CXCI.

[313] Eshab war berühmt seines Geitzes wegen. Eines Tages begleitete er den Leichenzug eines seiner Nachbarn zum Grabe. Als die Bahre niedergestellt war, fiengen die Verwandten das gewöhnliche Todtengeheule und die Grabklage an. »So verläßt du uns, wehklagten sie, so steigst du hinunter in die Grube, wo weder Brod noch Wasser ist, wo kein Sofa aufgepolstert, wo kein Teppich ausgebreitet istEshab ward so gerührt von dieser Klage, daß er laut ausrief: Gott sey gelobt, der dem Menschen ein anderes Leben zubereitet, wo er weder Brod noch Wasser, noch Sofa noch Teppich nöthig haben wird.

Aber kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so drehte er sich schnell um, weil er große Furcht hatte, daß, wenn man dieselben gehört, man daraus schließen könnte, er habe Brod und Wasser und Sofa und Teppich im Hause, das nun sofort vor Dieben nicht mehr sicher wäre.

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Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813, S. 313.
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