Vorwort.

Ich war nicht wenig überrascht, als ich im Februar 1867 durch die vorstehende Buchhandlung aufgefordert wurde, für deren Verlag eine Biographie Joseph Haydn's zu schreiben. Die Firma hatte sich nämlich zuerst an Otto Jahn gewendet, dieser aber, den Antrag ablehnend, zugleich mich für diese Arbeit vorgeschlagen. Dies mußte mich nur um so mehr überraschen; hatte ich ja doch als die einzige größere literarische Arbeit kaum erst die Monographie »Mozart und Haydn in London« vollendet, zu der mich ebenfalls Jahn ermuntert hatte. Diese Kluft nun, die zwischen einer engbegrenzten Arbeit und einer vielumfassenden Biographie liegt, sollte ich jetzt mit einem Satz überspringen. Es war für den Empfehlenden wie nicht minder für den Empfohlenen ein bedenkliches Wagniß. Meine wiederholten Vorstellungen, daß die musikalische Welt bisher erwartet hatte, gerade von ihm, von Jahn, diese Aufgabe gelöst zu sehen, und daß es einer argen Enttäuschung gleich käme, wenn jetzt ein völlig unbekannter Neuling in der musikalischen Literatur als Ersatzmann einträte, führten zu weiter nichts, als daß Jahn noch im letzten Moment nur um so entschiedener sich dahin aussprach, daß er die Biographie auf keinen Fall schreiben werde und daß ich mich unverzüglich an die Arbeit machen solle. Was Jahn bewog, gerade mich ins Auge zu fassen, ist mir heute noch ein Räthsel. Freute ihn mein ausdauerndes Arbeiten im British Museum und die im Aufsuchen nicht unglückliche Hand oder rechnete er auf des Dichters Wort, das den Menschen mit seinen größeren Zwecken wachsen läßt – genug: ich schlug endlich ein, noch heute zweifelnd, ob ich damit Recht gethan. Was dabei aber (abgesehen von der verlockenden Aussicht, eine[5] angeborene Schaffenslust zum Zwecke eines so ehrenvollen Zieles in ein Hauptbett geleitet zu sehen) den Ausschlag gab, war erstens die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dieser bis jetzt noch immer schmerzlich vermißten Arbeit; zweitens die auf Erfahrung gegründeten Zweifel, ob Jahn, entfernt vom Schauplatze, im Stande sein werde, das nöthige Material aus dritter Hand vollständig erlangen zu können. Und darin hatte ich mich nicht getäuscht, denn ich erfuhr gar bald, wie nothwendig persönliches Eingreifen sei und wie so manches bereits Erlangte etwa ein zweites Mal zu erreichen auch mir jetzt wohl kaum gelingen würde. Ich machte mich also ans Werk und Jahn freute sich über jeden neuen Fund, über jeden neuen Fortschritt, von dem ich ihm berichten konnte, und immer dringender munterte er mich zum Ausharren auf. Da kam der 9. September 1869 – Jahn war todt! Die Aufgabe, die der vortreffliche Mann mir übertragen hatte, betrachtete ich nun als ein Vermächtniß; sein Andenken zu ehren, sein Zutrauen in möglichst treuer Ausführung des unternommenen Werkes nach Kräften zu rechtfertigen, wurde mir zur heiligen Pflicht.

Ich sprach von der Nothwendigkeit einer Biographie Haydn's und glaube wohl, daß mir hierin Jedermann beistimmen wird. Bildet Haydn doch das verbindende Glied unserer großen Heroen des vorigen Jahrhunderts. Er trat als Jüngling in die Außenwelt, als eben Bach sein thatenreiches Leben beschlossen hatte; er erlebte in nächster Nähe die ersten Reform-Triumphe Gluck's und dessen Hinscheiden nach ruhmvoller Siegesbahn; der ganze Lebenslauf Mozart's, mit dem er ein so unvergeßliches Freundschaftsbündniß geschlossen hatte, zog an ihm vorüber wie ein Wundertraum; und selbst die Erscheinung einer gluthverheißenden Feuerleuchte war ihm in Beethoven, dem er in mancher Beziehung ein Vorläufer wurde, noch beschieden. Als zeitgemäße Vermittelung dieser Gegensätze waren Schöpfungen, welche die erregten Geister durch wohlthuende Klarheit und Helle wieder dem harmloseren Genießen und Empfinden zuführten, wie geschaffen. Lenkt doch auch der Wanderer nach den mächtigen Eindrücken gigantischer Felsen und schauerlicher Klüfte gerne wieder seine Schritte der friedlich ausgebreiteten Flur entgegen. Haydn sang und sein Gesang verbreitete Freude und Lust am Dasein. Nichts vermag wohl bezeichnender den Eindruck seiner Schöpfungen zu schildern als jenes Bekenntniß eines Kritikers, daß er sich beim Anhören eines Haydn'schen Musikstückes immer angeregt fühle, etwas Gutes zu thun.

