S'esclau que fogi.

Der Sklave, der entfloh.

(San Llorens.)

[256] Ein Maure hatte einen mallorquischen Sklaven aus dieser Ortschaft und eines Tages schickte er ihn aus, um Holz zu fällen; als es Abend wurde, kam der Sklave nicht zurück und es wurde später und er kam auch nicht.

Es sagte der Herr:

– Er wird mir gewiss entflohen sein, und am folgenden Morgen ging er dahin, wo er ihn hingeschickt hatte, und er fand ihn noch Holz fällen und sagte zu ihm:

– Warum hast du so viel gefällt?

[257] Er erwiderte:

– Ich wollte Alles fällen und dann müsste ich nicht hierher zurückkehren.

Der Herr hiess ihn nach Hause gehen und am andern Tage schickte er ihn zum Wasser holen und er kam ebenfalls nicht zurück.

Der Herr sagte:

– Er muss etwas angestellt haben.

Er ging ihn zu suchen und er fand ihn, wie er eine Rinne rings um den Brunnen grub und frug ihn, was er mache.

Der Sklave erwiderte:

– Ich wollte den Brunnen mit der Wurzel bringen, so müssten wir nicht hierher zurückkehren, um Wasser zu holen.

[258] Der Herr hiess ihn die Rinne anfüllen und nach Hause gehen.

Nach einigen Tagen entschloss sich der Sklave zu entfliehen, er nahm einen Käselaib mit und entfloh.

Bald bemerkte der Herr, dass er ihm entflohen war und ging ihm nach, um zu sehen, ob er ihn noch erreichen könne.

Nach kurzer Zeit fand er ihn auf einem Hügel und sagte zu ihm:

– Bleib stehen, bleib stehen oder du wirst es theuer bezahlen.

Der Sklave erwiderte ihm:

– Schau, wenn du dich näherst, werde ich aus deinem Kopf so viele Stücke machen, wie aus diesem Stein.

Und er warf den Käselaib auf einen Felsen und er zerfiel in tausend Stücke. [259] Der Herr dachte, dass es ein Stein sei, den er zerbröckelt hatte und sagte sich:

– Dieser Sklave hat viele Kraft, nun er fällte mir fast den ganzen Strandkiefernwald, als ich ihn zum Holzfällen schickte und er wollte mir den Brunnen mit den Wurzeln ausheben; ich will mich nicht nähern.

Er hatte Furcht sich zu nähern, der Sklave entfloh und fand am Meeresstrand ein Boot, dem er ein Zeichen machte, er schiffte sich ein und kehrte nach Mallorca zurück.

Quelle:
Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca. Würzburg, Leipzig: Verlag der Kaiserlichen und Königlichen Hofbuchhandlung von Leo Woerl, 1896, S. 256-260.
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