247. Otto Jahn.

[444] Wien 27. Juni 1788.

Verehrungswürdigster O.B.

Lieber bester Freund!

Ich habe immer geglaubt dieser Tage selbst in die Stadt zu kommen, um mich bei Ihnen wegen Ihrer mir bewiesenen Freundschaft mündlich bedanken zu können. – Nun hätte ich aber nicht einmal das Herz vor Ihnen zu erscheinen, da ich gezwungen bin Ihnen frei zu gestehen daß ich Ihnen das mir geliehene unmöglich sobald zurückzahlen kann und Sie ersuchen muß mit mir Geduld zu haben! – Daß die Umstände dermalen so sind und Sie mich nach meinem Wunsch nicht unterstützen können, macht mir viele Sorgen! – Meine Lage ist so, daß ich unumgänglich benöthigt bin Geld aufzunehmen. – Aber Gott, wem soll ich mich vertrauen? Niemanden als Ihnen, mein Bester! – Wenn Sie mir nur wenigstens die Freundschaft thun wollen, mir durch einen andern Weg Geld zu verschaffen! – Ich zahle ja gern die Interessen, und derjenige der mir lehnte, ist ja durch meinen Charakter und meine Besoldung glaub ich gesichert genug – es thut mir leid genug, daß ich in diesem Falle bin, eben deßwegen wünschte ich aber eine etwas ansehnliche Summe auf einen etwas längeren Termin zu haben, um einem solchen Falle vorbeugen zu können. – Wenn Sie, werthester Br., mir in dieser meiner Lage nicht helfen, so verliere ich meine Ehre und Credit, welches das einzige ist, welches ich zu erhalten wünsche. – Ich baue ganz auf Ihre ächte Freundschaft[444] und br. Liebe, und erwarte zuversichtlich daß Sie mir mit Rath und That an die Hand gehen werden. Wenn mein Wunsch in Erfüllung geht, so kann ich frei Odem schöpfen, weil ich dann im Stande sein werde, mich in Ordnung zu bringen und auch darinnen zu erhalten. – Kommen Sie doch zu mir und besuchen Sie mich, ich bin immer zu Hause. – Ich habe in den 10 Tagen daß ich hier wohne mehr gearbeitet als im andern Logis die 2 Monate, und kämen mir nicht so oft schwarze Gedanken (die ich mir mit Gewalt ausschlagen muß), würde es mir noch besser von Statten gehen, denn ich wohne angenehm – bequem – und – wohlfeil. – Ich will Sie nicht länger mit meinem Gewäsch aufhalten, sondern schweigen und hoffen. Ewig Ihr verbundener Diener, wahrer Freund und O.B.

W.A. Mozart.

Auch der folgende Brief an die Schwester, der letzte an sie, der erhalten ist, scheint Geldverhältnisse berührt zu haben.

Quelle:
Mozarts Briefe. Nach den Originalen herausgegeben von Ludwig Nohl. Salzburg 1865, S. 444-445.
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