Die Lebensgeschichte Haydn's, so einfach sie an sich ist, bildet zugleich die Geschichte des Fortschrittes in der Tonkunst, der er, an[6] Vorhandenes anknüpfend, neue ungeahnte Bahnen öffnete, die von ihm selbst und von seinen Nachfolgern immer mächtiger erweitert wurden. Dieses außerordentliche Verdienst kann ihm kein Gebildeter absprechen, mag er sich von dessen Werken angeregt fühlen oder nicht. Wem aber das Verständniß gegeben ist, eben diese Werke nach dem Maßstabe der gleichzeitig entstandenen oder besser noch der vorangegangenen Werke zu beurtheilen, der wird sich schon durch das belehrende kunstgeschichtliche Interesse, das sie bieten, angezogen fühlen und ihren Werth nach Verdienst zu würdigen wissen. Werke der Vergangenheit immer nur an den Erzeugnissen der Gegenwart abzuwägen (und kein Kunstzweig hat mit diesem Uebel mehr zu kämpfen als eben die Musik), ist ebenso unvorsichtig als ungerecht und läßt uns in Vorhinein so manchen Genusses verlustig werden.

Nach Uebernahme der Arbeit galt es nun, die Wege zu den nöthigen Vorarbeiten auszuforschen. Für die ersten Jahrzehnte in Haydn's Leben gaben Haydn's eigener kurzer biographischer Abriß, die Skizzen von Dies, Griesinger und Carpani die einzigen Anhaltepunkte. Haydn's Geburtsort, seine erste Schulzeit in Hainburg und etwaige Erforschung seiner Voreltern waren ins Auge zu fassen. Letzterer Punkt war mir nicht gleichgültig; hält doch jeder Ritter, Graf und Fürst auf seinen Stammbaum, warum nicht auch ein von Gott geadelter großer Künstler. Die Ausbeute gelang hier über Erwartung; ebenso über Haydn's Aufenthalt im Kapellhause zu Wien, wiewohl erst nach viermaligem Anlauf. Auch über die Zwischenzeit bis zur ersten Anstellung kam vieles zu Tage, obwohl hier die Schwankungen chronologischer Folge am unsichersten waren. Ueber die fast dreißigjährige Periode in Eisenstadt und Esterház blieb dagegen noch fast Alles zu sagen; hier konnten ausschließlich nur amtliche Belege helfen. Bei Haydn's Aufenthalt in London genügte eine, dem Ganzen entsprechend angepaßte Verwerthung meines von mir bereits in anderer Form benutzten Materials. Der Rest, als uns näher liegend, machte weniger Sorge. Das Wichtigste blieb immer noch Haydn's eigentliche langjährige Amtszeit und die damit eng verknüpfte Geschichte der fürstlich-Esterházy'schen Musikkapelle. Blieben hier Thür und Riegel verschlossen, war alle Arbeit verlorene Mühe. Meine ersten Schritte galten daher auch der Entscheidung dieser Frage. Das Glück war mir günstig, obwohl eine vorläufige Anfrage dahinauslief, daß es nicht des Weges nach Eisenstadt verlohne, da außer einigen Manuscripten daselbst soviel wie nichts weder über Haydn noch über die Kapelle vorhanden sei. Es kam aber anders. Ich fand nicht nur zahlreiche handschriftliche Partituren, Briefe und Amtsstücke Haydn's, gedruckte[7] und geschriebene Musikalien seiner Composition, sondern auch das nöthige Material zu einer vollständigen Geschichte der Kapelle, unter tausend und Tausenden von Amtsschriften zerstreut, die alle nur möglichen Angelegenheiten des Hauses und seiner riesig ausgedehnten Besitzungen betrafen.

