Funffzehnder Aufftrit.


[40] Die Vorigen / Roderigo, Arpaja, Furfante. Beyde mit entblösten Degen, hernach Masaniello.


RODERIGO. Ist dieses der Respect welchen jhr dem Könige in Hispanien schuldig seid?

ARPAJA. GOtt gebe dem Könige in Spanien langes Leben / und uns eine beßre Regierung.[40]

RODERIGO. Auf diese masse wird einem Königlichen Minister Gewalt gethan.

ARPAJA. Jhr Exellentz haben sich vor keiner Gewalt zubefahren / wenn in unser Begehren eingewilliget wird / so sind wir die besten Freunde.

RODERIGO. Es ist allbereit in das Begehren gewilliget worden.

ARPAJA. Wenn wir auf ledige Zettel bauen wolten / so dürfften wir dieser Weitläufftigkeit nicht.

RODERIGO. Ach! jhr Leute ist niemand der des Königes Autorität in meiner Person zuschützen gedenckt.

MASANIELLO. Hier ist das getreue Volck von Neapolis, welches vor den König Gut und Blut aufsetzen wil. Allein daß wir auch ins künfftige von den Ministern als Bürger und nicht als Hunde tractiret werden.

RODERIGO. Jhr ehrlichen Leute solt euch was zu Leide geschehen seyn / so mag ein ieder versichert leben / daß jhm der Schaden soll ersetzet werden.

MASANIELLO. Was vergangen ist / das mag der Hencker gehohlet haben: aber nun trotzen wir auf unsre Privilegia.

RODERIGO. Sie sind alle bestätigst / gebt euch nur zu frieden.

MASANIELLO. Wir müssen das Original in Händen haben.

RODERIGO. So erlasset mich doch / damit ich das Privilegium suchen kan.

MASANIELLO. Es sind Personen genung / die es finden werden / jhr Excellenz bleibe an stat des Privilegii in unser Gewalt.

RODERIGO. Unglückselige Herrschafft / da ein Sclave über Standes Personen gebieten soll.

MASANIELLO. Das Privilegium wollen wir haben.


Sie fangen alle anzuschreyen.


Das Privilegium wollen wir haben / oder die Stadt Neapolis soll sich umkehren.

MASANIELLO. Jhr werdet schon seine hohe Person in acht[41] nehmen / ich werde sehen / was unter dessen auf dem Marckte vorgehet.


Geht ab.


ARPAJA. Wir sind alle Diener von jhrer Excellenz, und werden in allen gehorchen: nur in einem Stücke müssen wir ungehorsam seyn / biß das Privilegium ankömt.

FURFANTE. Ich dencke das Privilegium wird in alle Welt geflogen seyn / es ist doch auf Pergament geschrieben gewest und so hat ein Vice-Roy seine Kleinodien drein wickeln können / die er in wehrendem Ampte erschachert hat.

RODERIGO. Ach! was bewegt doch das Volck zu diesem einfältigen Argwohn / als wenn jemand von den Grossen dem Volcke iemals die Wohlfahrt mißgönnte. In Warheit / eh ich diesen Schimpff auf mir wolt ersitzen lassen / und eh ich den Nahmen eines Vaters nicht in diesem Königreiche verdienen wolte / ehe wolt ich mein Gut und mein gantzes Reichthum dahin werffen.


Er wirfft sein Geld von sich.


Seht so geringe acht ich mein Geld / wenn ich von meinen Bürgern geringschätzig gehalten werde.

FURFANTE. Die Worte sind gut / aber die Ducaten sind noch besser. Wer vor etlichen Wochen von solcher Materie geschwatzet hätte / der möchte bey mir und meines gleichen besser Audientz gefunden haben.


Die andern wollen darnach greiffen.


FURFANTE. Ich sehe wohl in diesem Spiele darff ich nicht der letzte seyn.


Sie schlagen sich weidlich um das Geld.


RODERIGO. So hab ich meinen Zweck / weil das Volck nach dem Gelde greifft / werde ich mich unsichtbar machen: das Kloster S. Laurentii. wird mir so lange Sicherheit geben / biß ich was bessers schaffen kan.


Geht ab.


GEONINO. Jhr Pursche / jhr sehet alle wo das Geld herkömt / jhr sehet aber nicht / wo unser Vice-Roy geblieben ist.[42]

FURFANTE. Hätt ich sein Geld so gewiß / als mir seine Person nicht entwischen soll / so wolt ich ein gut Kerl seyn.

GEONINO. Ein schöner Bernheuter magstu seyn / wo ist er denn? Jhr Leute ist kein Gehöre bey euch / wird sich die Blindheit verantworten lassen / daß wir bey dem schönen Anfange / so einen höflichen Pfuidian eingeleget haben? seid jhr bezaubert / daß jhr noch nicht hören wollet?


Die Leute welche noch immer Geld aufgelesen richten sich zusammen auf.


ARPAJA. O verfluchte Thorheit / daß wir unser Glücke und die wunderschöne Gelegenheit um etliche kahle Ducaten dahin fahren lassen! es ist nicht anders er ist in einem Kloster; haben wir seinen Pallast gestürmet so wird er gewißlich bey den elenden Mönchen nicht sicher seyn. Auf folget mir / wer ein redlicher Kerl ist / der vergeust auch sein Blut vor die Freyheit.


Sie schreyen alle zusammen.


Wir folgen und wenn wir das Kloster stürmen solten. Besser tod als ein Sclave.


Sie lauffen hinein.


Quelle:
Christian Weise: Masaniello. Stuttgart 1972, S. 40-43.
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