Letzter Auftritt

[215] Michel. Marthe. Die Vorigen.

Die abgeschickten Bauren kommen zu gleicher Zeit zurück, und bringen noch eine Gesellschaft mit.


MICHEL. Nu, da sind wir ja alle wieder beysammen. Frisch, meine Kinder, Freunde, Nachbarn und Gevattern, laßt uns eine Runde unserm guten Könige zu Ehren anstimmen!


[215] Divertissement.


MICHEL.

Wer wollte nicht sein Gut und Leben

Für einen solchen König geben,

Der uns wie seine Kinder liebt,

Uns Ruhe, Glück und Freyheit giebt.

Auch fühl' ich mich aufs neu verjünget:

Es jauchzt mein Mund, mein Herze springet:

Es lebe der König, mein Marthchen, und ich!

Der König für alle! mein Marthchen für mich.

CHOR.

Es lebe der König, mein Schätzchen, und ich!

Der König für alle, mein Schätzchen für mich.

MARTHE.

So spröde mich die Jahre machen,

So hätt' ich heute Lust zu lachen;[216]

(O was ein guter König thut!)

Mein Auge glänzt, es wallt mein Blut.

Dir, Michel, hüpft mein Herz entgegen,

Und wünscht dem, der uns segnet, Segen!

Es lebe der König, mein Michel, und ich!

Der König für alle! mein Michel für mich!

CHOR.

Es lebe der König, mein Schätzchen, und ich etc.

CHRISTEL.

Mein Glücke blüht in vollem Lenzen;


Zu Hannchen.


In dir seh ich den Morgen glänzen;

O Lieb' und Eintracht, welches Glück

Verspricht uns jeder Augenblick!

Und wer hat uns dieß Glück gegeben?

Der beste König! er soll leben.

Es lebe der König, mein Hannchen, und ich!

Der König für alle mein Hannchen für mich![217]

CHOR.

Es lebe der König, mein Schätzchen, und ich etc.

HANNCHEN.

Dich hab' ich, Christel! Diesen Morgen

War mir die Sonne noch verborgen:

O wie entzückend! o wie schön

Seh ich sie jetzund untergehn!

So siegt, von Unschuld unterstützet,

Die Schönheit, wenn ein Fürst sie schützet!

Es lebe der König, mein Christel, und ich!

Der König für alle! mein Christel für mich!

CHOR.

Es lebe der König, mein Schätzchen, und ich etc.

TÖFFEL.

Ich taumle noch, als wie im Traume:

Aus einem Pilz werd ich zum Baume;[218]

Zweytausend Thaler bin ich werth,

Vorher kaum funfzig. – Unerhört!

Nun wird sich Michel nach mir reißen:

Das laßt mir einen König heißen!

Es lebe der König, mein Röschen, und ich!

Der König für alle! mein Röschen für mich!

CHOR.

Es lebe der König, mein Schätzchen, und

ich etc.

RÖSCHEN ans Parterr.

Hat Euch, Ihr Herrn, der Fürst gefallen:

So glaub ich auch, es fällt Euch allen,

(Wie kann es anders möglich seyn?)

An Gnad' und Huld ein gleicher ein.

Verbeut die Ehrfurcht, ihn zu nennen,

Genug, daß wir ihn alle kennen.

Es lebe der Churfürst, mein Töffel, und ich!

Der Churfürst für alle! mein Töffel für mich![219]

DER GANZE CHOR.

Es lebe der Churfürst, mein Schätzchen, und ich!

Der Churfürst für alle! mein Schätzchen für mich.


Nach Gutbefinden kann mit einem Bauertanz beschlossen werden.

Ende des Stücks.
[220]

Quelle:
Johann Adam Hiller: Die Jagd. Leipzig 1770, S. 215-221.
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