Spinnereimaschinen

Spinnereimaschinen I.

Von in der Spinnerei benutzten Öffnern unterscheidet man Schlag- und Reißwölfe, je nachdem die Auflockerungsorgane schlagend oder reißend wirken. Erstere hatten ursprünglich die in Fig. 1. skizzierte Einrichtung.

1. Schlagwolf.
1. Schlagwolf.

Auf zwei Wellen a, a befinden sich sechs Reihen von je sechs Stäben, die mit den Wellen in der Pfeilrichtung sich mit 500–600 Umdrehungen in der Minute drehen, die durch das Tuch c zugeführte Wolle von dem Walzenpaar d, d empfangen, durcheinander schlagen und aus h herauswerfen, während die Schmutzteile durch die Roste g, f und f, e fliegen. Aus dieser nur noch zum Auflockern der Wolle benutzten Ausführung sind die zwei in der Baumwollspinnerei allgemein üblichen Formen Fig. 2 u. 3 hervorgegangen.

2. Baumwollsaugöffner.
2. Baumwollsaugöffner.

Fig. 2 zeigt den Baumwollsaugöffner mit Nasen als Schlagwerkzeugen. Er besteht dem Wesen nach aus zwei Trommeln b, d mit Schlagnasen, drei Rosten c, e, f, zwei Siebtrommeln g, h und dem Ventilator k. Die von dem Zufuhrtuch z zugeführte Baumwolle gelangt durch die Speisewalze a in die Maschine, wird durch b und d (mit 1000 Umdrehungen) aufgelockert und gegen die sich langsam drehenden, mit Sieben bezogenen Trommeln (Siebtrommeln) g, h geschleudert. Dazu dient der Ventilator k, der mittels Seitenkanälen r, r, r mit den Trommeln in Verbindung steht und sie aussaugt, wodurch die aufgelockerte Baumwolle an deren Oberfläche getrieben wird. Der grobe Staub fällt durch die Roste, der feine tritt in das Innere der Siebtrommeln und wird durch den Ventilator abgeführt. Die Baumwolle sammelt sich auf der Oberfläche der Trommeln g und h, tritt bei m n als Watte heraus und wird durch das endlose Tuch o abgeführt.

3. Konischer Willow.
3. Konischer Willow.

Die zweite Ausführung ist der konische Willow (Fig. 3). Auf der vertikalen Achse a a, die in einer Minute 1000–1200 Umdrehungen macht, befinden sich 6–8 runde Blechscheiben 1–6, mit einer Anzahl von Stäben c versehen, welche die durch den Kanal A zugeführte Baumwolle fassen und gegen den konischen, siebartig durchbrochenen Korb o o schleudern, durch den der grobe Staub in die Kammern K, K gelangt. Der feinere Staub wird durch die Siebtrommel E mit Ventilator G und Kanal H zum Staubturm gejagt. Die langsam sich drehende Siebtrommel befördert die Baumwolle durch D auf das Tuch ohne Ende F, das sie, im hohen Grad gelockert, aus der Maschine auswirft.

4. Reißwolf.
4. Reißwolf.

Der Reißwolf (in besonderer Ausführung Klettenwolf, Fig. 4) besteht der Hauptsache nach aus einer großen, sich drehenden Trommel a, deren Oberfläche mit 5 cm langen radialen Zähnen besetzt ist, welche die auf das Zuführtuch z gelegte Wolle aus dem durch Verteilungswalze u, Speisewalze m und Klaviatur o gebildeten Speiseapparat herausreißen, zerteilen und bei q aus dem Gehäuse werfen, während der Schmutz durch den Rost p in den Raum k fällt.

In der Streichgarnspinnerei benutzt man den Spiral-Reiß- und Klopfwolf von Schimmel (Fig. 5). A ist das Einlaßtuch, B der Reißwolf mit Zähnen auf schraubenförmig verlaufenden Schienen, C der Klopfwolf, aus einer Welle mit zahlreichen Schlagstäben bestehend. Die bei A eingeführte Wolle passiert A, B und C, wird aus D ausgeworfen, während der Staub durch ein in der Maschine liegendes Drahtsieb fällt.

5. Spiral-Reiß- und Klopfwolf.
5. Spiral-Reiß- und Klopfwolf.

In der Baumwollspinnerei folgt zur weitern Reinigung und Auflockerung die Schlagmaschine (Batteur, Flackmaschine).

