Dreyzehnter Auftritt.

[285] Die Vorigen, Nikolo welcher den Albert einführt


Rezitativ.


ALBERT bleibt ein wenig stehen, und sieht sich forschend um

Wo bin ich?

Welch fürchterlichen Ort betritt mein Fuß?

Zu Constanzen, auf die er schnell zuläuft.


Wie! Dich sind ich hier, Dich reines Mädchen,

Reiner als der Schnee!

BAST, TRÜBE UND NIKOLO aus vollem Halse lachend

Ha! ha! ha!

ALBERT.

Dich keuscheste von allen!

Wogegen selbst Lukrezia

Nur eine feile Dirne ist.

LUKREZIA hierüber gleichsam aus einem Traüme gerissen, läuf zu ihm.

Hier sieht Lukrezia, Verwegner!

Sprich!


Kehrt ihn mit Ungestüm gegen sich.


Wie Kollatin!

So grausam kannst Du mich verkennen?

Ach! spotte meines Unglücks nicht[285]

DIE ANDERN.

Ha! ha! ha!

ALBERT.

Zurück Du Auswurf aller Weiber!

Ich bin nicht Kollatin.

VIRGINIA die hüpfend zu ihm kommt.

O Wonne! sind ich Dich mein Appius!

Komm', führe mich wohin Du willst,

Ich bin entflohn, ihm, der mich morden wollte.


Schlingt ihre Arme um seinen Hals.


ALBERT stößt sie von sich.

Hinweg Du Natterbrut!

Ich bin nicht Appius, noch Kollatin!

Erkennt in mir den Sieger Mark-Anton!

DIE ANDERN lachend.

Ha! ha! ha!

LUKREZIA UND VIRGINIA.

Ich kenne Deine Stimme.

ALBERT.

Entzieht Euch meinem Grimme!

LUKREZIA UND VIRGINIA.

Du bist mein Kollatin,

Dich meinem Blick entziehn.

ALBERT.

Ich les' auf Euren Stirnen

Ihr seyd gemeine Dirnen,

Drum fort, schont meinen Blick.


Er stößt sie von sich.
[286]

LUKREZIA UND VIRGINIA.

Ich weiche nicht zurück.

BAST, TRÜBE UND NIKOLO.

Ha! ha! ha! welch' tolle Sachen!

Wer wird wohl dieben nicht lachen?

So was sieht man nicht so leicht.

ALBERT UND CONSTANZE jedes für sich, indem sie einander verstohlen anblicken.

Ich bin voller Angst und Schrecken,

Wenn sie unsre List entdecken,

Reifet unser Plan nicht leicht.

LUKREZIA UND VIRGINIA.

Er verachtet meine Triebe?

Und entzieht mir seine Liebe?

Das ertrag ich nicht so leicht.

ALBERT zu Constanzia.

Dir allein mein Leben

Ist mein Herz ergeben!

CONSTANZE sich ironisch stellend.

Mein Herz ist schon vergeben,

Ich kann nur einem leben.

TRÜBE UND BAST.

Ha! ha! ha! O wunderschön!

LUCREZIA UND VIRGINIA.

Ich muß vor Wuth vergehn.[287]

ALBERT kniet vor Constanzen und hält die Hände, als ob er ihr ein Kissen, auß welchem Kronen liegen, überreichte.

Können diese Siegeskronen

Holde! Deine Liebe lohnen?

Nimm sie, glaub' ich liebe treu!

CONSTANZE wie oben.

Edler Ritter, nein, vergebens!

Bis zum letzten Hauch des Lebens

Bleibt mein Herz vom Meyneid frey.

ALBERT UND CONSTANZE.

Fern von mir sey der Gedanke

Daß ich einen Tritt nur wonke;

Oder unbeständig sey.

TRÜBE UND BAST Die indessen hierüber einander ihr Wollgefallen bezeigen. UND NIKOL lachend.

O vortreflich! Wunderschön!

So was hab' ich nicht gesehn.

LUKREZIA UND VIRGINIA, die voll Wuth zu Albert ihn jede bey einer Hand fassen, erst allein, dann zusammen.

Ha Verräther! kannst Du's wagen

Meiner Liebe zu entsagen?

Kollatin / Appius ist dieß mein Lohn!

ALBERT der sich von ihnen loszumachen sucht.

Was hilft Euch Euer Betteln,

Ihr seyd ja bloße Vetteln,

Ich kenn Euch lange schon.

[288] Lukrezia und Virginia werden immer heftiger und umschlingen ihn zuletzt.


DIE ANDERN.

Man muß die Leute trennen,

Wenn sie noch mehr entbrennen,

Läuft man Gefahr dabey.

BAST UND NIKOLO einer nimmt Lukrezien, der andere Virginien und führen sie ab.

Gleich laßt den Herren frey.

LUKREZIA UND VIRGINIA indem sie abgeführt werden.

Schafft einen Dolch herbey.

Trübe geht lachend mit ihnen ab.


Quelle:
Karl Ditters von Dittersdorf: Die Liebe im Narrenhause. Liegnitz 1792, S. 255–350, S. 285-289.
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