[95] Die Mutter schickt Tribuet mit einem Maß Korn in die Mühle: »Du mußt dem Müller sagen, das sei genug Roggen; es soll ein Quart Mehl geben.« Tribuet mißtraut seinem Gedächtnis und den ganzen Weg wiederholt er halblaut: »Es soll ein Quart Mehl geben.« Ein Sämann redet ihn an, aber er will sich nicht zerstreuen lassen und sagt mit lauter Stimme: »Es soll ein Quart Mehl geben.« »Was, du Lump? Es soll ein Quart Mehl geben? Ein Feld wie dieses hier? Warte, warte nur ein wenig!« Und der Mann stürzt sich mit aufgekrämpelten Ärmeln aus Tribuet, der in Tränen aufgelöst wieder zu seiner Mutter kommt. »Nun, hast du gemahlen?« »Nein, ich habe nicht gemahlen, aber ich bin tüchtig geprügelt worden!« »Was hast du denn gesagt, was hast du denn gesagt?« Und Tribuet erzählt sein Abenteuer. »Dummkopf, hättest sagen sollen: ›Wagenvoll soll man sie fortschaffen!‹ Marsch, zurück zur Mühle!« Tribuet nimmt seinen Sack und macht sich wieder auf den Weg. Er begegnet einem Leichenzug. »Wagenvoll soll man sie fortschaffen!« sagt er getreu den Ratschlägen seiner Mutter. »Was? Was sagt er da?« Und man schlägt ihn krumm und lahm. Rückkehr zur Mutter wie zuvor. »Unglückseliger, hättest sagen sollen: ›Gott sei seiner armen Seele gnädig!‹« Warum traf auch Tribuet auf seiner dritten Reise auf einen Schinder, der den Kadaver eines alten Gaules eingrub! »Gott sei seiner armen Seele gnädig!« rief er zerknirscht. Und wieder einmal überhäuft man diesen üblen Witzbold mit Prügeln. Neue Erzählung daheim, neue Lehren: »Hättest sagen sollen: ›Pfui, das Aas!‹« Er geht wieder, der[95] Ärmste, und gerät mitten in eine Hochzeitsgesellschaft. »Pfui, das Aas!« Ihr könnt euch die Wut der Hochzeitsgäste denken und auch das, was dem unglücklichen Tribuet passierte. »Mein armer Junge, hättest sagen müssen: ›Möge es allen so gehen!‹« Das wäre wirklich auf einer Hochzeit passend gewesen, nicht aber bei einer Feuersbrunst. Ach! Tribuet hatte keine andere Gelegenheit, diese Worte anzubringen, als angesichts eines in Flammen stehenden Hauses: »Möge es allen so gehen!« rief er. Die Spritzenleute verließen ihr Geschäft und schlugen Tribuet zu Boden. »Unseliges Kind,« sagte die Mutter verzweifelt, »warum hast du auch nicht gesagt: ›Gott lösche es!‹« Tribuet beugte den Rücken tiefer unter seinem Sack und machte sich wieder auf den Weg zur Mühle. Er ging an der Werkstatt eines Schmiedes vorüber, welcher wütend seinen Blasebalg zog, und sein Feuer begann allmählich sich zu entzünden. Tribuet erhob ein wenig den Kopf unter seiner Bürde, stellte sich breit vor die Schmiedeesse und sagte als Gruß: »Gott lösche es!« Meiner Treu! Das war das Ende von Tribuets Untaten. Der Schmied ergriff eine Eisenstange und schlug ihn mausetot.