit Euren Schwänken helft Ihr Euch über Alles hinüber. Und Recht habt Ihr, beim Donner. 'Skommt nur darauf an, wie man die Sache nimmt. Seyd Ihr einmal Stiftsherr, hat's keine Noth. Die beste Tafel, die süßesten Weine stehen Euch zu Gebot. Dm Morgen verträumt Ihr im Chor, oder schwänzt die Kirche, habt Ihr gerade nicht Lust zum Singen und Plärren. Für die Vesper mögen die Kapläne sorgen, während Ihr in Edeltracht zu Pferde sitzt, oder hinter'm Brettspiel, oder im kühlen Keller. Die Seelsorge kümmert Euch nicht; Ihr habt nur die Mühe, das was Ihr gelernt, zu vergessen,[39] und wenn Euch dann nach einem Tage voll Last und Plage Euer seidnes Lager aufnimmt, so finden sich auch wohl ein Paar schöne Arme, die Euch umpfangen, ohne daß der Leutpriester den Segen darüber sprach.«

»Ei du ruchloser Gauch!« lachte der Junker: »Also verunglimpfst Du das geistliche Leben?«

»Straft mich Lügen, wenn Ihr könnt;« rief Gerhard in Eifer: »Tretet nur einmal in ein vornehm Gestift und Ihr werdet mehr noch sehen. Machen's doch die Pfaffen auf dem platten Lande auch nicht besser. Der Pfarrherr hält sein Lieb im Hause, der Vikar sucht es ausserhalb. Der Domherr sieht keine zehnmal im Jahre seinen Chorstuhl, und der Bischof hat das Uebermenschliche gethan, wenn er die Weihen empfing, und vielleicht am Osterfeste das Hochamt mit anhört, auf seinem Throne sitzend.«

»Leider hast Du Recht;« erwiederte der Begleiter. »Unfug ist eingerissen, aber ihn zu beseitigen, ist ja die Kirchenversammlung angeordnet. Du wirst sehen ...«

»Daß eine Krähe der andern die Augen nicht aushackt;« unterbrach ihn Gerhard. – »Laßt nur die Wälschen hineinplaudern; so ist von vorn herein Alles verkehrt.«

»Vergissest Du, daß des Kaisers Majestät selbst sich alle Mühe gab, das Concil zu Stande zu bringen? daß der beredtsame Prediger aus Böhmen daselbst seine Lehre vertheidigen, sieghaft vertheidigen wird?«[40]

»Sieghaft?« lachte Gerhard: »Ihr habt so viel gelernt und tappt im Dunkeln? Wie machts der Jäger einem störrigen Rüden, der die Zähne weißt? Er lockt ihn mit Schmeichelworten, und kommt der dumme Hund heran, bethört von trügerischer Freundlichkeit, so liegt ihm der Maulkorb vor der Schnauze ehe er sichs versieht, und der Knüttel auf dem Kreuz. – Wollt Ihr wissen, wie ichs einem Gegner mache, dessen Fechterkünste mir gefährlich scheinen? Ich lüfte den linken Arm, und während er nach der klaffenden Schiene stößt, und auf dem schnell gekehrten Schild die Lanze bricht, spießt ihn meine Glene zwischen Halsberge und Krebs. Mein Roland schlägt seinem Pferde den Huf in die Seite, und im Sande liegen Roß und Reiter. – Was übrigens den Kaiser angeht, der wie ein Büttel deutscher Nation durch alle Länder fuhr, um Gotteswillen die Fürsten einzuladen ...«

»Schweig, Lästerzunge!« fiel ihm scherzend der Andere in die Rede: »Den Kaiser taste mir nicht an. Dagobert! sagte mein Vater beim Abschiede: Ich werde Deine Tage segnen, so ich Dich einmal in den Würden unsers Vorfahrers sehe, des berühmten Wicker Frosch, der Hauskaplan des höchstseligen Kaisers Caroli des Vierten und dessen rechte Hand gewesen! – Da ich nun also, diesen Zweck zu erreichen, mich freundlich mit dem Mehrer des heil. römischen Reichs halten muß, so verbiete ich Dir jeden Ausfall gegen Seine Majestät.«

»Nun in Gottesnamen!« versetzte Gerhard: »So sey denn Friede zwischen uns, und ich empfehle Euch,[41] als zukünftigem Kanzler des wackern Herrn, Euern unterthänigen Knecht von Hülshofen zu beliebiger Versorgung.«