Das Wichtigste war nun zunächst die Anlegung thematischer und chronologischer Verzeichnisse von Haydn's Werken. Dazu konnte auch der Vorrath in Eisenstadt nicht ausreichen; es mußte weiter ausgegriffen werden. Auch hier war der Erfolg günstig und lagen endlich folgende Hülfsmittel vor: Haydn's erster Entwurf- und der größere, übrigens mehrfach bekannte und von Elßler geschriebene thematische Katalog (»Verzeichniß aller derjenigen Compositionen, welche ich mich beyläufig erinnere von meinem 18. bis in das 73ste Jahr verfertiget zu haben«); die in Eisenstadt vorhandenen Musikalien; die an Autographen und Abschriften reiche Artaria-Sammlung, von erwähntem Elßler, Haydn's Copisten in den 30er Jahren erworben; die Sammlung der Firma Breitkopf und Härtel, enthaltend eine Reihe wichtiger Geschäftsstücke, Notizen und Kataloge, aus jener Zeit (1799 und später) stammend, in der Haydn mit dieser Firma behufs Herausgabe seiner Werke in Verbindung trat, bei welcher Gelegenheit ihm auch eine Liste aller seiner, damals im Besitz der Handlung vorräthigen Werke vorgelegt wurde, die Haydn sofort als richtig oder nicht von ihm herrührend bezeichnete; zahlreiche von Otto Jahn gesammelte Partituren Haydn's; das an Haydn'schen Compositionen besonders reiche Kirchenmusik-Archiv zu Zittau (aus dem Nachlasse des dortigen Kaufherrn August Christian Exner, eines leidenschaftlichen Musikfreundes und Verehrers Haydn's); eine in Frankfurt aufbewahrte Sammlung (möglicherweise herrührend von dem churfürstlichen Hofkammerrath von Mastiaux aus Bonn, einem eifrigen Musikdilettanten und Anbeter Haydn's, mit dem er auch in Briefwechsel stand); das ansehnliche Musikarchiv des geistlichen Stiftes Göttweig in Unter-Oesterreich (die zahlreichen, kurz nach ihrem Entstehen daselbst aufgenommenen Werke Haydn's deuten unzweifelhaft auf irgend eine Verbindung mit Eisenstadt hin); die Musikarchive der geistlichen Stifte Kremsmünster und St. Florian in Ober-Oesterreich; die Hof-Bibliotheken zu Wien und Berlin; das Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien; einzelne in musikalischen Sammlungen und in Privatbesitz befindliche Autographe und Abschriften. Ferner: der im Jahre 1763 begonnene erste gedruckte thematische Katalog Breitkopf's (enthaltend alle in dieser Handlung vorräthigen geschriebenen und gestochenen Musikalien des In- und Auslandes); Gerber's, in der Musikalischen Correspondenz[8] (1792) zusammengestelltes erstes Verzeichniß der bis dahin erschienenen Werke Haydn's, vervollständigt in seinem Musikalischen Lexikon, 2. Aufl. 1812; die größeren Kataloge der Musikhandlungen J. Ch. Westphal in Hamburg (80er Jahre) und J. Traeg in Wien (1799); Kataloge von J.A. André (Offenbach a.M.), Gayl und Hedler (Frankfurt am Main), J.C.F. Rellstab (Berlin), J.J. Hummel (Amsterdam und Berlin), H.G. Nägeli (Zürich), Günther und Böhm (Hamburg), Rost (Leipzig), Artaria et Co. (Wien); das große Verzeichniß (12079 Nummern) der im Jahre 1836 versteigerten bei Breitkopf und Härtel vorräthigen gedruckten und geschriebenen Musikalien (darunter mehrere Hundert Compositionen von Haydn).

