[232] 85. Der Mond

Die Kutanaua wollten die Marinaua töten. Der Marinaua floh. Da kam der Kutanaua und brachte viele Pfeile mit und gab sie dem Marinaua, um ihn zu versöhnen. Dieser freute sich. Er nahm die Pfeile an und hing sie oben in seiner Hütte auf. Darauf unterhielten sie sich miteinander. Als sie damit fertig waren, sagte Kutanaua zu Marinaua: »Nun komm mit mir und besuche auch mein Haus. Mein Weib möchte dich sehen.« Da freute sich Marinaua. Er ergriff alle seine Pfeile und setzte sich seine Krone aus Schwanzfedern des Japu auf das Haupt. Dann gingen sie weg.

Sie traten in den Wald und zupften Nisch'po ab. Auf dem[232] ganzen Weg kaute Marinaua Nisch'po, so daß seine Zähne ganz schwarz wurden. Als er sich der Hütte des Kutanaua näherte, schämte sich Marinaua und blieb stehen. Da fragte ihn Kutanaua: »Warum bleibst du stehen?« »Aus keinem besonderen Grund,« antwortete ihm jener, »ich schäme mich vor deiner Frau; deshalb tue ich es.« »Du brauchst dich nicht zu schämen. Geh weiter, Marinaua!« Da kämmte sich Marinaua. Er holte seine Armbänder hervor und legte sie um seine Arme. Er putzte sich. Dann gingen sie weiter, Kutanaua an der Spitze.


85. Der Mond

Sie traten ein in die Hütte. Kutanaua band eine sehr große, bunte Hängematte mitten im Haus an und ließ Marinaua darauf niedersitzen. Dann befahl er seinem Weib: »Frau, hier bringe ich dir Marinaua. Gib ihm recht viel zu essen, damit er satt wird zum Platzen.« Die Frau sagte: »Ja!« Sie füllte eine sehr große Schale mit Stärkebrühe und gab sie jenem. Marinaua löffelte die Stärkebrühe aus und legte sich nieder. Darauf gab sie ihm gekochte Makaschera und gekochte Bananen; reife Bananen und geröstete Erdnüsse gab sie ihm; sie gab ihm Klöße aus Erdnüssen, gekochte Kürbisse, Kara und Inhame; sie gab ihm gerösteten Mais und Maiskuchen. So viele Speisen trug sie ihm auf. Marinaua aß von allen Speisen ein bißchen und wickelte sich ein bißchen ein, um es mitzunehmen und zu Hause zu essen. Marinauas Haare waren sehr lang.

Als sich die Sonne neigte, wollte er heimkehren, und er sprach zu Kutanaua: »Ich gehe weg, Kutanaua!« Dieser[233] antwortete: »Du kannst gehen, Marinaua!« Da sagte Marinaua: »Gut!« und stand auf. Er verabschiedete sich auch von Kutanauas Frau. Jetzt ging Marinaua voraus. Kutanaua ergriff sein mächtiges, scharf geschliffenes Waldmesser und nahm seine Pfeile. Da fragte ihn Marinaua: »Kutanaua, warum nimmst du ein so großes Waldmesser mit?« »Ich sah einen schönen Baum, den will ich auf dem Rückweg umhauen und heimtragen,« erwiderte ihm dieser. »Wozu willst du denn den Baum haben?« fragte ihn jener weiter. »Ich will mir ein Grabscheit daraus machen,« antwortete ihm Kutanaua. Dann nahm Marinaua das große Bündel mit den vielen Speisen unter den Arm, und sie machten sich auf den Weg.

Als sie sich der Hütte Marinauas näherten, schwang Kutanaua sein Waldmesser mit aller Kraft und hieb Marinaua das Haupt ab, daß es zu Boden fiel. Nur sein Körper blieb stehen; er konnte nicht mehr weiterschreiten. So stand er da und zitterte und zitterte. Da schlug ihn Kutanaua in den Rücken, und er stürzte nieder. Nun blickte ihm Kutanaua in die Augen; da zuckte er mit den Wimpern. Als Kutanaua dies sah, schnitt er einen Stock, spitzte ihn zu, spießte den Kopf darauf und pflanzte ihn mitten in den Weg. Dann ging er heim.