Lustig trabten sie von dannen, und vertrugen sich herrlich auf der ziemlich weiten Fahrt, die, eine vorzeitige Kälte abgerechnet, nichts Besonderes aufzuweisen hatte. Ungeduldig sah sich Dagobert nach Abenteuern um. Mit gleicher Ungeduld spähte Gerhard aus nach der Unbekannten im Trauergewande, aber die Sehnsucht Beider ward getäuscht. Näher und näher kamen sie dem Ziele, und waren nur noch etliche Stunden von Costnitz entfernt, als sich endlich der Schauplatz um sie her veränderte. Die Straßen wimmelten von ab- und zugehenden Wanderern, von Reitern und Fahrenden. Eine große Menge von Landleuten schleppte die Vorräthe des Landes nach der Stadt, in der es summte und brauste, wie in einem Bienenstocke. Kaufleute, Handwerksgesellen, Gaugler und Bänkelsänger zogen Hordenweise dem gelobten Lande zu. Alle Herbergen und Schenken waren überfüllt von fremden Gästen, die in jeder Zunge schwatzten, sangen und fluchten. Gerhard freute sich des bunten Lebens, so lang es ihm nicht den Zutritt zum Keller versagte, aber seine Erwartung, diese Freude von seinem jungen Begleiter getheilt zu sehen, betrog ihn gewaltig. Der muntre Dagobert wurde unter dem ergötzlichen Gewühl still, einsylbig, verdüstert, und blickte verdrossen vor sich hin.

»Lustig! Lustig!« rief ihm Gerhard mit ungestümer Theilnahme zu: »Es geht ja hier zu, wie beim Thurmbau zu Babel! Fröhlich mitgeschwommen[42] in dem Strome des heitern Lebens, junger leicht beweglicher Fisch! Jetzt, unter Fremden gilt's, die blenden Schuppen zu regen, und obenauf zu rudern in träglicher Fluth!«

»Deine Ermahnungen erregen nur meinen Unmuth;« erwiederte Dagobert. »Was ist es anders, das meinen Geist bekümmert, als eben wandeln zu müssen unter Fremden. Hier ist nicht mehr Deutschland. Die heimeliche Sitte der Vaterstadt gilt hier nicht mehr, untergehend unter dem Schwall fremder Gewohnheit, die sich breit macht auf unsrer Erde. Und nimmer kehre ich vielleicht zurück zu dem Hause, wo meine Wiege stand; nimmer sehe ich sie vielleicht wieder, die Fluren auf denen meine Jugend erwuchs. Ein gutgemeintes aber vorschnell Wort schneidet mich aus dem häuslichen Leben; der Groll einer Verschmähten wirft Berge und Ströme zwischen mich und meine Heimath! Was wird mir die Fremde bieten, die nicht meine Sprache kennt, nicht mein vaterländisch Herz?«

»Ihr schiebt Alles aufs Vaterland!« brach Gerhard los: »aber der Donner soll mich erschlagen aus heitrem Winterhimmel, wenn hinter den Gedanken an die Heimath sich nicht noch birgt das Gedächtniß an was Liebes, das Ihr daheimgelassen.«

Dagobert erröthete und sprach nach einer Weile: »Fast möchtest Du recht haben. Ich gestehe es selbst. Ich glaubte nicht, daß ein wohlthuend Gefühl, welches ich seit Jahren bewahre, wie man eine bescheidne Blume bewahrt im stillen Schlafgemach, so ernstlich geworden sey. – Aber,« fuhr er, sich ermannend,[43] fort: »Es ist all Thorheit und Schnack. Ich hätte das Blümlein nicht vor die Brust stecken dürfen, wenn ich auch ein Laie bleiben könnte. Der Levit muß sich ohnehin die Gedanken vergehen lassen.«

»Ihr sprecht so zierlich, als ob Ihr bei einem alten Minnesinger in die Lehre gegangen wäret;« meinte Gerhard: »Löblicher ist es aber noch, sich in seine Lage finden. Ihr seyd nicht dazu gemacht, für die Liebe zu sterben in der Sehnsucht Pein. Schwer ists allerdings, ein Mägdlein zu vergessen, an das man sich gebunden mit der Herzenskette, so lang man nur seiner gedenkt, und unnöthig ihm die Treue aufbewahrt. Aber federleicht wird's, – glaubt es mir – sobald man sich vornimmt, Alle zu lieben, die ein fein Gesicht und ein lieblich Ansehen erhalten haben von dem lieben Gott. Thut ein solches und ihr werdet mich loben.«