6. Doppelte Schlagmaschine.
6. Doppelte Schlagmaschine.

Fig. 6 zeigt eine doppelte Schlagmaschine mit Schlagvorrichtungen, die sich in den Kasten c und e befinden und aus einer Welle bestehen, an der mittels Armen zwei Lineale (Schläger) t, t befestigt sind, die sich mit etwa 1500 Umdrehungen in der Minute drehen. Die Baumwolle wird auf das Tuch ohne Ende a gelegt und von diesem einen Walzenpaar (Speisewalzen) b übergeben, an dem die Schläger sehr nahe vorbeifliegen, wobei auf etwa 1 mm des vorgeschobenen Materials ein Schlag kommt. Der bei diesem Schlagen frei werdende Staub fliegt zum Teil durch den Rost r, zum Teil durch die Siebtrommeln d, d mit Ventilator k, während die Baumwolle erst zwischen den Siebtrommeln gesammelt und dann von dieser den Speisewalzen e1 zugeschoben wird, um in e noch einmal geschlagen und durch Rost s und die Siebtrommeln f, f mit Ventilator m gereinigt zu werden. Aus f, f gelangt sie zu den Preßwalzen g und endlich auf eine durch i, i gedrehte Walze h zum Aufwickeln zu einem Wickel. Man benutzt gewöhnlich zwei doppelte Schlagmaschinen hintereinander, indem man mehrere Wickel (1, 2, 3) der ersten Schlagmaschine auf das Speisetuch a der zweiten sogen. Wattenmaschine legt.

Viele Baumwollspinnereien schließen an die Schlagmaschine die Expreßkarde (Fig. 7) an, die statt der Schlagflügel zwei mit Zähnen versehene Trommeln d und e besitzt, welche die von den Wickeln b, b kommende, durch das endlose Tuch a zugeführte Baumwolle kräftig auflockern. Die Roste liegen bei f1; f2, f3 und f4; g, h sind Siebtrommeln, k Preßwalzen, l, m, m Wickelwalzen und v der Ventilator, der aus g und h die Luft sowie den Staub aussaugt und letztern durch den Kanal p in den Staubturm treibt.

7. Expreßkarde.
7. Expreßkarde.

Die weitestgehende Isolierung und gleichmäßige Verteilung der Fasern erfolgt unter gleichzeitiger Vereinigung zu einem langen Bande durch das Kratzen auf Maschinen, bei denen äußerst zahlreiche nadelartige Zähnchen (Kratzenzähnchen) in Leder oder Ledertuch sitzen (Beschlag, Kratzenbeschlag, Fig. 8) und die Auflockerung bewirken. Zur Verdeutlichung dieses Vorganges dienen Fig. 8 u. 9, die Beschlagstücke in zwei verschiedenen Stellungen der Zähnchen zeigen. Denktman sich zwischen den Zähnen in b b (Fig. 8) Fasern und werden die Zähne a a nach rechts bewegt, so erfolgt nur ein Aufrollen des Materials zwischen den Kratzflächen; bewegt sich aber a a nach links, so findet ein Vorgang wie beim Kämmen, d.h. ein Kratzen, statt, das in seiner Wirkung noch vermehrt wird, wenn sich zugleich b b nach rechts bewegt.

8. u. 9. Kratzenbeschlag.
8. u. 9. Kratzenbeschlag.

Geht in Fig. 9 b b nach rechts, so spießen die Zähne die Wolle von a a auf, während bei der umgekehrten Bewegung, oder wenn a a sich nach rechts begibt, die Fasern in a a hängen bleiben. Bei dieser Häkchenstellung kann man also, je nach der Wahl der relativen Bewegungsrichtung, die Fasern beliebig von einem Beschlag in den andern überführen (Abnehmen, Wenden). Zur Betätigung dieser Werkzeuge ist nun ein System stets auf einer großen zylindrischen Trommel (Tambour) von etwa 1 m Durchmesser angebracht, während das zweite System entweder auf Latten sitzt, welche die Trommel konzentrisch umgeben und die Deckel (Deckelkarde) bilden, oder auf passend gelagerten kleinern Walzen (Igel) angebracht ist (Walzenkarde).