Nunmehr zeigten sich Schwierigkeiten, die nicht immer oder nur allmählig überwunden werden konnten; dahin gehörte die heillose Verwirrung der willkürlich angenommenen durcheinanderlaufenden Opuszahlen; mannigfache Bearbeitungen und Verstümmelungen von Werken, deren ursprüngliche Gestalt häufig nicht nachzuweisen war; häufige Umstellungen von den Sätzen eines und desselben Werkes; zahlreiche in Schrift und Stich vorhandene Fehler und eine große Anzahl zweifelhafter, zum Theil nachweisbar apokrypher Werke. Der so oft betonte Mangel eines ausführlichen thematischen Kataloges rächte sich nun auf empfindliche Weise. Schon Gerber klagte darüber und suchte ihm in obiger periodischen Zeitschrift (Musikalische Korrespondenz der teutschen Filarmonischen Gesellschaft für das Jahr 1792, Nr. 17 und 18) abzuhelfen. Er meinte damals, daß wenn sich eine ansehnliche Musikalienhandlung zu diesem »Ehrengedächtniß« bereit fände, ein derartiger Katalog »gewiß nicht zu Makulatur würde«. Zu einem Katalog war es aber auch 1812 noch nicht gekommen; nur Westphal in Hamburg war Gerber's Aufforderung um werkthätige Unterstützung entgegen gekommen. Er war (wie Gerber sagt) der Einzige, der mit seinem Handelsgeiste doch so viel Liebe zur Kunst und Literatur verband, daß er ihm eine thematisches Verzeichniß von allen Haydn'schen Werken, welche durch seine Hände gegangen waren, mit den nöthigen Angaben der verschiedenen Ausgaben überschickte.

Den biographischen Theil der Arbeit betreffend war es vor allem nöthig, eine Uebersicht und eingehende Kenntniß der dahin einschlagenden Literatur bis auf unsere Tage zu gewinnen. Ueber Haydn's Leben wurde zwar viel geschrieben, doch stoßen wir bei näherer Untersuchung meistens nur auf Wiederholungen, nur selten vermehrt durch authentische neue Mittheilungen. Die »Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen die Musik betreffend«, Leipzig 1766–1770 (J.A. Hiller);[9] C.L. Junker »Zwanzig Componisten«, Bern 1776; Gothaer Theater-Almanach 1776; J.G. Meusel »Teutsches Künstlerlexikon«, Lemgo 1778; Musikalischer Almanach auf das Jahr 1782, Alethinopel (Junker) sind nur insofern hier zu nennen, als sie die ersten sind, die Haydn überhaupt in kurzem erwähnen. Die erste eigentliche biographische Skizze schrieb Haydn selbst einer Aufforderung folgend, im Jahre 1776 oder 1777 in Form eines Briefes. Diese Skizze wurde zu dem 1778 erschienenen Werke »Das gelehrte Oesterreich« (von De Luca) benutzt, am Schlusse ergänzt mit einer kurzen Charakteristik aus dem Wiener Diarium 1766. Zum zweitenmale finden wir diesen Abriß verwendet im »Musikalischen Almanach für Deutschland auf das Jahr 1783«, Leipzig (von Forkel; 1784 wiederholt, 1789 mit einigen Zeilen erweitert). European Magazine, London 1784, lieferte eine sehr allgemein gehaltene, entstellte und theils unverantwortlich schmähende Skizze, in C.F. Cramer's »Magazin der Musik«, 1784, als »Curiosum« ins Deutsche übertragen. Der »Almanach der k.k. National-Schaubühne in Wien« auf das Jahr 1788, von F.C. Kunz (Wien, gedr. und zu finden bei Jos. Gerold) bringt nur einen »kleinen Schattenriß von dem erklärten Liebling der Tonkunst« (den der Almanach ums Jahr 1730 zu Wien geboren und im Jesuiten-Collegium erziehen läßt). Charles Burney gab in seiner General History of Music, vol. IV, 1789, eine kurze Biographie, die er durch Vermittelung des englischen Gesandten in Wien, Sir Robert Keith, erhielt und aus Eigenem vermehrte. – Gerber's historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, 1790, bringt die schon von Forkel benutzte Skizze nebst kurzem Zusatz. In der zweiten Ausgabe, 1812, stellt Gerber, der unterdessen mit Haydn brieflich verkehrt hatte, mit gewissenhafter Treue alles zusammen, was bis dahin über den Meister geschrieben worden war. – Das »Museum deutscher Gelehrten und Künstler« (C.A. Siebigke), Breslau, Heft II, 1801, enthält ebenfalls Forkel's Aufsatz mit Benutzung einiger bis dahin erschienenen Zeitungsnotizen (als Variante wanderte hier Haydn zum