Dagobert lachte. – »Das ist es ja eben, was ich am meisten fürchte;« rief er: »Der Himmel hat mir ein butterweiches Herz geschenkt, wie es mein Vater hat, der noch im sechzigsten Jahre eine Achtzehnjährige umfing. Ein Paar schöne Augen haben mir's immer angethan, wo die Minne frei walten durfte, und die Sorge, meinem Schätzlein nicht die Treue bewahren zu können, die ich ihr im Herzen zugeschworen, quält mich halb zu Tode. Doch diese Wolken gehen auch vorüber, wie alle andern, und der Sonnenschein meiner frohen Laune wird nicht ausbleiben. – Sieh diese herrliche Aussicht über die Stadt und den Bodensee! Sieh, wie alles funkelt im winterlichen Mittagsglanz! Wen sollte dieser Anblick[44] nicht froh machen im tiefsten Leid? Horch! die Glocken läuten uns entgegen. Sie könnten nicht feierlicher schallen, wenn Du der Kaiser wärst, und ich an Deiner Seite heranritte, als Hauskaplan!«

Durch solche Scherze suchte Dagobert das unangenehme Gefühl zu ersticken, das sich in seinem Innern bemerkbar gemacht hatte, obgleich ihm nicht recht um's Scherzen war. Gerhard hörte ihm wohlgefällig zu, ließ den Blick über Stadt, See und Strom gleiten, und übersah es, daß der Weg an einem geringen, aber von Reif und Novembereis geglättetem Abhang hinunter lief. Plötzlich strauchelte sein Pferd, und nur ein kecker Griff Dagoberts in die Zügel des stolpernden Rolands, konnte Gaul und Reiter vom gefährlichen Sturz erlösen. – »Kreuz und Dorn!« fluchte der erschrockne Gerhard, stille haltend: »Das kommt davon, wenn man Euch zuhört, und sich selbst darüber vergißt! Die verdammte Halde mit ihrem Abhang! Es wird besser seyn, wenn wir, – da doch die Mittagsglocken läuten – wie andere ehrliche Christen, von den Pferden steigen, das Käpplein unter den Arm nehmen, und unsere Thiere betend weiter führen.«

»So sey's, Du wackrer Christ!« entgegnete Dagobert: »Es wird nebenbei nicht schaden, daß wir bei der Hand sind, wenn jener Reitersmann, der da vor uns hinkleppert, sich aus dem Sattel begeben sollte. Sein Gaul tanzt wie Deiner auf der Eisbahn, ... wie Du scheint der Mann in Gedanken versuncken, denn der Zaum hängt schlaff, und wer weiß, wie bald ...«[45]

»Alle Teufel! da haben wir's!« unterbrach Gerhard sein schon begonnenes Gebet, und er und Dagobert setzten sich in Lauf, auf die Gefahr ein Bein oder den Hals zu brechen; denn der besagte Reiter schlug so eben zum Boden nieder, und das Roß wälzte sich auf ihm. Die Helfer in der Noth schnirten in der Eile ihre Gäule an einer Buche fest mit dem Zügel, und eilten zur Rettung des Gestürzten herbei. Mit vieler Mühe wurde dieser von der Last seines Pferdes befreit, das sich mit der größten Anstrengung aufrichten ließ, und endlich, schauernd von Schreck und Schmerz, aber unverletzt neben seinem Herrn stand. Dieser saß, nach und nach Besinnung und Sprache wieder erlanget, auf der Erde, und starrte die beiden Schutzengel lange an.

»Gelobt sey Jesus Christus!« begann er endlich mit sehr tief und vollklingender Stimme, während er sich das linke Bein rieb, auf dem sein Rappe gelegen war: »Das war ein Sturz, wie er mir doch Zeit meines Lebens nicht vorgekommen ist.«

»Ihr seyd doch ganz und heil, lieber Herr?« fragte Dagobert theilnehmend. – Der Fremde zuckte die Achseln, aber ein zufriedenes Lächeln breitete sich über sein braunes männliches Angesicht, als er nach wiederholter Ausdehnung seiner Gliedmaßen verspürte, daß sie unverletzt geblieben. –