10. Deckelkarde.
10. Deckelkarde.

Die Einrichtung einer Deckelkarde mit festen Deckeln zeigt Fig. 10. Der von der Schlagmaschine kommende Wickel wird bei a eingelegt, durch die sich drehende Walze b allmählich wieder abgewickelt und über die Platte c den Speisewalzen e übergeben, aus denen er von der Vorwalze f herausgezogen und an die große Trommel T abgeliefert wird. Diese dreht sich 100–160mal in der Minute und kratzt das Material mit Hilfe der Deckel d, d, wobei es zugleich in ein äußerst zartes Vlies verwandelt und vermittelst der mit Kratzenbeschlag garnierten Trommel K von der Trommel T abgenommen wird (Abnehmer, Kammtrommel). Zur Entfernung des Vlieses aus dieser Trommel K dient ein Kamm k (Hacker), der, durch eine schnell umlaufende Kurbel m auf und ab bewegt, das Vlies aushackt. Da letzteres sehr zart ist, so zieht man es bei n seitwärts zusammen und leitet es durch einen Trichter t, in dem es die Gestalt eines Bandes erhält, das zwischen den Walzen q noch zusammengepreßt, durch den Kopf u in den Topf p geleitet wird, in dem es sich in Spiralen ablagert, die durch einen in u angebrachten Drehapparat gebildet werden.

11. Karde mit Wanderdeckeln.
11. Karde mit Wanderdeckeln.

Da das Putzen der festen Deckel auch dann sehr umständlich und zeitraubend ist, wenn mit der Karde Selbstputzer verbunden sind, so benutzt man sehr allgemein Wanderdeckel (Fig. 11), bei denen die Deckel d, d an endlosen Ketten a, b, c befestigt sind, die, über Walzen geführt, in der Pfeilrichtung bewegt werden und die Deckel in konzentrischen Nuten über die große Trommel T hinwegziehen. Da der Deckelbeschlag auf dem Rückweg a b c nach oben gekehrt ist, kann das Putzen sehr leicht und ununterbrochen durch einen Kamm k und eine Walzenbürste B stattfinden. S ist eine Schmirgelwalze zum Schleifen der Kratzen. Die Kratze mit Wanderdeckeln, die im übrigen der gewöhnlichen Deckelkarde gleicht, ist in der Baumwollspinnerei sehr in Aufnahme gekommen.

12. Häkchenstellung der Walzenkarde.
12. Häkchenstellung der Walzenkarde.

Die Konstruktion der Walzenkarden (Igelkrempel), deren Häkchenstellung neben der Haupttrommel a Fig. 12 zeigt, wo b Arbeiter und c Wender heißen, geht aus Fig. 13 hervor. Um die große Trommel T liegen die Arbeiter a und dazwischen die kleinern Wender w, n, die fortwährend die in a sitzen bleibende Baumwolle von a auf T übertragen (wenden), um die Wirkung zu erhöhen. Das Material wird durch die Walze z zugeführt, von dem Zufuhrapparat b c auf die Vorwalze d und von dieser auf die Trommel T gebracht, sodann durch die Walzen 1 (Peigneur), 2, 3 gleichmäßiger verteilt, zwischen T und a gekratzt, um endlich auf die Kammwalze K mit Hacker k und auf die Wickelwalze q zu gelangen, oder durch einen Trichter die Bandform zu gewinnen. Die Drehung der Arbeiter erfolgt durch eine endlose, durch das Gewicht g gespannte Kette s von der Scheibe 7, die Drehung der Wender w, n sowie der Walzen d, 1, 2 und 3 durch Riemen r, t, u und Riemenscheiben 5 auf der Achse 4 und 12 auf der Achse B von der großen Trommelwelle A aus. Von 7 wird zugleich die Bewegung durch die Kegelräder 8, 9, 10 auf c und weiter auf z übertragen.

13. Walzenkarde (Seitenansicht).
13. Walzenkarde (Seitenansicht).

In der Streichgarnspinnerei wird das von der Kratzentrommel abgenommene Vlies in der Längenrichtung durch einen Florteiler in eine größere Anzahl schmaler Bänder geteilt, die sofort in einem Würgelzeug in Vorgarn übergeführt werden. Gewöhnlich besteht ein solcher Florteiler (Fig. 14) aus einer Anzahl (z.B. 120) Riemchen ohne Ende, die abwechselnd um die Walzen a und b sowie o, q, t und r, p, m laufen, das durch den Hacker K von der Kammwalze T genommene Vlies c bei f, f in 120 Bänder zerlegen und diese durch A und B sowie Führer 1 auf Spulen leiten, die in vier Reihen C, D, E, F angeordnet sind.

