Er verheiratet sie

[174] Reicht mir den Kranz, reicht mir den Myrtenschleier!

Der Unschuld grünes Kränzlein tragt herbei!

So schick ich Clairen an Direktor Meyer – –

(Mitgift anbei).


Bedenk: Du schreitest nun ins wilde Leben!

»Zum ersten Mal« – ein schwerer Schritt, mein Kind!

Was früher war, Gott, das vergißt man eben . . .

und er –

ist blind.


Sein Tastsinn sei ein wenig unentwickelt,

und tobt er brüllend wie ein brünstiger Leu:

dann glänzt die liebe Unschuld frisch vernickelt

so gut wie neu . . .


So zeuch denn hin, du liebe Maculata!

Zart überhaucht von bräutlich rosa Glück . . .

Ich hätt gelacht? Todernst. Wie eine Fata

Morgana verschwindest du – –

ich grüße leicht zurück.


  • · Theobald Tiger
    Aus: Fromme Gesänge.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 2, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 174.
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