»S'ist noch gut genug abgelaufen!« meinte er, und wischte sich den kalten Schweiß von der Stirne. »Hebt mich auf, ihr guten Leute; ich werde wohl mit Gottes Hülfe allein stehen können.« Der Versuch ging ohne Gefährde glücklich vorüber. Der Fremde[46] stand da, seine beiden Nothhelfer um ein Erkleckliches überragend, und wandte nun die herrischen Augen gegen den Rappen, der noch ängstlicher zitterte, als ob er des Herrn Blick schon kenne und dessen Folgen. »Seht da, ihr Herren!« sprach der abgeworfene Reiter: »seht da einen Gaul, der mir schon zehen Jahre dient, und mich auf manchem Ritt zu Ernst und Schimpf getragen, um den man mich gar oftmals beneidet, und den ich Gutfreund getauft, um seines sichern Schrittes und seiner Aufmerksamkeit willen. Ist's nicht eine Schande, daß er mich heute abgeschleudert in seiner faulen Nachläßigkeit? Du böses Pferd – mit unsrer Freundschaft ist's aus: von heute an reite ich dich nicht mehr.«

»Wenn Ihr der Wechselpferde mehrere besitzt, ist's gut für Euch;« versetzte Gerhard, der den schlichten Lederkoller des Reiters mit Geringschätzung betrachtete: »Indessen hat der Gaul nur ein Versehen verschuldet. Es ist ja kein Mensch.«

»Wackre Freunde und treue Thiere halten sichern Schritt bis an's Ende!« erwiederte der Fremde, die Sache ernster nehmend: »Sie sollen seyn ein treuer Stecken und Stab, der nimmer bricht, als im letzten Stündlein. Wort und Gehorsam sollen ewig seyn. Der Freund, in dessen Schooß ich nicht sicher ruhen kann – der Gaul, der durch Trägheit oder Scheu mein Leben in Gefahr bringt – sie gelten mir Nichts mehr. Darum fresse dieser abgedankte Träger das Gnadenbrod, so lange er will. Er verkümmre aber unter dem Troß.«[47]

»Ihr seyd ein seltsamer Mensch!« lachte Gerhard: »Um des Bischens Abwerfens willen! Du lieber Himmel! Mein Roland ist mir um das Reich nicht feil, aber abgesetzt hat er mich dennoch oft, nur nie, wo's Ernst galt. Kugelt man auch ein wenig in den Staub, was thuts, so lange die Rippen halten? Ist Euch doch nichts mehr nichts weniger begegnet, als dem heiligen Vater erst vor Kurzem, da er über den Oelberg gen Costnitz zog, und sein Fuhrwerk umschlug.«

Der Fremde brummte ein etwas unwilliges »Hm!« ergriff den Zügel seines Rappen und zog ihn, langsam vorschreitend, nach sich. Dagobert hatte die beiden andern Pferde herbeigebracht, und alle Drei gingen, der Fremde in der Mitte, auf die Stadt los, die Thiere führend. Gerhard der ungern seinem Witz Fesseln anlegte, war er einmal im Zuge, schwazte weiter im Texte: »Wie Ihr so straff und aufrecht daher schreitet, lieber Herr! Euch kümmerts nicht, ob dieser Fall ein böses Omen gewesen oder nicht. Doch Se. Heiligkeit ist furchtsamer gewesen, und es dürfte leicht geschehen, daß sie Recht hatte, als sie auf dem Oelberg ausrief: Was hat es zu bedeuten, daß uns der Unfall widerfuhr? Gott lenke es zum Guten!«

»Und lehre Dich schweigen, aberwitziges Schneppermaul!« platzte der Fremde los, der, als dis Rede wieder vom Pabste anhob, die Stirne gehässig gerunzelt hatte: »Verspotte nicht das Haupt der Christenheit, oder ...!«[48]

Er schwang den Handschuh der linken Faust drohend gegen den bestürtzten Gerhard, schien aber weniger Lust zu haben, ihm denselben vor die Füße zu werfen, als um's Gesicht zu schlagen. Hülshofen griff nach dem Schwertknauf; Dagobert jedoch, der schnell auf seine Seite gesprungen war, flüsterte ihm zu: »Gib Ruhe, Raufbold! willst Du Dich ins Verderben bringen. Wir sind innerhalb dem Weichbilde der Stadt. Du bist dem Blutbann verfallen, so Du ziehst.«