Nun ging ein anderer Marinaua weit auf die Jagd. Er kam den Weg daher und gelangte an diesen Ort. Mitten auf dem Weg schüttelte der Wind die langen Haare des Kopfes, und die Haare flatterten. Der Marinaua dachte, es sei ein böser Geist, und fürchtete sich. Er machte von ferne kehrt und lief den Weg zurück. Dann kehrte er wieder um. »Was mag das nur sein?« sagte er. »Ich will doch hingehen und sehen!« Er kam und erblickte zuerst den Körper. Dann lief er hin und sah den Kopf da hängen. Er blickte ihn an. Der Kopf war nicht tot; die Augen glänzten; die Wimpern zuckten; der Mund öffnete sich. Da rief der andere Marinaua: »Oh!« Er fürchtete sich vor dem Kopf und weinte. »Oh!« rief er. »Warum haben sie dich geköpft und haben[234] deinen Kopf auf eine Stange gespießt und hier in die Erde gesteckt und sind dann weggelaufen?« Aber der Kopf konnte seinem Bruder nicht antworten. Nur seine Augen blinzelten. Da sagte der andere: »Ich will gehen und es meinen Leuten sagen!« und er lief davon. Der Kopf blieb allein da hängen und weinte, und seine Tränen tropften herab.

Da kam der andere Marinaua heim und sprach: »Freunde, einer hat unserem Bruder den Kopf abgeschlagen. Ich weiß nicht, wer es war. Sie haben den Kopf auf eine Stange gespießt und mitten im Weg aufgepflanzt und sind dann weggegangen. Dort hängt nun sein Kopf; er ist nicht tot; dort hängt er. Ich habe um ihn getrauert. Lange Zeit habe ich geweint. Dann kam ich hierher.« So sagte er zu seinen Leuten. Da sagten diese: »Vorwärts! Wir wollen ihn holen!« Und sie machten sich auf.

Viele machten sich auf. Der eine ergriff einen Wurfspeer, der andere seine Pfeile, der andere eine Keule; ein anderer nahm einen Korb, ein anderer nahm noch einen Korb. Dann verließen sie die Hütte und gingen hin, laut schreiend den ganzen Weg.

Kutanaua hatte sich dort, wo er den Marinaua enthauptet hatte, versteckt und erwartete sie da. Er hörte, wie alle Marinaua laut schreiend daherkamen. Kutanaua hörte, wie sie schrien, und kletterte auf einen sehr hohen Mulattenbaum. Dort verbarg er sich gut und setzte sich nieder. Der Marinaua, der den Kopf gesehen hatte, ging an der Spitze und zeigte ihn den anderen.

Der Kopf war nicht tot; er blinzelte mit den Augen; da hing er und weinte, und seine Tränen tropften herab; sein Mund war offen, aber er konnte nicht sprechen. So hing er da, der Kopf des Marinaua. Alle seine Verwandten trauerten um ihn. Alle setzten sich bei dem Kopf nieder und weinten.

Als sie damit fertig waren, ergriff einer den Kopf; ein anderer riß die Stange aus und warf sie beiseite. Kutanaua sah sie von dem hohen Baum, aber er rührte sich nicht und[235] blieb sitzen. Die Marinaua steckten den Kopf in einen Korb und gingen zurück, schreiend den ganzen Weg. Mitten auf dem Weg durchbrach der Kopf den Korb und fiel heraus. Da nahm ihn der andere auf und tat ihn in seinen Korb, aber auch dieser Korb zerriß, und der Kopf fiel heraus. Da gingen die beiden heim, um neue Körbe zu holen, und derweil bestatteten die anderen den Leichnam. Sie gruben ein sehr tiefes Loch und beerdigten den Marinaua. Dann gingen sie weg. Die beiden anderen kamen mit neuen Körben. Abermals steckten sie den Kopf nacheinander in die beiden Körbe, aber er durchbrach beide Körbe und fiel heraus. Sie sahen nicht, daß der Kopf mit den Zähnen den Korb durchbiß. Da nahm ihn der eine auf den Rücken und ging weiter, aber der Kopf biß ihn in den Hinteren. Der Mann schrie laut und warf den Kopf schleunigst fort. Wiederum taten sie den Kopf in einen Korb, aber er fiel heraus. Da meinte ein Marnaua: »Wir sind gekommen, den Kopf zu suchen; wir haben ihn mehrmals in einen Korb gesteckt, aber jedesmal ist er herausgefallen. Wer weiß, wer ihn enthauptet hat! Vielleicht will er uns bezaubern. Wir wollen ihn nicht mehr mitnehmen!« Die anderen waren damit einverstanden. Sie ließen den Kopf am Wege liegen und gingen davon. Da sagte der Kopf: »Soll ich hinter meinen Leuten her gehen?« Und er tat es und rollte den ganzen Weg dahin. Da erblickte ihn einer von den Marinaua und rief: »Dort kommt der Kopf hinter uns her gerollt! Vielleicht will er uns bezaubern! Laßt uns laufen!« und sie liefen davon. Der Kopf aber rief: »Freunde, wartet auf mich! Ich will mit euch heimgehen!« Sie hörten es und liefen weiter. Nun kamen sie an einen angeschwollenen Bach und schwammen hinüber. Der Kopf war hinter ihnen und weinte auf dem ganzen Weg. Am anderen Ufer stand ein sehr hoher Bakupary-Baum mit reifen Früchten. Weinend machte der Kopf am Ufer halt. Da sagte ein Marinaua: »Laßt uns langsam gehen! Der Kopf kann doch nicht über den Fluß!« Aber der Kopf rollte weiter, stürzte sich in den Fluß und schwamm[236] hinüber. Da erblickte ihn ein Marinaua und rief: »Dort kommt der Kopf geschwommen!« Eilends liefen sie weiter und kletterten auf den Bakupary. Der Kopf kam aus dem Wasser auf das hohe Ufer und rollte weiter. Als er seine Leute sah, blieb er unter dem Bakupary liegen. »Freunde,« rief er, »kommt schnell herab! Ich habe euch schon gesehen.«

Die Leute aßen Bakupary-Früchte. Da bat sie der Kopf: »Freunde, gebt mir auch Bakupary!« Da riß ein Marinaua eine grüne Frucht von dem Baum und warf sie ihm zu, aber der Kopf aß sie nicht. »Ich esse sie nicht,« sagte er, »sie ist ja noch grün! Gib mir eine andere, reife!« Da pflückten sie eine reife Frucht ab und gaben sie ihm. Der Kopf ergriff die Frucht und wollte sie hinunterschlucken, aber sie fiel aus dem Loch seines Halses wieder heraus. Wiederum bat er um eine Bakupary. Da pflückte ein Marinaua eine Frucht und warf sie mitten in den Fluß. Der Kopf aber sagte: »Du hast sie ja mitten in den Fluß geworfen! Von dort hole ich sie nicht. Gib mir eine andere!« Da kam ein Marinaua auf einen anderen Gedanken. Er sprach zu seinem Gefährten: »Pflücke eine Bakupary und wirf sie weit weg!« Dieser riß eine sehr große Frucht ab und warf sie weit weg. Der Kopf rollte den ganzen Weg dahin, sie zu holen, und alle Marinaua stiegen vom Baum herab und liefen davon. Nach einer Weile blieben sie stehen und sagten: »Ob wohl der Kopf wieder hinter uns her kommen wird?«

Der Kutanaua hatte sie die ganze Zeit beobachtet und gesehen, wie sie weggingen. Da stieg er von dem Baum herab und ging heim.

