Azimut

[424] Azimut ist derjenige Winkel, den die Vertikalebene in einem Punkte mit der Meridianebene bildet.

Im rechtwinkligen ebenen, sphärischen oder sphäroidischen Koordinatensysteme wird die Bezeichnung auch übertragen auf diejenigen Winkel, die beliebige Richtungsebenen mit den zum Meridian des Koordinatenanfangspunktes parallelen Ebenen einschließen (s. Meridiankonvergenz). In diesem Falle werden zuweilen andre Bezeichnungen gebraucht, z.B. Richtungswinkel (preußische Landesaufnahme), Neigungswinkel (preußische Katasterverwaltung), Direktionswinkel (bayrische Landesvermessung). Die geodätischen Azimute werden stets von Nord (0°), über Ost (90°), Süd (180°) nach West (270°) gezählt (nur ausnahmsweise noch, z.B. bei der alten badischen Vermessung, beginnt die Zählung im Süden). – In gleicher Weise nennt man magnetische Azimute die Winkel, die beliebige Richtungen mit der Richtung des magnetischen Meridianes bilden. Die Azimute können als »astronomische« entweder unmittelbar gewonnen werden durch Bestimmung des Winkels zwischen der astronomisch festgelegten Meridianrichtung und der betreffenden geodätischen Richtung (Orientieren einer Dreieckseite; s. Azimutbestimmung) oder als »geodätische«, durch Uebertragung von dem Azimut einer bekannten Richtung aus mit Hilfe des von beiden Richtungen eingeschlossenen Winkels (Azimutübertragung, s.d.). – Die magnetischen Azimute werden mit Hilfe der Bussole (Kompaß) bestimmt. Näheres s. unter Azimutbestimmung.

Reinhertz.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 424.
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