»Dem schlagfertigen Gerhard fiel das strenge Conciliumsgesetz ein, und murrend ließ er die Klinge ruhen, einigen Schimpfworten Luft machend, und den Fremden mit drohenden Blicken messend. Dagobert drängte sich zwischen Beide. Ihr mögt seyn, wer Ihr wollt, begann er zu dem Fremden, so bitte ich Euch, Friede zu halten. Ein Schwank soll nicht mit Blut gesühnt werden, und wenn drei unbedeutende Menschen wie wir zum Schwert greifen, einen tollen Handel auszufechten, wird es dem heiligen Vater von wenig Nutzen seyn. Ueberdieß sind wir Fremde; daß Ihr es seyd, verbürgt mir Eure Mundart. Warum wollen wir den Hals dem Gesetze dahingeben, während wir vielleicht zu einem rühmlichern Streite aufbewahrt sind.«

»Ihr sprecht wie ein Buch;« versetzte der Fremde lächelnd: »Ihr irrt jedoch, wenn Ihr glaubt, daß ich dem Menschen dort zu Leibe wollte. Beim heiligen Georg! das kam mir nicht zu Sinne. Mir stünde es wenig an, mich mit ihm gemein zu machen. Euch hingegen kennen zu lernen, junger Mann, freut[49] mich ganz absonderlich. Auf stillehrbare Leute kann man sich verlassen, denke ich. Wollt Ihr mein Freund werden, so sagt mir Euern Namen.«

Dagobert wollte so eben, sich verwundernd, dieselbe Frage an den Fremden richten, da kam unweit des Stadtthors ein Knecht daher in weiß und rothem Rock, entblößte, da er des Unbekannten ansichtig wurde, das Haupt, und blieb am Rande des Weges stehen. – »Nimm dieses Pferd,« sprach der Reiter zu ihm, »und bring es in den Stall. In Zukunft reite ich den Schimmel nur.«

Der Knecht empfing, still sich neigend, das Thier, und einen Schritt von Thor entfernt, fragte der Herr den jungen Frankfurter lächelnd: »Werde ich noch nicht erfahren, wer mir aus der Noth half?«

Dagobert nannte bescheiden seinen Namen, und machte auch Gerhards Stand und Geschlecht kund. »Mit dem Edelknecht hab' ich nichts zu schaffen;« versetzte der Fremde barsch: »Er hat den Dienst, den er mir leistete, zu Nichte gemacht, durch seinen ungebetenen Vorwitz in einem Ding, ob dem ich keinen Scherz verstehe. Ihr aber, biedrer Altbürger, Ihr seyd mir lieb und werth. Ohne Zweifel werdet Ihr im Engel Eure Wohnung nehmen, da die Schöffen, Euerer Stadt Abgesandte, daselbst die Einkehr nehmen? Recht lieb wird mir's seyn, von Euch zu hören.«

Nach einem flüchtigen Kopfnicken verließ der Mann, ohne weiter das Geringste hinzuzufügen, die Ankömmlinge, und ging in die Stadt. Die Letztern sahen wohl, daß die Soldwächter ehrerbietig Platz[50] machten, die Bürger demüthig Hüte und Mützen rückten, und sothane Ehrfucht auf sie Beide sogar überging, da sie mit dem geehrten Mann herangekommen waren. Stolz trabten sie und staunend durch das Thor. »Ich fürchte, ich habe einen thörichten Streich gemacht,« flüsterte Gerhard dem Begleiter zu: »Der Mann ist wohl mehr, als wir Beide.« – »Möglich;« versetzte Dagobert lächelnd, und verwies den Neugierigen an den Knecht, der mit dem gestürtzten Gutfreund hintendrein kam. »Wie nennt sich Dein Herr, guter Gesell!« fragte auch Gerhard den Knecht, und verstummte kleinlaut, als dieser erwiederte: »Seine fürstl. Gnaden ist's, der gnädigste Herzog Friedrich von Oestreich-Tyrol.«

Quelle:
Carl Spindler: Der Jude. 3 Bände, Band 1, Stuttgart 1827, S. 30-51.
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Von einem Felsgipfel im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr. beobachten Barden die entscheidende Schlacht, in der Arminius der Cheruskerfürst das römische Heer vernichtet. Klopstock schrieb dieses - für ihn bezeichnende - vaterländische Weihespiel in den Jahren 1766 und 1767 in Kopenhagen, wo ihm der dänische König eine Pension gewährt hatte.

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Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

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Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

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