Elfter Auftritt.

[95] Die Vorigen ohne Claudia.


GOTTHOLD leise zu Sichel. Noch sind wir nicht am Ufer! Wenn die Alte uns nun an der Seite bleibt?

SICHEL leise erwidernd. Nur Geduld! Laut. Ja, ich kann Ihnen nicht helfen, Herr Notar, Sie müssen schon noch ein wenig warten – Sie haben wohl gehört, es muß alles nach ihrem Kopfe gehen.

Gotthold geht nach hinten.


ROSALIE leise zu Sichel. Ums Himmels willen! Mach', daß wir fortkommen!

SICHEL zu Stößel. Der Herr Notarius will nicht mehr warten, er hat Geschäfte –

STÖßEL. Sie wird gleich wiederkommen, nur ein wenig Geduld.

SICHEL. Ja, wenn sie's zu lange macht –

STÖßEL zu Leonore. Nun, mein Kind! Bist du denn nun zufrieden – ruhig?

LEONORE seufzend. Noch nicht, lieber Vater.

STÖßEL. Nun, nun, wirst's schon werden!

LEONORE seufzend. Ich wünsche es!

Nr. 17. Arie.


LEONORE.

Zufriedenheit gilt mehr als Kronen,

Besonders noch im Ehestand;

Kein Gut kann dieses Glück da lohnen,

Die Ehe wird ein Rosenband. –

Ist mir dies Glück beschieden,

Und leb' ich nur zufrieden,

Vertausch' ich meinen Ehestand

Nicht gegen Schätze, Prunk und Tand![95]

Zufriedenheit gilt mehr als Kronen,

Kein Gut kann dieses Glück da lohnen,

Die Ehe wird ein Rosenband.

STÖßEL. Recht so, mein Kind! denk' an mich, du wirst gewiß zufrieden sein.

LEONORE. Ich hoffe es wenigstens. Sie geht nach rechts hinten.

Gotthold kommt vor, Stößel zur Rechten.


SICHEL der indes besorgt herumgetrippelt ist und mit Rosalie Abrede genommen zu haben scheint. Ha, Bomben und Granaten! das dauert mir zu lange! Schwiegervater, weder meine Schwiegermutter noch mein Weib soll irgend einen Willen über mich haben, ergo will ich auch gleich mein Recht exerzieren und nicht nach ihrem Kopfe handeln.

Leonore tritt zwischen Rosalie und Sichel vor.


SICHEL nimmt Rosalie, Leonore und Gotthold zusammen. Fort dann indessen.

ROSALIE. Sie wird aber böse werden. Leise zu Leonore. Sperr' dich!

STÖßEL. Ja, ja, sie wird böse werden.

SICHEL. Mag sie. Wenn sie sieht, daß es ihr nichts hilft, wird sie schon wieder gut werden und es in Zukunft bleiben lassen. Nur fort!

LEONORE. Unmöglich!

ROSALIE. Ich will nachsehen, ob sie bald kommt. Sie stellt sich, als ob sie fort wollte.

SICHEL tritt ihr, hinter Leonore weg, in den Weg. Nichts da! Es geht, wie ich will, oder ich gehe allein fort, und dann kann man sehen, wie man mich wieder herbringt. Er nimmt die rechte Ecke.

GOTTHOLD heimlich zu Stößel. Lassen Sie ihm seinen Willen, ich rate Ihnen Gutes, er hat seinen eigenen Kopf.

STÖßEL verlegen. Nun, so geht denn, Kinder, geht. Aber Sie müssen's verantworten, Herr Sohn.

SICHEL. Das werd' ich! Keine Sorge.

LEONORE. Kommen Sie nur bald nach.

GOTTHOLD. Nur fort, fort! Er tritt zwischen Rosalie und Leonore und nimmt sie unter den Arm.

ROSALIE im Abgehen zu Sichel. Wir hoffen Sie bald zu sehen.

Rosalie, Gotthold und Leonore gehen ab durch die Mitte.
[96]


Quelle:
Karl Ditters von Dittersdorf: Doktor und Apotheker. Dichtung von Stephanie dem Jüngeren, Leipzig [o. J.], S. 95-97.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich

Deutsche Lieder aus der Schweiz

Deutsche Lieder aus der Schweiz

»In der jetzigen Zeit, nicht der Völkerwanderung nach Außen, sondern der Völkerregungen nach Innen, wo Welttheile einander bewegen und ein Land um das andre zum Vaterlande reift, wird auch der Dichter mit fortgezogen und wenigstens das Herz will mit schlagen helfen. Wahrlich! man kann nicht anders, und ich achte keinen Mann, der sich jetzo blos der Kunst zuwendet, ohne die Kunst selbst gegen die Zeit zu kehren.« schreibt Jean Paul in dem der Ausgabe vorangestellten Motto. Eines der rund einhundert Lieder, die Hoffmann von Fallersleben 1843 anonym herausgibt, wird zur deutschen Nationalhymne werden.

90 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon