CLXXII.

[300] Einem Menschen, der in der Stadt Wasit unverdienter Weise des Rufes eines ehrlichen Mannes genoß, vertraute einem seiner verreisenden Freunde einen Sack voll Dukaten als Pfand an zum Aufbewahren. Der Erste öffnete den Sack, tauschte die Goldstücke mit Silberstücken aus und nähete denselben wieder zusammen. Als er nun vom Eigenthümer vor den Richter verlangt ward, fragte dieser: Seit wie lange bewahrst du den Sack auf? – Seit fünfzehn Jahren, Herr! Der Betrug war entdeckt, denn es fanden sich unter dem Silber Stücke, die erst seit zwey oder drey Jahren geprägt worden waren.

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Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813, S. 300.
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