Siebzehndter Auffzug.


[145] Wentzel, Lisel, Girschick, Wazek. Sie jagen einander herum / Lisel kützelt Wentzeln, daß er abscheulich lachen muß.


GIRSCHICK. Ihr Leute / daß ihr doch so treschen könnt / schämt ihr euch denn nicht vor meine Person?

WAZEK. Ja seht doch / das Pfäffgen hats am ärgsten mit gemacht / nun sollen wir uns flugs vor ihm schämen.

GIRSCHICK. Ey wir können wohl lustig seyn / wir dürffen deßwegen nicht so ein Gepolter und ein Geplärre machen.

WAZEK. Je wenn ihr nun so voller Künste steckt / so theilet uns nur was mit.[145]

GIRSCHICK. Wir wollen eine COMŒDIE spielen.

WAZEK. Ja wer die Personen auswendig gelernet hätte.

GIRSCHICK. Ach es soll sich alles selber geben. Sieh WAZEK du solst der Richter seyn.

WAZEK. Ich weiß nicht / wenn die vornehmen Personen an meines gleichen kommen / so steckt gewiß eine Leichtfertigkeit darhinter.

GIRSCHICK. Ach wo hat es immermehr das Geschicke zu Leichtfertigkeit. Du bist Richter / der kleine Herr König ist Beysitzer / LISEL soll des Richters Frau bedeuten.

WAZEK. Was haben wir denn zu richten?

GIRSCHICK. Ich will der arme Sünder seyn.

WAZEK. Was habt ihr denn gethan?

GIRSCHICK. Ich habe ein Pferd gestohlen / da richtet mich drüber.

WAZEK. Nun last sehen / so will ich mich auff den Thron setzen / und weil mir die Herrn COLLEGEN sind aussen blieben / mag meine Frau Beysitzer seyn. Nun höre du Kerle / gläubstu / daß du ein Pferdedieb bist?

GIRSCHICK. Ehrenvester Herr Richter / das gläub ich.

WAZEK. Gläubstu / daß das gestohlne Pferd hat vier Beine gehabt?

GIRSCHICK. Ja vier Beine und so viel Huffeisen.[146]

WAZEK. Weistu auch wo solche Gäste hingehören?

GIRSCHICK. Ich habs nicht gerne gethan / der Herr Richter wird mir wohl gnädig seyn.

WAZEK. Ich weiß von keiner Gnade / Meister KILIAN rauß / und hencket mir den Kerlen flugs wie sichs gehöret und gebühret.

GIRSCHICK. Ey Herr Richter / das wäre auch wohl das erstemahl / daß sie mich hengen liessen.

WAZEK. Es muß ein Anfang seyn / du bist schon so gut / als ein Klöppel in der Feld-Glocke.

GIRSCHICK. O ich bitte aber gar zu sehr.

WAZEK. Nein nein / die Gnadenthüre ist verschlossen / der Galgen behält sein Recht.

GIRSCHICK er streichelt alle auff dem Backen mit denen er redet. O allerliebster Herr Beysitzer / ist es nicht möglich / daß ich kan davon kommen?

WAZEK. Laß dich mit dem Besitzer unverworren / wen ich hencken lasse / den soll mir kein Beysitzer loßschneiden.

GIRSCHICK. Ach tugendsame Frau Richterin / sie lasse doch ihre Vorbitte was gelten / es thut mir gar zu weh / wenn ich hencken soll.

WAZEK. Laß mir die Frau auch zu Frieden. Denn wieder den Tod ist kein Kraut gewachsen.

GIRSCHICK. O ich mercke es wohl / ich muß bey der rechten Thüre anklopffen / O hertz lieber güldner Herr Richter / last[147] es immer dieses mahl gut seyn / ein andermahl will ich gerne zwey Pferde stehlen / da könt ihr mich mit guter Bequemligkeit hencken lassen. Er streichelt ihn / und beschwärtzt ihm das gantze Gesichte / Wentzel und Lisel lachen über die Massen sehr.


Quelle:
Christian Weise: Sämtliche Werke. Berlin und New York 1971 ff., S. 145-148.
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