Rohrpost

Rohrposteinrichtungen.

Die Hauptbestandteile einer größern Stadtrohrpost sind: die aus Kessel- und Maschinenhaus bestehende Maschinenstation, das Rohrnetz und die Rohrpostapparate bei den Verkehrsanstalten.

1. Schematische Darstellung eines Ausschnitts aus dem Berliner Rohrpostnetz.
1. Schematische Darstellung eines Ausschnitts aus dem Berliner Rohrpostnetz.

Der Zusammenhang dieser Teile bei der Berliner Rohrpost ist aus der schematischen Darstellung (Fig. 1) ersichtlich. In der Maschinenstation wird der Dampf in üblicher Weise erzeugt. Die mit Hoch- und Niederdruckzylinder arbeitende Dampfmaschine und die aus einem Luftverdünnungs-(Vakuum-) und einem Luftverdichtungs-(Kompressions-) Zylinder bestehende Pumpe sind zu einem ›Luftpumpmaschine‹ genannten Ganzen verbunden. Um das in der verdichteten Luft enthaltene Wasser niederzuschlagen, strömt diese durch zahlreiche, in einem Eisenblechzylinder befindliche Kupferrohre, deren äußere Wandungen dauernd mit Wasser gekühlt werden. Von der Maschinenstation führen gußeiserne Zuführungsrohre für verdichtete Luft (Druckrohrleitungen) und solche für verdünnte Luft (Saugrohrleitungen) nach der Verkehrszentrale u. sonst geeigneten Verkehrsanstalten, die dadurch Kraftquellen erhalten. Die zur Beförderung der Sendungen dienenden Fahrrohre bestehen aus patentgeschweißtem Schmiedeeisen. Die gerollten Sendungen werden in eine aus einer Aluminium- und einer Lederhülse bestehenden Büchse gesteckt; mehrere hintereinander in das Fahrrohr geschobene Büchsen bilden einen Rohrpostzug, dessen Schluß ein Treiber bildet. Der Treiber besteht aus einem lederüberzogenen Holzzylinder, an dem eine scheibenförmige, schräg eingeschnittene Ledermanschette sitzt, die den Treiber luftdicht gegen die Rohrwand abschließt. Die Luftzuführungs- und die Fahrrohre münden teils unmittelbar, teils unter Zwischenschaltung von Hähnen in die Rohrpostapparate, die sowohl zum Absenden als auch zum Empfangen der Büchsen dienen. Es sind drei Arten von Apparaten im Gebrauch.

1) Der Endapparat mit Luftwechselhahn (Fig. 2).

2. Rohrpostapparat. Endapparat mit Luftwechselhahn.
2. Rohrpostapparat. Endapparat mit Luftwechselhahn.

Das Laufrohr D mündet in die Kammer A, deren mit einer Gummiliderung versehene Tür B durch den Druckhebel C luftdicht abgeschlossen werden kann. Durch den Luftwechselhahn F kann die Kammer A mit dem Druckrohr O oder dem Saugrohr P verbunden werden, er wird durch das mit einem Zeiger versehene Handrad G in die auf dem Messingschilde der Tischplatte N ersichtlich gemachten Stellungen gebracht. Steht der Zeiger des Rades 1) auf ›Zu‹, so ist A von O und Pabgeschlossen, 2) auf ›Luftleere‹, so ist A mit P, und 3) auf ›Druck‹, so ist A mit O verbunden. In A mündet auch das durch den Lufthahn I abgeschlossene kurze Luftrohr K, das mit der Außenluft in Verbindung steht. Am Manometer M kann der in A herrschende Luftdruck abgelesen werden. Um einen Zug vom Rohrpostamt X (s. Fig. 1) nach Amt Y mit Druckluft abzulassen, sind bei X die Hähne F und I zu schließen, A zu öffnen, die Büchsen nebst Treiber in D zu verladen, A zu schließen, dem Empfangsamt Y der Zugabgang telegraphisch durch festgesetzte Zeichen zu melden und F auf ›Druck‹ zu stellen. Hat Y den Zugeingang gemeldet, so wird bei X der Hahn F auf ›Zu‹ gestellt, I geöffnet und, sobald M das Verschwinden der Druckluft anzeigt, wieder geschlossen. Will nun Y nach X einen Zug mit Saugluft senden, so wird F in X auf ›Luftleere‹ gestellt und dies nach Y gemeldet. Ist der Zug von Y bei X in A eingelaufen, so wird F geschlossen, I geöffnet, M beobachtet, ob die verdünnte Luft verschwunden ist, B geöffnet, das Ankunftszeichen nach Y gegeben, der Zug herausgenommen und F geschlossen.

3. Zwischenapparat.
3. Zwischenapparat.

2. Der Apparat für Zwischenämter (Zwischenapparat), Fig. 3. In die Kammer A münden die Laufrohre D und E. Der Druckhebel C verschließt die Tür B. Der Hebel H sitzt an einer in der Säule G befindlichen Achse, deren Kegelrad in ein am Absperrhahn F befindliches Kegelrad eingreift. Durch Drehen von H werden dem Absperrhahn F drei Stellungen erteilt: 1) ›Empfang‹, d.h. D ist offen, so daß ein Zug aus D nach A gelangen kann, ebenso ist das Öffnungsrohr L, das in die Außenluft mündet, offen; 2) ›Zu‹, d.h. D und L sind geschlossen; 3) ›Durchgang‹, d.h. D ist offen und L ist geschlossen. I und K haben denselben Zweck wie beim Endapparat mit Luftwechselhahn. Soll der vom Amt X mit Druckluft abgelassene Zug beim Amt Y mittels Zwischenapparats empfangen werden, so steht in Y der Hahn F auf ›Empfang‹, A und I sind geschlossen. Ist der Zug aus Rohr D eingelaufen, so wird F geschlossen, A geöffnet und der Zug herausgenommen. Soll ein Zug vom Amt Y durch Rohr E nach einem dritten Amt Z, wo sich ein Endapparat ohne Luftwechselhahn, also keine Kraftquelle befindet, abgelassen werden, so sind folgende Hantierungen in Y erforderlich: Zug in das Rohr E verladen, B schließen, F auf ›Durchgang‹, nach Eingang der Meldung von Z, daß der Zug in Z angekommen ist, in Y der Hahn F auf ›Empfang‹ I, öffnen, M beobachten, ob Druckluft verschwunden ist, dann, um einen von Z mit Saugluft abzusendenden Zug in Y zu empfangen, da unterdes beim Amt X der Luftwechselhahn auf ›Luftleere‹ gestellt ist, in Y der Hahn F auf ›Durchgang‹, I schließen, nach Eingang des Zuges F auf ›Zu‹, I öffnen, B öffnen und den Zug herausnehmen. Zur Weiterbeförderung des Zuges von Y nach X mit Saugluft wird in Y der Hahn I geschlossen, Zug in Rohr D verladen, B geschlossen, F auf ›Durchgang‹, nach kurzer Pause F auf ›Empfang‹. Nunmehr kann wieder ein Zug mit Druckluft von X nach Y abgehen.

3. Der Endapparat ohne Luftwechselhahn ist im Prinzip wie ein Zwischenapparat eingerichtet, dem das zweite Laufrohr E fehlt. Steht beim Amt Z ein solcher Endapparat, so wird der Zug ebenso mit Druckluft empfangen wie in Y mit dem Zwischenapparat; ferner ebenso in Z wie in Y mit Saugluft abgesandt, so daß der Endapparat am Schlusse der Hantierungen wieder zum Empfang mit Druckluft bereit steht. An den neuesten Endapparaten ist L, I und K in Fortfall gekommen und dafür ein besonderes, in die Außenluft mündendes Luftrohr an derjenigen Stelle in die Kammer A gesetzt, wo beim Zwischenapparat das zweite Laufrohr E einmündet.

In den Fahrrohren der amerikanischen Batcheller-Rohrpost kreist ein ununterbrochener Druckluftstrom. Die 6 kg schweren, 18,1 cm starken und 61 cm langen Büchsen (carriers) bestehen aus Stahlzylindern mit umgelegten baumwollenen Dichtungsringen. Der Sender besteht aus zwei in einem beweglichen Gestell befestigten Rohrstücken, von denen das eine in das Fahrrohr eingeschaltet wird, während das andre beschickt wird. Der Zwischenstellenapparat in Form eines großen Rades wird durch die für die Zwischenstelle bestimmten Büchsen mit Hilfe elektrischer Auslösungen, die durch Metallstäbe an den Büchsen betätigt werden, nur um 45° gedreht, so daß die Büchsen durch ein Schubventil in die Empfangskammer gleiten; weitergehende Büchsen bewirken eine Drehung des Rades um 90°, so daß sie wieder in das weitergehende Hauptrohr gelangen. Am Endpunkt gleiten die Büchsen durch eine sich selbsttätig wieder schließende Falltür auf den Empfangstisch. Sämtliche Bewegungen erfolgen automatisch. Die 5,6 km lange Linie zwischen dem Hauptpostamt in New York u. dem Bahnhofspostamt H mit drei Zwischenstationen wird in 7,5 Minuten durchfahren. Auf die Einrichtungen dieser Rohrpost sind zahlreiche, auch deutsche Patente erteilt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909.
Lizenz:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Meyer, Conrad Ferdinand

Gedichte. Ausgabe 1892

Gedichte. Ausgabe 1892

Während seine Prosa längst eigenständig ist, findet C.F. Meyers lyrisches Werk erst mit dieser späten Ausgabe zu seinem eigentümlichen Stil, der den deutschen Symbolismus einleitet.

200 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon