Anastatische Druckverfahren

[186] Anastatische Druckverfahren sind solche, mittels welcher ein vorhandener Druck, sei es Schrift oder eine Abbildung (in Strichmanier, nicht in Halbton), direkt zur Herstellung einer Druckform benutzt wird, behufs faksimiler Reproduktion des Originals.

Die Methoden, die darauf hinauslaufen, entweder 1. die verharzte Farbe der alten Drucke zu erweichen und dadurch auf eine Stein- oder Zinkplatte umdruckfähig (durch Aufquetschen übertragbar) zu machen oder aber 2. die zu reproduzierenden Drucke von der Rückseite mit verdünnter Säure zu tränken, die dann, wenn das Blatt mit der Bildseite nach unten auf die Stein- oder Zinkplatte gepreßt wurde, an den druckfreien Stellen ätzend wirkte, während die von der Druckfarbe bedeckten Stellen geschützt blieben, haben sich praktisch weniger bewährt. Bessere Resultate erzielt man bei dem Vorgange, das zu reproduzierende Blatt an den unbedruckten Stellen für Farbe unempfänglich zu machen, dagegen den bedruckten frische Farbe zuzuführen, wodurch eine druckfähige Uebertragung ermöglicht wird. Hierbei werden die Drucke zunächst in Eisessig und Wasser (1 : 3) gebadet, dann gewaschen und mit dünnem Kleister überstrichen, nach dem Trocknen mit fetter Farbe leicht eintamponiert, nochmals abgewaschen und schließlich auf Stein (nur für die Steindruckpresse) oder Zink (nach entsprechender Aetzung auch in der [186] Buchdruckpresse verwendbar) umgedruckt. Die Schwierigkeit, das vielleicht wertvolle Original unbeschädigt bei diesen Manipulationen zu erhalten, hat bewirkt, daß die anastatischen Druckverfahren heute größtenteils durch die photomechanischen Reproduktionen, namentlich die Photolithographie verdrängt wurden.


Literatur: Senefelder, Alois, Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerei, München 1818; Poppe, J.F.M. v., Die Lithographie oder Steindruckerei in ihrem ganzen Umfange und in allen Manieren, Stuttgart 1833; F. Klinkhardt, Die anastatische Druckerei, Quedlinburg 1846; Kampmann, C., Die anastatischen Druckverfahren, Halle a. S. 1898.

A.W. Unger.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 186-187.
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