Dantons Tod

[287] Bei Reinhardt wogte der dritte Akt.

Es rasten sechshundert Statisten.

Sieh an – wie das die Berliner packt!

Es jubeln die Journalisten,

Mir aber erschien das Ganze

wie eine kleine Allegorie.


Es tost ein Volk: »Die Revolution!

Wir wollen die Freiheit gewinnen!«

Wir wollten es seit Jahrhunderten schon –

laßt Herzblut strömen und rinnen!

Es dröhnt die Szene, Es dröhnt das Haus.

Um neune ist alles aus.


Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.

Wo ist der November geblieben?

Wo ist das Volk, das einst unten lag,

von Sehnsucht nach oben getrieben?

Stille. Vorbei. Es war nicht viel.

Ein Spiel. Ein Spiel.


  • [288] · Kaspar Hauser
    Die Weltbühne, 04.03.1920, Nr. 10, S. 311.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 10, Reinbek bei Hamburg 1975.
Lizenz:
Kategorien:
Buchempfehlung: Henes, Kurt: Der Tod des Johannes K ISBN-13 9783831612291
Empfehlung

Henes, Kurt

Der Tod des Johannes K

Der Tod des Johannes K
Utz Verlag GmbH, 3831612293, 9,95 €.
Nach der Scheidung von seiner Frau A. lässt sich Johannes zu einem Seitensprung mit einem jungen Lehrer hinreißen. Die Folgen sind fatal: ohne sein ... weiterlesen
Bookmarks
delicious wong linkarena google