Staat

Staats- und Regierungsformen der Erde.

Die beifolgende Karte ›Staatsformen der Erde‹ soll ein Bild der verschiedenen Begierungsformen geben, unter denen die Gesamtheit der Menschen auf der Erde lebt. Um dies zu erreichen, wurden die realen und nicht die nominellen staatlichen Verhältnisse zugrunde gelegt, denn wenn sich auch nur wenige Naturvölker bis heutigestags den Eingriffen der Kulturstaaten zu entziehen wußten oder durch natürliche Hindernisse geschützt waren (Wüstenstämme Nordafrikas und Arabiens, Indianer und Eskimos der Nordküste Amerikas etc.), so sind die Einwirkungen bei den meisten doch nicht derartige gewesen, um die einheimische, selbstgeschaffene Regierungsform zu zerstören. In Afrika wurde hiervon absichtlich abgewichen, weil die betreffenden Kolonialmächte, die in den letzten Jahrzehnten diese Ländermasse unter sich geteilt, auch zur tatsächlichen Machtausübung verpflichtet sind, wenn seitens der andern Mächte ihr Besitz respektiert werden soll, und in der Tat nimmt der Einfluß der betreffenden Kolonialmächte rasch zu und modifiziert die staatlichen Einrichtungen der Eingebornen.


I. Völker ohne ausgebildete Staatsformen (ca. 50 Millionen).

Wo der Raum weit und die Bevölkerung spärlich ist, ohne alle Regierungsform oder unter Familienhäuptern;_– wo die Bevölkerung dicht zusammenlebt, in Stämmen unter Häuptlingen mit bestimmter, oft autokratischer Gewalt.


1) Europa.

Samojeden an der Petschora (Fischer, Jäger).


2) Asien.

Aino, Jakuten, Jukagiren, Kamtschadalen, Korjaken, Ostjaken, Samojeden, Tungusen, Tschuktschen in Sibirien (Fischer, Jäger).

Barabinzen, Kirgisen im zentralasiatischen Steppengebiet (Hirten, Jäger).

Stämme im Himalaja und auf dem Pamirplateau (Hirten, Jäger).

Schan, Lolo, Bergstämme im nördlichen Birma und in den anstoßenden chinesischen Provinzen (Jäger, Ackerbauer mit etwas Bergbau).


3) Afrika.

Buschmänner in Südafrika ohne jeglichen staatlichen Zusammenhang, ständig umherstreifend und nur vom Ertrag der Jagd lebend.

Hottentotten in Südafrika unter Stammeshäuptlingen (Jagd, Viehzucht, neuerdings etwas Ackerbau).

Bantuvölker (reine Neger) in Zentral- und Südafrika. Diese große Gruppe steht in staatlicher Hinsicht ziemlich auf gleicher Stufe, sie zerfällt in eine Menge Stämme mit Ober- und Unterhäuptlingen, deren Autorität je nach ihrer Persönlichkeit schwankt, oft ist das Ansehen der sogen. Medizinmänner größer. Unter kräftigen, begabten Häuptlingen haben sie große Reiche mit volkreichen Ortschaften gebildet: Sulureiche, Muata Jamvos Reich, Kasembes Reich, Uganda, Unjoro, die reinen Autokratien ähnelten, denen indes feste Grenzen fehlten, und die mit dem Tode des Gründers meistens wieder zerfielen. Auch durch arabische Sklavenjäger sind ihre staatlichen Einrichtungen oft zerstört worden. Sie sind Ackerbauer und Viehzüchter, im Süden überwiegt Viehzucht, so bei den Kaffern, Betschuanen, Sulu. Im Kongobecken und zwischen den großen Binnenseen herrscht Ackerbau vor. Häufig haben Viehzüchter die Ackerbau treibenden Stämme unterjocht.

Akka, Batua etc., zerstreute Zwergvölker in Zentralafrika, den Buschmännern verwandt, nur Jäger; in den Urwäldern, wohin sie von den Bantu verdrängt worden sind, in kleinen Horden umherschweifend.

Niam-Niam, Monbuttu, Schilluk, Dinka in den obern Nilländern, tüchtige Ackerbauer, auch Viehzüchter, deren staatliche Ansätze durch die arabischen Sklavenjäger zerstört sind.

Somal, Galla, Massai im zentralen Ostafrika, Hirten, Jäger und Krieger in beständigen Fehden lebend. Die Massai besitzen eine Art Kastenbildung, durch den gänzlichen Verlust ihrer Herden, die der Rinderpest zum Opfer fielen, sind sie sehr verarmt.

Tuareg und Tibbu, Wüstenstämme der Sahara, teils seßhaft, teils nomadisierend. Die Tuareg zerfallen in viele Stämme, während die Tibbu größere Gemeinschaften unter Oberhäuptlingen bilden.

Im Mittel- und Westsudân gelang es den Haussa und Fulbe, dauernde Staaten zu gründen, die durch den Islam auch ein festeres Gefüge erhielten, neuerdings aber durch die Kolonialmächte aufgeteilt wurden. Von den Fulbe wird meist Viehzucht, von den unterjochten Sudânnegern Ackerbau getrieben.


4) Amerika.

Eskimo an den arktischen Küsten und in Labrador (Fischer).

Indianer in Alaska, den Hudsonbailändern, Labrador, den Vereinigten Staaten von Nordamerika; in Kolumbien, Venezuela, Guayana, Brasilien, Peru, Bolivia; in Patagonien und Feuerland (Viehzucht, Fischerei, Jagd).


5) Australien.

Australier des Kontinents, nomadisieren in kleinen Familienverbänden (Jäger).

Papua auf Neuguinea und Melanesien, ebenfalls auf niedriger sozialer Stufe.

Polynesier, zum Teil staatlich organisiert, neuerdings sämtlich von europäischen Mächten annektiert.


II. Völker mit festen Wohnsitzen, in Staaten geordnet.

Tabelle
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Staatsformen der Erde.
Staatsformen der Erde.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909.
Lizenz:

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