14. Florteiler.
14. Florteiler.

Die Würgelzeuge A und B bestehen aus zwei kurzen Riemen ohne Ende, die sich nicht nur in der Richtung des Pfeiles zum Transport der Bänder drehen, sondern auch in der Richtung der Walzenachsen sehr schnell hin und her schwingen und die Bänder kräftig rollen (Würgeln, Nitscheln).

15. Kämmaschine von Offermann.
15. Kämmaschine von Offermann.

Die Kämmaschinen werden in der Regel nach dem System Lister oder Heilmann gebaut. Bei ersterm besteht das kämmende Werkzeug aus einem sich drehenden wagerechten Ring (Ringkamm) mit aufrechtstehenden Kammspitzen, durch welche die von oben eingeschlagenen Fasern hindurchgezogen werden, während bei dem System Heilmann die Kammzähne auf der Oberfläche einer sich drehenden Walze befinden (Walzenkamm). Weil die letztere Anordnung ihrer weitgehenden Wirkungsweise wegen die größte Verbreitung gefunden hat, so mag hier die Beschreibung derselben nach einer neuen Ausführung von Offermann (Fig. 15) genügen. Die auf einer Vorkratze in ein Band verwandelte Kammwolle befindet sich auf dem Wickel A und gelangt durch ein Walzenpaar B zu dem zangenartigen Speiseapparat p q, der infolge einer eigentümlichen Bewegung das Band dem mit Kammzähnen besetzten Kammzylinder a darbietet, der dasselbe mit Hilfe eines sich mittlerweile senkenden Vorstechkammes d kämmt. Eine Bürste e bürstet die Kämmlinge aus der Kammwalze a aus und übergibt sie der Walze f, der sie durch den Hacker g entnommen werden, so daß sie als zusammenhängendes Band die Maschine verlassen. Während sich zu dem genannten Zweck a und e nach f senken, wird der bei q aus dem Speiseapparat hängende Wollbart frei und von der heranrückenden Zange z gefaßt, abgerissen, darauf mit dem abgerissenen Ende dem Kammzylinder a dargeboten und gekämmt. Dann geht die Zange z zurück, das Walzenpaar C zieht den Kammzug aus der Zange und legt ihn an den vorhergehenden an, so daß bei D die Kammzüge als zusammenhängendes Band aus der Maschine heraustreten.

Das Streckwerk zum Strecken und Duplieren der Baumwollbänder (Tafel II, Fig. 16) besitzt mehrere, sehr oft vier, nahe zusammenliegende Walzenpaare 1, 2, 3, 4, welche die Bänder A dadurch verlängern, daß sie der Reihe nach von 4 nach 1 größere Drehgeschwindigkeiten, z.B. auf das Sechsfache gesteigert, erhalten. Die Oberwalzen sind mit Leder überzogen und werden durch Gewichte q, q auf die geriffelten Unterwalzen gepreßt. Die (z.B. 6) gestreckten und vereinigten Bänder laufen als ein Band A durch eine Platte h, die Walzen c und den drehenden Kopf T in die Kanne D D, die sich durch eine Schnecke s mit Schneckenrad r um ihre Achse dreht, um dem Bande die Spirallage zu geben (Drehkanne). Wegen der Gleichmäßigkeit des Bandes muß die Strecke sofort stillstehen, sobald ein Band reißt. Dazu dienen der Hebel z y x und die Platte h (Bandwächter), über die das Band hinwegzieht. Sowie das Band reißt, fällt x oder g gegen einen Zahn des Rades a, bringt dieses zum Stillstand und stellt durch einen Zwischenmechanismus die Strecke sofort still.


Spinnereimaschinen II.

Die in Fig. 17 skizzierte Anlegemaschine (Durchzug), die hauptsächlich in der Flachs-, Werg- und Jutespinnerei zum Strecken dient, besteht der Hauptsache nach aus zwei Walzenpaaren bei C u. A mit einem, dazwischenliegenden Hechelapparat E (Nadelstabstrecke).

