Streikjustiz

[46] Du siehst sie durchs Gefilde hupfen:

die Wangen angenehm verpudert,

frech, nicht mehr jung, und auch verludert,

verschminkt . . . zwei rosarote Tupfen . . .


Die Waage wackelt hin und her.

Das Schwert – mein Gott – es ist aus Pappe,

sie trägt es scherzhaft als Attrappe,

ein eisernes ist ihr zu schwer.


Sie richtet so! O ja – man siehts!

die schwarzen, hohen Stöckelschuhe

zertrampeln alles – schaffen Ruhe.

So tänzelt Fräulein Streikjustiz.


Es raschelt des Talars Frou-Frou . . .

– »Du trugst doch früher eine Binde?«

– »Die hab ich noch! Dem, den ich finde,

schnür ich damit die Kehle zu!« –


  • [47] · Kurt
    Dresdner Volkszeitung, 01.04.1912, wieder in: Fromme Gesänge.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 1, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 46-47.
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