14. An den Mond

[182] Im Jänner 1773.


Ach, vergebens lächelst du mir vom blauen

Himmel, lieber Mond! Wie in Herbstgewittern,

Ist voll düstern Kummers mein Geist, voll trüber

Zähren mein Auge!


Dreimal gingst du strahlenlos durch den Äther,

Dreimal neubestrahlt; und kein einzig Lüftchen

Sagt mir armen Jüngling, was fern mein trauter

Brückner beginnet!
[182]

Seelenangst und brennende Fieber martern

Ihn vielleicht zur Stunde, vielleicht, o Himmel!

Scheinest du, falschlächelnder Mond, auf seinen

Ragenden Grabstein!


Quelle:
Deutsche Nationalliteratur, Band 49, Stuttgart [o.J.], S. 182-183.
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