6.

[73] Des folgenden Abends erinnerte der junge Mirza, daß Danischmend noch die Anwendung seiner Erzählung schuldig sei.

»Ihr erinnert mich zu rechter Zeit, Mirza«, sprach der Sultan. »Er sollte über etwas seine Meinung sagen, und statt dessen erzählt‹ er uns ein Märchen, oder eine Historie, die so gut als ein Märchen ist. Was war es, Danischmend?«[73] »Sire, die Rede war von einer gewissen Polizei, welche vonnöten gewesen wäre, damit der Luxus, den die Sultanin Lili in Scheschian einführte, keinen sonderlichen Schaden tun könnte. Ich bat mir die Erlaubnis aus, die Geschichte des Emirs erzählen zu dürfen« –

»Gut; und ich merke ungefähr was du damit wolltest. Du schilderst uns ein kleines Völkchen von vier-oder fünfhundert Familien, die (dank der Sittenlehre des weisen Psammis die mich so gut einschläferte!) sich gute Tage machen, gut essen und trinken, sich von schönen Mädchen in den Schlaf singen lassen, und bei allem dem die unschuldigsten und glücklichsten Leute von der Welt sind. Das alles war recht schön zu hören: aber deine Meinung ist doch nicht, daß die Gesetzgebung des weisen Psammis für eine Nation, die aus Millionen Familien besteht, brauchbar sein könnte?«

»Ich danke Ihrer Majestät demütigst für die Gerechtigkeit, die Sie meiner Vernunft angedeihen lassen«, erwiderte Danischmend. »Die Geschichte des Emirs und der Kinder der Natur sollte in der Tat nur so viel dartun: daß es ganz verschiedene Sachen seien, ein kleines von der übrigen Welt abgeschnittenes Volk, und eine große Nation, welche in Verbindung mit zwanzig andern lebt, glücklich zu machen. Zwar ist die Glückseligkeit bei dieser sowohl als bei jenem das Resultat eines der Natur gemäßen Lebens. Aber eben darum muß der Unterschied in der Hauptsumme des Guten und Bösen verhältnisweise desto größer sein, je weiter ein Volk von der Natur entfernt und je weniger ihm möglich ist, sich mit den bloßen Naturgesetzen zu behelfen. Weder Psammis noch Konfucius, noch alle zwölf Imans, die echten Nachfolger unsers Propheten, selbst, hätten eine Gesetzgebung erfinden können, wodurch durch alle Angehörige eines großen Staats so frei, ruhig, unschuldig und angenehm leben könnten als die so genannten Kinder der Natur. Die Ursachen fallen in die Augen. Dieser Zusammenfluß von besondern Umständen, welche zu den notwendigen Bedingungen des Wohlstandes der letztern gehören, läßt sich bei keinem großen Volke denken. Bei diesem sind Freiheit und allgemeine Sicherheit unverträgliche Dinge; und die Gleichheit bringt unzählige Kollisionen und Zwistigkeiten hervor, welche durch das Recht der Stärke entschieden werden; der Stärkere unterwirft sich den Schwächern, der Schlaue den Einfältigen, und so hört die Gleichheit auf. Eben so unmöglich ist es, daß ein großes Volk die Vorteile der Künste, die das Leben verschönern und angenehmer machen, genießen könnte,[74] ohne auch die Übel zu erfahren, welche den Mißbrauch derselben begleiten. Ein sehr kleines Volk kann durch Gesinnungen und Sitten in den Schranken der Mäßigung und des Mittelstandes erhalten werden, woran seine Glückseligkeit gebunden ist. Aber ein großes Volk hat Leidenschaften vonnöten, um in die starke und anhaltende Bewegung gesetzt zu werden, welche zu seinem politischen Leben erfodert wird. Alles was der weiseste Gesetzgeber dabei tun kann, ist, den Schaden zu verhüten, welchen das Übermaß oder der unordentliche Lauf dieser Leidenschaften dem ganzen Staate zuziehen könnte. Einzelne Glieder mögen immer das Opfer ihrer eigenen Torheit werden; das ist ihre Sache. Der Gesetzgeber kann es nicht verhindern; denn dies müßte durch Mittel geschehen, wodurch größere Übel veranlaßt würden, um kleinere zu verhüten. Aus diesen Betrachtungen halte ich eine Polizei, durch welche der Luxus einer großen Nation ganz unschädlich werden sollte, für eine eben so große Schimäre, als das Projekt des Philosophen Fanfaraschin, welcher vor ungefähr hundert Jahren zwanzig Quartbände schrieb, um Anweisung zu geben, wie man alle Menschenkinder auf dem festen Land und auf den Inseln des Meeres zu Weisen und Virtuosen bilden könne; – ein Projekt, wovon die Idee schimmernd, die Unternehmung rühmlich, aber die Ausführung – unmöglich war, und, gegen die Absicht des guten Fanfaraschin, einige schlimme Folgen hatte, an die er nicht gedacht zu haben schien, und die desto schädlicher waren, weil eine lange Zeit niemand merkte, woher das Übel kam.«

