Memento

[247] Uns Junge hat es umgerissen –

wir stehen draußen so im Feld,

wir glaubten schon, zu halten und zu wissen –

und da versank die ganze Welt.


»Die Welt ist falsch!« Sie ist doch kein Exempel,

wozu der Lehrer seine Lösung hat –

sie ist real und warf uns alle Tempel

und, was wir lieb gehabt, um – wie ein Kartenblatt.


Ihr mahnt den Jüngling, tapfer durchzuhalten.

Gewiß, das scheint ja seine Pflicht –

doch was da in ihm war vom guten, alten,

das gibts in Zukunft alles nicht?


Der neue Wert, die neue Stufenleiter,

der oben und der unten – seltsam Spiel:

Hier gilt die Faust, der Säbel und der Reiter –

das was wir ehren, gilt nicht viel.


Muß das so sein? So darfs nicht bis zur Neige,

nicht bis zum Ende gehn. Wir bleiben rein.

Wir halten durch – es scheint mir gar nicht feige:

Soldat und doch ein Bürger sein!


Sprecht euerm Jungen von der Kriegertugend,

doch davon auch, wenn hart der Panzer klirrt:

Daß er den Träumen seiner Jugend

soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird!


  • · Theobald Tiger
    Die Schaubühne, 03.10.1916, Nr. 40, S. 324, wieder in: Fromme Gesänge.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 1, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 247.
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Schmid, Michael

Narrative memory and the impact of trauma on individuals with reference to one short sequence from ''Memento''

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