16. Streckwerk.
16. Streckwerk.

Das Einziehwalzenpaar C, dessen Oberwalze o durch ein Gewicht q mit 150 kg auf die untere Walze gepreßt wird, empfängt die auf einem Zuführtuch regelmäßig ausgebreiteten Risten über die Platte b, um sie den bei E sichtbaren, in der Pfeilrichtung bewegten Hechelstäben zu übergeben, die sie dem Streckwalzenpaar A zutragen, dessen Oberwalze o mit 550 kg durch das Gewicht q belastet ist.

17. Anlegemaschine.
17. Anlegemaschine.

Da die Streckwalzen A sich schneller drehen als C, so wird der Flachs nicht nur gestreckt, sondern auch fortgesetzt gehechelt und zu einem Band vereinigt, das über die sogen. Bandplatte B durch das Abzugswalzenpaar F in eine Kanne geleitet wird. Zu bemerken ist noch, daß die Schaber n und m die Oberwalzen, eine rauhe Walze mit Drehbürste die untere Streckwalze von Fasern frei halten, daß ein Gewicht p die untere Abzugswalze nachgiebig in der Schwebe hält, und daß die Hechelstäbe ihre obere Vorwärts- und untere Rückwärtsbewegung durch Schrauben erhalten (Schraubenstrecke).

18. Igelstrecke.
18. Igelstrecke.

Die Konstruktion einer Igelstrecke ergibt sich aus Fig. 18. Zwischen den verstellbaren Streckwalzenpaaren A und B ist eine mit Stacheln besetzte Igelwalze angebracht. Die Faserbänder treten aus Kanne D über die Schiene a in die Strecke, werden von E zurückgehalten, um die Fasern gerade zu ziehen, im Trichter t vereinigt u. durch das Walzenpaar C in die Kanne D' geliefert. In der Regel ist diese in der Kammgarnspinnerei gebräuchliche Igelstrecke zwischen B und noch mit einem Würgelzeug versehen.

19. Flyer.
19. Flyer.

Das Wesen eines Flyers zeigt Fig. 19. Von den Spulen a, a läuft das Vorgarn in das Streckwerk b, von hier zu den Spindeln c, c, mit den Flügeln d, d, die durch die am Fuß angebrachten Kegelräder k in Umdrehung versetzt werden und dadurch dem Garn Draht geben.

20. Waterspinnmaschine für Baumwolle.
20. Waterspinnmaschine für Baumwolle.

Indem das Garn zugleich durch den hohlen Flügelarm d und den Finger f auf die Spule e geleitet und letztere um die Spindel vermittelst schiefer Kegelräder i, i gedreht wird, wickelt es sich auf die Spule, die aus einem aus Holz oder Papier hergestellten Rohr besteht und behufs regelmäßiger Bewickelung mit der Spulenbank (Wagen) g innerhalb der Flügel durch Eingreifen eines drehenden Zahnrades in eine an g sitzende Zahnstange auf und ab steigt, bis sie gefüllt ist, um nach Abheben des Flügels von der Spindel abgezogen und der nächstfolgenden Maschine übergeben zu werden. Ein sehr sinnreicher, aber komplizierter Mechanismus mit Differentialräderwerk (Differentialflyer) regelt die Aufwickelbewegung, die sich nach jeder Garnschicht ändern muß.

Die Waterspinnmaschine (Watermaschine, Fig. 20) wird immer doppelt gebaut, d.h. es ist an derselben ein Träger (Aufsteckrahmen) für zwei Reihen mit Vorgarn gefüllter Spulen a, a, zwei Reihen Streckwerke b, b und Spindeln mit Flügeln und Spulen vorhanden. Das Garn geht von a nach b, sodann gestreckt durch ein Führungsauge n nach dem Flügel c und von diesem gedreht auf die Spule zwischen dem Flügel zum Aufwickeln. Die 120 Spindeln werden von den mit den Wellen g, g sich drehenden Trommeln x, x vermittelst Schnüre s, s und Wirtel t, t 3600–4500mal in der Minute gedreht, während die Spulenbank t mit den Stangen f, f auf und nieder geht. Zu dem Zweck werden die letztern in den Büchsen z und y geführt und von den Schienen m, m getragen, die an Ketten k, k hängen.