»Zum Exempel?« sagte Schach-Gebal.

»Unter andern diese, daß unter fünfhundert jungen Leuten, die nach seiner Methode gebildet wurden, sich zum wenigsten hundertundfunfzig fromme, diskrete, schleichende, gleisnerische Schurken bildeten, welche ausgelernte Meister in der Kunst waren, ihre Leidenschaften zu verbergen, ihre schlimmen Neigungen in schöne Masken zu vermummen, die Unverständigen durch eine lauter Tugend und Religion tönende Phraseologie zu täuschen, mit Einem Worte, unter dem Schein der pünktlichsten Moralität mehr Gutes zu verhindern und mehr Böses auszuüben, als sie hätten tun können, wenn man sie ihrem Naturell und den Umständen überlassen hätte. – Ferner, daß aus den besagten fünfhundert ungefähr dreihundert heraus kamen, welche, wie abgerichtete Hunde, alle Künste machten die man sie gelehrt hatte, auf den Wink gingen, alles wieder von sich geben konnten was ihnen eingegossen worden war, über nichts ihre eigene Empfindung zu Rate zogen, an nichts zweifelten[75] was man ihnen für wahr gegeben hatte, kurz, in allen Stücken die Affen des weisen Fanfaraschin vorstellten; welches (ich getraue mir es zu behaupten) gerade wider die Absicht der Natur war. Denn diese will, daß ein jeder Mensch seine eigene Person spiele. Es war an Einem Fanfaraschin genug; und dreihundert Personen, welche das gewesen wären, wozu ihre natürliche Anlage sie bestimmte, wären, so schlecht sie auch immer hätten sein mögen, doch noch immer besser gewesen als dreihundert Fanfaraschin; zumal da unter diesen dreihundert wenigstens zweihundertundneunzig mißlungene Fanfaraschin waren. Ferner« – –

»Ich habe genug«, fiel ihm der Sultan ein; »wann lebte dieser Fanfaraschin

»Zu den Zeiten Schach-Dolkas, Ihrer Majestät Urahnherrns, glorreichesten Andenkens« – –

»La Faridondäne la Faridondon«, – brummte der Sultan: »aber wir kommen aus dem Zusammenhang, Danischmend; was war es was du sagen wolltest, wenn dir der weise Fanfaraschin nicht zur Unzeit in die Zähne gekommen wäre?«

»Daß, wenn gleich nicht gänzlich zu verhindern sei, daß der Luxus einem großen Volke nichts Böses tun sollte, die Geschichte des Emirs und der Kinder der Natur uns dennoch ein paar Grundmaximen an die Hand geben könnte, durch deren Beobachtung die schöne Lili wenigstens den größten Teil des Übels, welches ihr die Unglück-weissagenden Alten angekrähet hatten, zu verhüten fähig gewesen wäre. Hätte diese liebenswürdige Dame meine Wenigkeit zu Rate ziehen können, so würde ich mir die Freiheit genommen haben, ihr diese Antwort zu geben:

Bei Auflösung aller Fragen, von welcher Art sie sein mögen, deucht mir die natürlichste und einfältigste Methode gerade die beste. Diese Maxime gilt vornehmlich, wenn von politischen Aufgaben die Rede ist, wo ganz unfehlbar die verwickelten und weitläufigen Auflösungen noch unbrauchbarer sind als bei allen andern. Die Frage ist: Was sollen wir tun, damit die äußerste Verfeinerung der Künste, des Geschmacks, der Leidenschaften, der Sitten und der Lebensart, mit Einem Worte, der Luxus, einer großen Nation so wenig als möglich schade? – Die Natur, Madam, zeigt uns gegen jedes Übel, dem sie uns unterwürfig gemacht hat, auch ein zulängliches Mittel. Sollte es in diesem Fall anders sein? Ich denke, nein. Wenn wir den größten und nützlichsten, folglich den wichtigsten Teil der Nation vor der Ansteckung bewahren können, so haben wir sehr viel, und in der Tat alles getan, was man von einer[76] weisen Regierung fodern kann. Zu gutem Glücke ist nichts leichter. Der größte Teil der Nation von Scheschian ist derjenige, der zum Ackerbau und zur Landwirtschaft bestimmt ist. Die Natur selbst, in deren Schoß er lebt, erleichtert uns die Mühe unendlich; wir haben beinahe nichts zu tun, als ihr nicht vorsetzlich entgegen zu arbeiten. Lassen Sie diese guten Leute ihres Daseins froh werden. Geben Sie nicht zu, daß sich alle übrige Stände unter unzähligen Vorwänden vereinigen, sie auszurauben und zu unterdrücken; daß das unersättliche Geschlecht der Pachter und Einzieher der königlichen Einkünfte, daß Beamte, Richter, Prokuratoren und Sachwalter, Edelleute, Bonzen und Bettler, so unbescheiden und unbarmherzig an ihnen saugen, bis ihnen nur die Haut auf den Knochen übrig bleibt. Lassen Sie dieser unentbehrlichsten und unschuldigsten Klasse von Menschen so viel von den Früchten ihrer Arbeit, daß sie mit frohem Mut arbeiten, daß sie Zeit zur Ruhe, Zeit zu ihren ländlichen Festen und Ergetzungen übrig haben. Wenn allzu großer Überfluß auch diesem Stande, wie allen übrigen, schädlich ist: so lassen Sie uns nicht vergessen, daß zu wenige oder ungesunde Nahrung, daß Mangel an aller Gemächlichkeit, daß Nacktheit, Kummer und Elend ihm ungleich verderblicher sind. Stimmen wir immer die Glückseligkeit unsers Landvolkes um etliche Grade tiefer herab als die Glückseligkeit der Kinder der Natur war; aber lassen wir ihnen so viel, daß es ihnen, ohne alles natürliche Gefühl verloren zu haben, möglich sei mit ihrem Zustande zufrieden zu sein. Unter uns gesagt, schöne Lili, das sind wir ihnen schuldig, in einem unendliche Mal verbindlichern Grade schuldig, als wir es sind unsre Spielschulden zu bezahlen. Aber wenn dies auch nicht wäre, so sind wir es dem Staate, dem ganzen Scheschian schuldig. Denn es gibt kein anderes Mittel (ich fordre alle Ihre Staatskünstler, Goldmacher und Projektmacher heraus, mir ein andres zu nennen), den allgemeinen Wohlstand eines großen Reiches auf einen festen Grund zu setzen als dieses. Wenn das Landvolk Ursache hat zufrieden zu sein, so verlassen Sie Sich wegen des übrigen auf die Zauberei der Natur. Sie hat für unverdorbene Sinne Reizungen, deren Macht unsern ausgearteten unbegreiflich ist. Der Landmann zieht die angenehmen Gefühle, womit sie seine Arbeiten teils verwebet, teils belohnet, darum mit nicht desto weniger Wollust in sich hinein, weil er ihnen keinen Namen geben, oder sie nicht so zierlich beschreiben kann, wie unsre Dichter, die sie vielleicht nur durch die Anstrengung ihrer Einbildungskraft kennen. Welche Behaglichkeit gießt, indem er an die Arbeit[77] geht, ein schöner Morgen und die aufgehende Sonne über alle seine Glieder aus! Wie erquickt ihn ein frischer, mit den Düften abgemähter Kräuter und Feldblumen durchwürzter Wind! Wie angenehm ist ihm der Schatten eines Baumes in der glühenden Mittagshitze! Wo ist der Reiche, der die teuersten Weine mit der Hälfte der Wollust in sich schlürfe, wie der lechzende Schnitter seinen Krug mit säuerlicher Milch? Versuchen Sie es einmal, schöne Lili, führen Sie diesen gesunden, kernhaften, wohl gebildeten jungen Bauer, diesen echten Sohn der Natur, mitten an den Hof; zeigen Sie ihm alle Ihre Herrlichkeiten, Ihre Pracht, Ihre Feste, Ihre Schauspiele; aber verbergen Sie ihm auch den ewigen Zwang, den Überdruß, die lange Weile, die Gefahren dieser blendenden Maskerade nicht; – wie bange wird ihm ums Herz sein, bis er wieder in seiner Hütte ist! und mit welcher Ungeduld wird er von Ergetzlichkeiten, die ihm beschwerlicher sein werden als die mühseligste Arbeit, zu seinen Schnitterfesten, zu seiner Weinlese, und zu seinen Reihentänzen zurück fliegen! Wie selig wird er in Vergleichung mit dem unsrigen seinen Zustand preisen! Sie sehen, schöne Lili, wie wenig das Glück der zwei besten Dritteile von Scheschians Einwohnern dem Sultan unserm Herrn kosten wird. Ich verlange nichts für sie, als Sicherheit bei ihrem Eigentum, und Schutz vor Unterdrückung; die Natur hat alles übrige auf sich genommen. –›Gut‹, sagen Sie, ›was werden wir damit gegen die Folgen des Luxus gewinnen?‹ – Sehr viel. Es ist schon viel, wenn wir vier Millionen von sechsen vor der Ansteckung verwahrt haben. Aber dies ist noch nicht alles. Die Vorteile davon werden sich auf mehr als Eine Weise auch über den angesteckten Teil verbreiten. Von Zeit zu Zeit werden unsre Großen, werden die reichen und üppigen Bewohner der Hauptstädte, von Überdruß, langer Weile, und von der Notwendigkeit eine abgenützte Gesundheit auszubessern, aufs Land geführt werden; unvermerkt werden sie Geschmack an den einfältigen, aber mit der menschlichen Natur so fein zusammen gestimmten Freuden des Landlebens gewinnen; unvermerkt werden sie eine Menge von Vorurteilen und die dicke Haut der Fühllosigkeit, die sich gleichsam um ihr Herz gezogen hatte, abstreifen; sie werden sich mit neuen Bildern und nützlichen Wahrnehmungen bereichert sehen, richtiger empfinden, und besseres Blut machen: und so klein auch der Anteil an diesen Vorteilen sein mag, den die meisten mit sich nehmen; so werden sie doch immer besser in die Stadt zurück kommen, als sie abgegangen sind. Noch mehr. Die Natur ist fruchtbar. Das Landvolk, sobald es nach seiner Weise glücklich ist, vermehrt[78] sich ins unendliche. Das Land wird eine unerschöpfliche Quelle, woraus die Städte (und bei Gelegenheit vielleicht auch der Adel) mit gesundem frischem Blute wieder angeschwellt werden, welches den Staat in immer währender Jugend und Stärke erhält. Aus den jungen Schwärmen, welche diese Bienenstöcke ausstoßen, werden sich die übrigen Stände ergänzen, und so werden die Verheerungen, die der Luxus anrichtet, beinahe unmerklich bleiben. Dies, schöne Lili, würd ich sagen, ist mein erstes Hausmittel. Das andre« – –

