Überall, wo Räder rollen,
in den Autos, in den vollen –
in der Handelskompanie.
In den Wäldern unter Fichten,
in den Oberlandgerichten –
gibts nur eine Melodie.
Gents, die ihre Wagen lenken –
Mädchen, die den Beutel schwenken –[190]
wo das deutsche Leben zieht-
singen wir das kleine Lied:
»Wer bezahlt denn meine Steuern?
Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht?
Bei den Zeiten, bei den teuern –
da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Kognak reicht!«
(Wabblige Musik)
Wälder blaß erdunkeln.
Silberteiche funkeln.
Schwer empor steigt Nickelmann,
fängt ein bißchen mit den Elfen an.
Waldesgeister weben.
Elfen nebbich schweben –
auf dem Pfad, wo Mondschein geht –
weil das so bei Richard Wagner steht . . .
Und während Poesie die Luft durchzieht,
singt die kleine Elfe leis ihr Lied:
(Husch – husch – die Waldfee!)
»Wer bezahlt denn meine Steuern?
Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht?
Bei den Zeiten, bei den teuern –
da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Nektar reicht!«
(Striktes Marschtempo)
Das Militär ist große Mode
in der Politik und auf dem Varieté.
Da hetzen sie das Ding zu Tode –
in Revuen und auf dem Cabaret.
Und kannst du mal nicht weiter –
dann sei nicht bös und barsch –
dann spielste einfach heiter
den Fridericus-Marsch.
Und dann fällt alles – und dann fällt alles
vor Begeistrung auf den Fridericus-Marsch (Hurra!)
auf den Fridericus-Marsch.
(Achtung! Tritt geeee-faßt! Die Augen – licks!)
»Wer bezahlt denn meine Steuern?
Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht?
Bei den Zeiten, bei den teuern –
da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Kognak reicht!«
Buchempfehlung
In Paris ergötzt sich am 14. Juli 1789 ein adeliges Publikum an einer primitiven Schaupielinszenierung, die ihm suggeriert, »unter dem gefährlichsten Gesindel von Paris zu sitzen«. Als der reale Aufruhr der Revolution die Straßen von Paris erfasst, verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit. Für Schnitzler ungewöhnlich montiert der Autor im »grünen Kakadu« die Ebenen von Illusion und Wiklichkeit vor einer historischen Kulisse.
38 Seiten, 3.80 Euro
Buchempfehlung
Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.
444 Seiten, 19.80 Euro