21. Flachswatermaschine.
21. Flachswatermaschine.

Diese laufen über die Rollen r, r und sind an den Winkeln e, e befestigt, die sich mit Rollen gegen eine Herzscheibe d legen, die eine solche Form hat, daß sie bei ihrer gleichmäßigen Drehung die Hebel und dadurch die Stangen f, f abwechselnd auf und ab bewegt. Die Aufwickelung des Garnes erfolgt durch ein Zurückbleiben der Spulen infolge einer starken Reibung auf der Bank t. Sämtliche Bewegungen gehen von einer der Wellen g aus, die direkt angetrieben wird, durch Zahnräder ihre Bewegung dem Streckwerk und durch das Zahnrad 2, Schnecke 3, Schneckenrad 4, Welle h und Schneckengetriebe 5 und 6 der Herzscheibe d mitteilt. Die beschriebene Watermaschine dient zum Spinnen von Baumwollwatergarn, die in Fig. 21 abgebildete Flachswatermaschine zum Spinnen von Flachs, Hede, Jute etc. Die Vorgarne b, b laufen von den Spulen a, a, a, a über Führungsstäbe c, c in die Tröge B, B, die mit Wasser gefüllt sind, das durch Dampfröhren D, D auf etwa 75–80° erwärmt gehalten wird. Aus den Trögen gelangen die Fäden über die gläsernen Stäbe f, f zu den Streckwerken k, k, von hier zu den Spindeln E, E, die von der Trommel H mit etwa 3000 Umdrehungen bewegt werden. Die Hebung und Senkung der Spulentische F, F erfolgt durch den hin und her gehenden Hebel q, p mittels Ketten o, o, welche die Rollen n, n abwechselnd nach links und rechts drehen. Diese Rollen pflanzen ebenfalls mittels Ketten die Bewegung auf die Tische fort.

Aus der Watermaschine entwickelte sich die diese mehr und mehr verdrängende Ringspindelbank, deren Wesen Fig. 22 erkennen läßt. Der Faden gelangt zu der Spule S von einer Führungsöse a und einer kleinen Klammer b (Fliege), die den Kopf des Ringes r r umfaßt. Indem nun die Spindel mit der Spule S durch den Wirtel W in Drehung versetzt wird, erhält der Faden zwischen a und b Draht, während die Fliege b zugleich auf dem Ring r r hinläuft und infolge der Reibung das Aufwickeln des Fadens bewirkt. Die Verteilung des Fadens über die ganze Spule erfolgt durch Auf- und Abbewegung der Ringbank B, die zu dem Zweck in der Regel auf Stelzen ruht, die von schwingenden Hebeln auf und ab bewegt werden.

22. Ringspindelbank.
22. Ringspindelbank.
23. Ringspindelbank.
23. Ringspindelbank.

Die Anordnung einer Ringspindelbank neuerer Konstruktion geht aus Fig. 23 hervor. Man sieht in A den Aufsteckrahmen mit den Vorgarnspulen a, a, von denen die Fäden b, b zu den Streckwerken B, B und von hier zu den Ringspindeln S, S laufen, die von den Trommeln T, T mittels der Schnüre s, s etwa 7000- bis 8000mal in der Minute gedreht werden. Die Ringe r, r ruhen auf Ringbänken F, F, die vertikale Führungen erhalten und sich auf Rollen e, e setzen, die von Hebeln d, d der Welle w getragen werden. Unter der Welle w liegt ein um n drehbarer Hebel m n, der von einer Kurvenscheibe bewegt wird und mittels einer über Rollen geführten Kette die Bewegung auf den vertikalen Hebel f der Welle w überträgt, so daß diese in Schwingung versetzt wird und die Spulentische F, F mittels der Hebel d, e hebt und senkt. Die von einer Handkurbel zu drehende Welle p p ist dazu bestimmt, vermittelst Schneckenräder und Zahnradsegmente die Bretter mit den Fadenführern nach oben zu kippen, um die gefüllten Spulen abnehmen zu können.

Die Ringspindelbank besitzt der Watermaschine gegenüber den Vorteil, daß der Faden weniger angespannt wird und infolgedessen weicheres Garn gesponnen werden kann. Außerdem ist ihre Leistungsfähigkeit größer. Der Mulemaschine gegenüber zeichnet sie sich bei gleicher Leistungsfähigkeit durch große Einfachheit aus, bleibt indes bezüglich der Feinheit der Garne noch hinter ihr zurück.