»Ich mag den Herrn Danischmend ganz gern phantasieren hören«, sagte Schach-Gebal; »aber bei allem dem, wenn er sich, was den zweiten und alle folgenden Punkte betrifft, so kurz als möglich aus der Sache ziehen wollte, so würde mir ein Gefallen geschehen.«

»Sire«, versetzte Danischmend, »was ich noch zu sagen hatte, betrifft bloß die moralischen Giftmischer. Ich finde deren zwei Gattungen in der Welt. Zur einen rechne ich die üppigen Sittenlehrer, deren Seele bloß in ihrem Blute ist; die den wesentlichen Vorzug des Menschen vor dem Tiere mißkennen, und das höchste Gut gefunden zu haben glaubten, wenn sie den Maulwürfen und Meerschweinchen keinen Vorzug eingestehen müßten: zur andern diese gravitätischen Zwitter von Schwärmerei und Heuchelei, welche, unter dem Vorwande die menschliche Natur von ihren Schwachheiten zu befreien, ihre Grundzüge auskratzen, und ihre einfältig schöne Form am einen Orte stümmeln, am andern recken und aufblasen, um eine Mißgeburt aus ihr zu machen, für die man keinen Namen finden kann. Beide sind als Störer der geheiligten Gesetze der Natur, und als Verderber des schönsten unter allen ihren Werken anzusehen; und wenn ihre verderblichen Bemühungen sich mit den natürlichen Folgen und Einflüssen des Luxus bei einem Volke vereinigen, wie und wem sollt es möglich sein dieses Volk zwischen so gefährlichen Klippen unbeschädigt durchzuführen? – Welche von besagten beiden Arten von Vergiftern die schädlichste sei, ist eine Aufgabe, die vielleicht nicht unwürdig wäre, von der Akademie Ihrer Majestät entschieden zu werden. Aber, wenn wahr ist, was man bemerkt haben will, daß sich jene gemeiniglich in diese verwandeln, so könnte man auf den Gedanken kommen, die Denkungsart der letztern aus einem höhern Grade von Verderbnis der Natur zu erklären. Doch, wie dem auch sei, die Frage ist, wie wir diesen schädlichen Geschöpfen ihr Gift benehmen wollen? Ich vermute, daß jene in einem[79] wohl polizierten Arbeitshause, bei mäßiger Kost und einem Spinnrade richtiger philosophieren lernen sollten. Aber was die zweite Gattung betrifft – es sei nun, daß sie es, wie der Derwisch Kuban so weit gebracht haben, ihre fiebrischen Träume für Wahrheit zu halten, oder daß sie nur gewissen Ärzten gleichen, welche die Leute krank machen um sich ihre Heilung als ein Verdienst anrechnen zu können, – so weiß ich der schönen Lili keinen andern Rat zu geben, als diese wackern Leute nach ihren eigenen Grundsätzen zu behandeln. Wir sind aus der Welt ausgegangen, sagen sie: gut, man nehme sie beim Worte! Man messe zu einer jeden Derwischerei und Bonzerei so viel Land, als sie zu ihrem Unterhalte vonnöten haben, ziehe eine hohe Mauer rings umher, und – um der Welt alle Gelegenheit abzuschneiden sie in dem edlen Werke ihrer Entkörperung zu stören –13 maure man alles so gleich und eben zu, daß niemand, wer einmal darin ist, wieder heraus könne: so ist allem Bösen vorgebogen, und jedermann kann zufrieden sein.«

»Weißt du wohl, Danischmend«, sagte der Sultan, »daß ich gute Lust habe, deinen Vorschlag, wenigstens was die Bonzen betrifft, ins Werk zu setzen? Es ist wie du sagst; niemand kann was dagegen einzuwenden haben. Ich selbst und meine Untertanen gewönnen etliche Millionen Taels dabei, die man besser anwenden könnte; und die Bonzen hätten vollkommene Muße, Pagoden zu werden, wie und wenn sie wollten.«

Es war glücklich für die Bonzen, oder vielmehr für den Sultan selbst, daß dergleichen Einfälle bei ihm keine Folgen hatten; denn er würde vermutlich in der Ausführung einige Schwierigkeiten gefunden haben.

Quelle:
Christoph Martin Wieland: Der goldne Spiegel und andere politische Dichtungen. München 1979, S. 73-80.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hume, David

Dialoge über die natürliche Religion

Dialoge über die natürliche Religion

Demea, ein orthodox Gläubiger, der Skeptiker Philo und der Deist Cleanthes diskutieren den physiko-teleologischen Gottesbeweis, also die Frage, ob aus der Existenz von Ordnung und Zweck in der Welt auf einen intelligenten Schöpfer oder Baumeister zu schließen ist.

88 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon