Eilffter Aufftrit.


[35] Peronne, Formaggio, Bravo, Piccone neben andern Bürgern und Kindern so jhre Stecken mit Brodte oder alten Lumpen bezeichnet haben.


PERONNE. Ha! soll dieß der oberste Regente im Lande seyn / der vor seinen Unterthanen die Thüren verschliessen wil?

FORMAGGIO. Und soll dieß der Vater des Vaterlandes seyn / der sich vor seinen Kindern versteckt / wenn sie das nöthigste zu bitten haben?

BRAVO. Wo wir keinen Vice-Roy haben / da ist uns auch kein Pallast von nöthen: man reisse den Plunder über den Hauffen: aus diesem verdamten Hause sind doch die meisten Bubenstücke / als aus einem schädlichen Wespen-Neste heraus geflogen.

PICCONE. Ich helffe mit zugreiffen. Der Stadt Neapolis wird doch niemahls besser geholffen / als wenn die Wohnungen dieser Mord-Geister zustöret werden.

PERONNE. Jhr Brüder / geht im Anfange gemach / wir haben noch mit unserm Könige nichts zu thun / wir schaffen uns Recht wieder die boßhafftigen und ungerechten Diener. Der[35] Pallast darff nicht versehret werden / allein hat sich der Vice-Roy wieder heraus gestohlen / so mögen auch seine Mobilien an den Galgen gehen.

FORMAGGIO. Greifft zu / jhr Brüder / durchsuchet alle Gemächer / ein Schelm der etwas gantz last.

BRAVO. Ein Schelm der nicht alles auf den Platz vor den Pallast hinaus schlept.

PICCONE. Ein Schelm der sich vor dem Vice-Roy weiter furcht.

PERONNE. Auf jhr Brüder / wer das beste thut / soll den besten Lohn zugewarten haben.


Sie lauffen hinein und tumultuiren erschrecklich.


Quelle:
Christian Weise: Masaniello. Stuttgart 1972, S. 35-36.
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