24. Mulemaschine.
24. Mulemaschine.

Eine Mulemaschine (Fig. 24) besteht aus einem festen Gestell a1 mit Aufsteckrahmen für die mit Vorgarn gefüllten Spulen a, a, aus dem Streckwerk b und einem Wagen b1 mit den Spindeln c, mit denen das Garn h verbunden ist. In der ersten Periode fährt der Wagen etwa 2 m vom Gestell weg aus, während sowohl die Streckwalzen b als die Spindeln c, diese mittels Schnüre e von der Trommel f, gedreht werden, um das Garn zu spinnen. In der nun folgenden zweiten Periode, während das Streckwerk stillsteht, fährt der Wagen dem Gestell zu ein, um das gesponnene Garn zu einem Kötzer aufzuwickeln. Zu diesem Zweck wird ein Draht w (Aufwindedraht) gesenkt, der in Bügeln i über sämtlichen Fäden der Maschine liegt und deshalb auch durch Bewegung der Bügel sämtliche (600 bis 700) Fäden in die zum Aufwickeln erforderliche Lage zu den Spindeln bringt. Ein unter den Fäden liegender Draht g (Gegenwinder) hält die Fäden gerade. Bei den ersten Mulemaschinen führte ein Arbeiter sämtliche beim Einfahren stattfindende Bewegungen aus, weshalb die Zahl der gleichzeitig gesponnenen Fäden 300 nicht überschritt. Die jetzigen Mulemaschinen arbeiten dahingegen mit wenig Ausnahmen selbsttätig (Selbstspianer, Selfactor), indem nicht nur die Bewegungen, sondern namentlich die so wichtige und äußerst schwierige Regulierung von einer Stelle aus erfolgt; daher ist es möglich, sie mit 800–1100 Spindeln auszustatten. Einen Überblick über den höchst komplizierten Mechanismus eines Selfactors gewährt Fig. 25. Die Transmissionsriemenscheibe I sitzt fest auf der Welle A und dreht einerseits durch Kegelräder die Strecken b, anderseits die große Schnurrolle R. Von b aus setzt sich die Drehung fort durch die Räder 1, 2, 3, 4 auf die Scheibe M, die vermittelst der am Wagen B befestigten, durch M1 gespannten Wagenschnur W den Wagen ausfährt. Gleichzeitig dreht die um R und R1 gelegte, um Führungsrollen h und die Trommel f laufende Schnur s s die Trommel f und somit durch Schnüre e, e die Spindeln c.

25. Selbstspinner (Selfactor).
25. Selbstspinner (Selfactor).

Das Einfahren des Wagens erfolgt von der um A drehbaren Riemenscheibe II aus durch Stirn- und Kegelräder i, k, Welle l und Schnecke m vermittelst der zweiten um m1 gespannten Wagenschnur W1, die sich auf die Schnecke aufwickelt, um abwechselnd die Geschwindigkeit zu vergrößern und zu verkleinern, weil der Gang des Wagens anfangs beschleunigt und dann verzögert wird. Zur Drehung der Spindeln zwecks Aufwindens dient die Kette t, die infolge der Wagenbewegung die Spindeltrommel f und die Spindeln dreht. Diese Kette ist bei y an den Quadranten Q angeschlossen und vermittelst der Quadrantenschraube u u verstellbar, so daß der durch ein Zahnradsegment y1 von M1 in Schwingung versetzte Quadrant je nach Lage von y die Umdrehzahl der Spindeln auf das genaueste regelt. Zur Bildung des Garnkörpers (Kötzer) senkt sich der Aufwinder g, während der Gegenwinder g1 die Fäden gespannt hält, damit sie keine Knoten bekommen. Der Winder g wird dadurch bewegt, daß die Stange o mit einer Nase unter die Zahnstange z schnappt und sich dadurch hebt und senkt, daß ihre Rolle p auf einer an- und absteigenden Schiene q q q (Leitschiene mit Formplatte) rollt; z überträgt diese Vertikalbewegung durch ein Zahnrad auf eine Welle, an der die Arme g befestigt sind. Beim Ausfahren schnappt o wieder aus, wobei ein Gewicht in Wirkung tritt, das mit der Kette r die Arme g hebt, wodurch gleichzeitig g1 und die Zahnstange z gesenkt werden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909.
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