Inzwischen hatte sich der Kopf die Frucht geholt. Er kam zurück und machte am Bakupary-Baum halt. Er blickte in die Höhe und sah sie nicht mehr. Da machte er sich wieder auf den Weg und rollte weiter. Seine Leute standen da und warteten. Der Kopf kam hinter ihnen her gerollt. Da erblickte ihn einer und rief: »Dort kommt der Kopf!« und[237] sie liefen weiter. Der Kopf sah sie und rief: »Freunde, wartet auf mich!« aber sie blieben nicht stehen, sondern rannten weiter. Sie liefen in ihr Haus und verschlossen es. Da sprach der Kopf zu ihnen: »Freunde, öffnet das Haus! Ich will hinein!« aber seine Leute öffneten das Haus nicht. Nun rollte der Kopf um das Haus herum und weinte. Seine Leute öffneten das Haus nicht, und der Kopf weinte und wischte seine Tränen mit seinen Haaren ab. Dann sagte er zu seinen Leuten: »Freunde, öffnet mir doch! Ich will mir nur meine Sachen holen!« Aber sie öffneten nicht, und der Kopf weinte.

Dann sagte er: »Soll ich mich verwandeln?« Und er dachte nach und sprach: »Kutanaua hat mir den Kopf abgeschlagen, so daß ich meine Leute nicht sehen kann. Nur mein Kopf kam hinter ihnen her, aber meine Leute fürchteten sich vor mir und verschlossen das Haus, so daß ich nicht eintreten und meine Sachen holen kann.« Dann rief er seinen Leuten zu: »Freunde, ihr habt euch vor mir gefürchtet und das Haus verschlossen, so daß ich nicht eindringen und meine Sachen holen kann. Ich will mich verwandeln.« Und seine Leute fragten: »Marinaua, in was willst du dich denn verwandeln?« »Ich habe darüber nachgedacht, wie ich mich verwandeln soll,« antwortete er. »Ich werde mein Blut verwandeln und ebenso meine Augen und meinen Kopf.« »Freunde,« fuhr er fort, »wenn ich mein Blut verwandele, werde ich den ›Weg der Fremden‹ (Regenbogen) machen. Ich gedenke aber auch meine Augen und meinen Kopf zu verwandeln. Was soll ich nun werden? Wollte ich Gemüse sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Makaschera sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Banane sein, und ihr pflücktet Bananen und kochtet sie, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Kara sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Inhame sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Batate sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Bohne sein, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Pflanzung sein, und ihr pflanztet Früchte auf mich, und die Früchte reiften, so könnt ihr mich essen.[238] Wollte ich Erde sein, so könnt ihr auf mir herumgehen. Wollte ich Wasser sein, so könnt ihr mich trinken. Wollte ich Fisch sein, und ihr finget Fische, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Timbo sein, und ihr risset Timbo aus und löstet ihn im Wasser auf, und ich tötete Fische, und ihr zöget sie heraus, so könnt ihr die Fische essen. Wollte ich Jagdtier sein, und ihr tötetet mich, so könnt ihr mich essen. Wollte ich Schlange sein, und ich würde über euch ärgerlich und biß euch, so könnt ihr mich töten. Wollte ich Skorpion sein, und ich biß euch, so könnt ihr mich töten. Wollte ich Baum sein, und ihr hiebet mich nieder, und ich wäre trocken, und ihr spaltetet Brennholz und kochtet Speise, so könnt ihr mich essen.

Was soll ich denn werden?

Wollte ich Fledermaus sein, und ich käme in der Dunkelheit und bisse euch, so könnt ihr mich töten.

Wollte ich Sonne sein, und ihr fröret, so kann ich euch erwärmen.

Wollte ich Regen sein, und ich regnete und füllte die Flüsse, und ihr finget Fische und eßt sie, und ich feuchtete das Gras an, und das Gras wächst, so können mich die Jagdtiere essen.

Wollte ich Kälte sein, und die Sonne brennt euch, so kann ich euch abkühlen.

Wollte ich Nacht sein, und ich dunkelte, so könnt ihr schlafen.

