Beit Friehstick

[306] Wenn ick in meine Stulln beiße,

denn kuck ick in de Sseitung rin.

Die liejn nämlich inne Sseitung,

da wickelt se mir Mutta in.

Ick streiche det Papier scheen jlatt

und seh, wats so jejehm hat.


Ick lese von drei Zwillingsschwestern

und vonne Feiersbrunst in Wald . . .

Mal is die Sseitung noch von jestern,

mal isse füchzehn Tahre alt.

Wat mir det Friehstick nich vamiest.

Et is ja bloß, det man wat liest.


Da ha ick nu so rausjefunden:

Erscht kommt die Sseitung in Vakehr,

un schon nach vierundzwanssich Stunden,

da stimmt det allens jahnich mehr!

Denn sind se reine wie blamiert.

Ick ha dadrieba simmeliert . . .[306]


Ick sach ma so:

Wat die so sahrn

un wat die allens proffezein,

det stimmt schon nich mehr nach acht Tahrn –

det kann nie wahr jewesen sein!

Nu ham die Brieda mächtjet Jlick:

et blättert ja keen Mensch zerrick!

Man schmeißt et wech. Und kooft sich brav und bieda

'n neuet Blatt un jloobt et imma wieda.

Un willste wissen wat det is jewesen,

denn mußte alte Sseitungsnumman lesen.

Un siehste denn, wie die vakehrt sind –:

denn weeste, wat die neien wert sind.


  • · Theobald Tiger
    Die Weltbühne, 13.10.1931, Nr. 41, S. 567.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 9, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 306-307.
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