Der selige Noske

[128] Es ist ja beinah Leichenschändung,

wenn man dir, Gustav, eine klebt.

Du sprichst von deiner neuen Sendung . . .

Eisner ist tot.

Und sowas lebt.


[129] Die Hände in den Hosentaschen,

hältst du noch einmal Instruktion.

Hast du die Finger dir gewaschen?

Sie sind noch rot . . . Du weißt, wovon.


Nochmal? Nach dieser Kapp-Blamage?

Nochmal? Und wieder mit Hurra?

Die Unteroffiziersvisage

hat jeder dick – Mensch, bleib bloß da!


Blamier nicht die Parteikollegen!

Du Bendlerstraßensozialist!

Geh in Pension mit Gottes Segen!

Wohl dir, daß du Beamter bist!


Brutal und roh zu den Genossen,

beschubst von jedem Lieutenant –

so hast du deutsches Blut vergossen.

Das Maul: dein Rex. Format: Sergeant.


Dann wurden die Kadetten tätlich.

Und Gustav fuhr ums Morgenrot . . .

Bleib in Hannover. Nähr dich redlich.

Und iß nur, garantiert unschädlich,

dein wohlverdientes Gnadenbrot –!


  • · Theobald Tiger
    Die Weltbühne, 02.02.1922, Nr. 5, S. 119.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 3, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 128-129.
Lizenz:
Kategorien:
Buchempfehlung: Noske, Edgar: Im Dunkel der Eifel ISBN-13 9783897055117
Empfehlung

Noske, Edgar

Im Dunkel der Eifel

Im Dunkel der Eifel
Emons, 2007. 285 S., 3897055112, 9,90 €.
Der Monschauer Frauenarzt und passionierte Jäger Dr. Elmar Steinbeck wird ermordet. Ein Fall von politischer Brisanz, denn Steinbeck ist der Bruder ... weiterlesen
Bookmarks
delicious wong linkarena google