Neundter Auffzug.

[102] Philippus, der Hertzog. Egmund, Hoff-Marschall. Robert, Cammer-Herr. Leo, Hoff-Juncker. Wilhelm, Stall-Meister. Heinrich, Cammer-Juncker. Mierten, der Bauer. Aus der mittelsten Scene.


PHILLIPPUS. Ist das der boßhaffte Mörder / der sich am unschuldigen Blute vergrieffen hat.

EGMUND. Ja die Umstände sind klar / er muß den Mord begangen haben.

PHILLIPPUS. Höre du Bube / warum verlangstu / daß dein Blut soll vergossen werden?

EGMUND. Und warum soll dein Weib und Kinder nebst dir gestrafft seyn?

MIERTEN. Ihr Herren redt wie ihr wolt / wie mir hinte von euch träumte / so waret ihr nicht so böse wie itzund.

PHILLIPPUS. Du wilst unser spotten.[102]

EGMUND. Wenn man seine Boßheit bekennen will / so darff man keinen Traum erzehlen.

MIERTEN. Was ich mein Lebtage nicht vergessen kan / davon will ich doch erzehlen.

PHILLIPPUS. Was kanstu nicht vergessen?

EGMUND. Und wovon wilstu ins künfftige erzehlen?

ROBERT. Es ist ein Bösewicht / der seine Boßheit durch einen Traum verdecken will: Höre / wo bistu gestern gewesen?

MIERTEN. Herr zum Weine.

ROBERT. Wo bistu hernach hingegangen?

MIERTEN. Auff die Gasse.

ROBERT. Was hastu da gemacht?

MIERTEN. Ich legte mich auff den Bauch / und deckte mich mit dem Podexe zu / so schlieff ich.

ROBERT. Hastu auff der Gasse keine Händel angefangen?

MIERTEN. Nein / ich kunte vor den lustigen Traume nicht darzu kommen.

ROBERT. Was war es vor ein Traum?

MIERTEN. Ihr Herrn / es träumte mir von euch / wie ihr da beysammen seyd / ich fraß und soff mit / daß mirs noch gut schmeckt.

ROBERT. Wir wissen aber nichts davon.

MIERTEN. Da seht ihrs / daß arme Leute auch was befehlen können / will mich der Fürste nicht zu Gaste bitten / so laß ich mirs träumen / und setze mich wieder seinen Willen am Tisch.

PHILLIPPUS. Diese Rede wollen wir gelten lassen. Bauer gehe fort / dieses Traumes wegen soltu als ein unschuldiger Pardon haben.

MIERTEN. Es ist gut / wenn ich einmahl ein Schelmstücke werde gethan haben / so will ich mir wieder was träumen lassen.

PHILLIPPUS. Geh nur geh / du hast dich entschuldiget.

MIERTEN. Ich will wohl thun / als wenn ich naus gienge / aber ich bleibe doch an der Thüre stehn / wer weiß ob mir nicht noch einmahl von der Fürstlichen Herrligkeit träumt / wenn ich hinter einen Zaune liege und schlaffe.

PHILLIPPUS. Das war ein hartes Wort / ein Fürste muß dem Bauer[103] gehorsam seyn / wenn er sich im Schlaffe will von ihm träumen lassen.

EGMUND. Was dem Bauer im Schlaffe vorkömmt / das ist nicht der Fürste.

PHILLIPPUS. Doch ist es sein Ebenbild.

EGMUND. Der Bauer ist betrogen.

PHILLIPPUS. Doch kan er sich vergnügen / als wenn er nicht betrogen wäre.

EGMUND. Das mag er haben.

PHILLIPPUS. Also ist ein Bauer in den Gedancken über den Fürsten.

EGMUND. Und in der That ist er ein Sclave.

PHILLIPPUS.

Wohl dem! Der als ein Mensch in seiner Freyheit lebt /

EGMUND.

Und der die Freyheit nicht in Laster-Staub vergräbt /

ROBERT.

Der nicht betrogen wird indem die Falschheit spielt /

WILHELM.

Und der auch selbsten nicht auff solche Schmincke zielt.

HEINRICH.

Der sich nicht träumen läst / wenn List und Thorheit wacht /

LEO.

Der aus dem Schatten nicht ein Werck von Lichte macht /

MIERTEN.

Itzt hat mir nichts geträumt / doch werd ich ausgelacht.

PHILLIPPUS.

Wer Träume meiden will / der meide nur den Wein /

EGMUND.

Und lasse seinen Schlaff nicht allzu sichtbar seyn.

ROBERT.

Der Trunck bezwingt den Kopff /

WILHELM.

Der Schlaff den gantzen Geist.

HEINRICH.

Man thut nicht was man will /

LEO.

Ja was ein ander heist /

MIERTEN.

Biß sich ein ehrlich Mensch um Kopff und Fuß besch – – – meist.

PHILLIPPUS.

Wir haben gnung geschertzt / der Bauer taug uns nicht /

EGMUND.

Weil seine Gegenwart nicht grosse Lust verspricht.

ROBERT.

Der Fisch ist wohl versorgt / der in dem Wasser bleibt /[104]

WILHELM.

Der Bauer wohnet recht / wo er die Ochsen treibt.

HEINRICH.

Das unverschämte Schwein verflucht den Majoran,

LEO.

Dem Bauer wird kein Dienst mit unsrer Pracht gethan /

MIERTEN.

Ach kommt zu guter letzt / und seht Printz Mierten an. etc.

Quelle:
Christian Weise: Ein wunderliches Schau-Spiel vom niederländischen Bauer. Stuttgart 1969, S. 102-105.
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