Eine Frage

[121] Da stehn die Werkmeister – Mann für Mann.

Der Direktor spricht und sieht sie an:

»Was heißt hier Gewerkschaft! Was heißt hier Beschwerden!

Es muß viel mehr gearbeitet werden!

Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!«

Eine einzige kleine Frage:

Für wen?


Ihr sagt: die Maschinen müssen laufen.

Wer soll sich eure Waren denn kaufen?

Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt

das Gehalt, wo ihr konntet, heruntergesetzt.

Und die Waren sind im Süden und Norden

deshalb auch nicht billiger geworden.

Und immer noch sollen die Räder sich drehn . . .

Für wen?


Für wen die Plakate und die Reklamen?

Für wen die Autos und Bilderrahmen?

Für wen die Krawatten? die gläsernen Schalen?

Eure Arbeiter können das nicht bezahlen.

Etwa die der andern? Für solche Fälle

habt ihr doch eure Trusts und Kartelle!

Ihr sagt: die Wirtschaft müsse bestehn.

Eine schöne Wirtschaft!

Für wen? Für wen?


Das laufende Band, das sich weiterschiebt,

liefert Waren für Kunden, die es nicht gibt.

Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht

eure eigne Kundschaft kaputt gemacht.

Denn Deutschland besteht – Millionäre sind selten –

aus Arbeitern und aus Angestellten!

Und eure Bilanz zeigt mit einem Male

einen Saldo mortale.


Während Millionen stempeln gehn.

Die wissen, für wen.


  • [122] · Theobald Tiger
    Die Weltbühne, 27.01.1931, Nr. 4, S. 123, wieder in: Lerne Lachen.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 9, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 121-122.
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Canguilhem, Georges

Gesundheit, eine Frage der Philosophie

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