Wollte ich Morgen sein, und ihr schliefet im Dunkel die ganze Nacht, und es würde Morgen, und ihr erwachtet, so könnt ihr gehen.

Was soll ich also werden? Ich denke an etwas anderes. Mein Blut verwandele ich in den ›Weg der Feinde‹ (Regenbogen).

Meine Augen aber verwandele ich in Sterne.

Und mein Kopf soll Mond werden.«

Dann rief der Kopf des Marinaua seine Leute und sprach zu ihnen: »Freunde, mein Kopf wird Mond werden. Wenn[239] meine Augen Sterne sein werden und mein Blut Regenbogen, dann werden auch euere Weiber und alle Mädchen bluten.«

Alle Weiber und alle Mädchen hörten es und fürchteten sich. Dann fragten sie den Kopf: »Warum sollen wir alle bluten, Marinaua?«

Der Kopf antwortete: »Um nichts weiter! Wenn mein Kopf Mond geworden ist, und der Vollmond glänzt, dann werdet ihr bluten.«

Die Weiber hörten, was der Kopf des Marinaua zu seinen Leuten sagte.

Dann zog der Marinaua sein Blut heraus, schüttete es auf einen Teller und schleuderte es aufwärts in den Himmel. Im Himmel ergoß sich sein Blut und lief auseinander, und es bildete sich der »Weg der Fremden« (Regenbogen).

Dann riß er seine Augen aus und warf sie aufwärts, und schon verwandelten sich seine Augen in viele Sterne.

Darauf bat der Kopf seine Leute um seine beiden Garnknäuel, und sie warfen sie ihm hinaus. Er ergriff die beiden Garnknäuel und warf sie aufwärts in den Himmel. Da kam der himmlische Aasgeier geflogen, nahm die Garnknäuel in den Schnabel und flog damit aufwärts. Im Himmel befestigte der himmlische Aasgeier die Garnknäuel für den Kopf.

Nun sprach der Kopf zu seinen Leuten: »Freunde, jetzt gehe ich in den Himmel und werde Mond. Wenn ich Mond geworden bin, und es ist Vollmond, dann werden alle eure Frauen bluten.«

So sprach er zu ihnen. Dann nahm er die beiden Fäden in den Mund und sagte zu seinen Leuten: »Freunde, jetzt werde ich Mond,« und er schwebte dahin.

Da riefen seine Leute: »Laßt uns den Kopf des Marinaua sehen!« Sie öffneten das Haus, liefen hinaus und blieben auf dem Platz stehen. Sie schauten aufwärts und erblickten den Kopf, wie er hängend dahinging den ganzen Weg. Dann sahen sie den Regenbogen. Aus Marinauas Blut ist der[240] Regenbogen entstanden. Sein Blut hat er in ihn verwandelt.

Dann, als es dunkelte, sahen sie, daß sein Kopf zum Vollmond geworden war und seine Augen zu funkelnden Sternen. Nun glänzte der Vollmond, und alle Weiber bluteten, und es bluteten alle Jungfrauen. Als die Weiber bluteten, wohnten ihre Gatten ihnen bei. Dann schwieg das Blut, und die Weiber wurden schwanger.

Sie sahen den Kopf des Marinaua als Vollmond und sagten: »Siehe da diesen Vollmond!« Und einer sprach: »Marinauas Kopf ist Mond geworden. Da glänzt er! Diesen Vollmond, diese Sterne, diesen Regenbogen hat er selbst verwandelt. Dieser Regenbogen ist sein Blut; diese Sterne sind seine Augen; dieser Vollmond ist sein Kopf!«

So sprachen sie, als Marinauas Kopf sich in den Mond verwandelte.

Marinaua wurde von Kutanaua enthauptet, und sein Kopf verwandelte sich in den Mond.

Soweit erinnere ich mich der Geschichte von Marinaua, der von Kutanaua enthauptet wurde. Mehr gibt es nicht.

Quelle:
Koch-Grünberg, Theodor (Hg.): Indianermärchen aus Südamerika. Jena: Eugen Diederichs, 1927, S. 232-241.
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