Schulrector nach »Hamburg«). – Im »Journal des Luxus und der Moden«, Weimar 1805, veröffentlicht der großherzoglich sächsische Landrath C. Bertuch aus Weimar Haydn's Lebensabriß, der aber nur bis zum Unterricht bei Porpora reicht. Bertuch empfing diesen Abriß von Griesinger und nahm ihn dann auch auf in seine im Jahre 1808 erschienenen »Bemerkungen auf einer Reise aus Thüringen nach Wien im Winter 1805 bis 1806«, Bd. II. – Kurz nach Haydn's Tode erschienen mehrere Biographien über Haydn; die wichtigsten sind die von Griesinger und Dies. Georg August Griesinger, k. sächsischer Legationsrath, der die letzten zehn[10] Lebensjahre Haydn's mit ihm in freundschaftlichstem Verkehr stand, notirte sich ohne dessen Vorwissen alles, was ihm Haydn über seinen Lebenslauf erzählte, und veröffentlichte seine Aufzeichnungen zuerst in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung, 1809, und dann erweitert in der Broschüre »Biographische Notizen«, Leipzig 1810. (Fétis, Biogr. univ. des Musiciens, bemerkt zu dieser mit Liebe geschriebenen Arbeit etwas übereilt: Notice exacte mais écrite avec froideur.) – Der Landschaftsmaler Albert Christoph Dies wurde durch den Bildhauer Grassi bei Haydn eigens eingeführt, um Daten über dessen Leben zu sammeln. Haydn genehmigte dies nur zögernd, indem er bemerkte: seine Lebensgeschichte könne für Niemand interessant sein. Das Resultat seiner 30 Besuche (1805 bis 1808) hat Dies in dem Büchlein »Biographische Nachrichten von Jos. Haydn«, Wien 1810 (mit Porträt nach Ihrwach's Medaillon) niedergelegt. Es war in den Jahren, wo Altersschwäche und Krankheit dem Greise Schonung auferlegten und das Tagebuch daher etwas ungeregelt ausfallen ließen. Neukomm, der mit Haydn schon vordem intim vertraut war (was er ausdrücklich hervorhebt), hat, von Jahn aufgefordert, zu diesen Aufzeichnungen einzelnen Punkten gegenüber zustimmende und abwehrende Bemerkungen niedergeschrieben, die mir noch von Jahn selbst zur Benutzung zugestellt wurden. Maler Dies meint u.a., daß Haydn Anekdoten aus seinem Leben, der augenblicklichen Laune freien Lauf lassend, mit Varianten erzählt habe. Mit Willen hat dies der Greis gewiß nicht gethan, zu verwundern wäre es aber nicht gewesen. Man bedenke doch: Eine Reihe Männer lösten einander ab, den alternden Meister über sein Leben auszuholen – Griesinger, Dies, Carpani, Bertuch, Neukomm, Nisle und so manchen Andern sollte er Rede und Antwort stehen. Das war zu viel zugemuthet. Dennoch haben wir alle Ursache, diesen Männern dankbar zu sein, denn ihre Mittheilungen waren wichtig genug, allen späteren Biographien zu Grunde gelegt zu werden. Allenfalls könnte man mit ihnen rechten, daß sie sich eben nur auf lebendige Ueberlieferung verließen und daß sie, wenn es schon nicht in ihrer Absicht lag, nahe liegenden documentirten Quellen nachzuspüren, Haydn's Factotum, den treuen Elßler, der von Kindesbeinen an um ihn war, zu sehr außer Acht gelassen haben. – Doch sehen wir in unserer Rundschau weiter: Im Jahre 1809 erschienen Nekrologe Haydn's in den Vaterländischen Blättern für den österreichischen Kaiserstaat (als Verfasser wird Mosel bezeichnet) und in dem Unterhaltungsblatt »Der Sammler« (nach Griesinger's Mittheilungen in der Allg. Musik. Zeitung abgekürzt). Das Jahr 1810 brachte noch »Joseph Haydn, seine kurze Biographie und ästhetische Darstellung seiner Werke.[11] Bildungsbuch für junge Tonkünstler« (von Jg. Ferd. Arnold), Erfurt (2. Aufl. 1825, siehe auch »Gallerie der berühmtesten Tonkünstler«, Erfurt 1816) und von demselben Verfasser »Mozart und Haydn. Versuch einer Parallele«, Erfurt. Ferner zwei, von Fétis hart mitgenommene französische Broschüren: Notice sur J. Haydn etc. par Nicolas Etienne Framery, Paris, und Notice historique sur la vie et les ouvrages de J. Haydn, par Joachim Le Breton (zuerst gelesen in einer Sitzung des Institut de France; erschienen im Moniteur und dann als Broschüre; abgedruckt in Bibliographie musicale, Paris 1822 und in portugiesischer Uebersetzung mit Zusätzen von M. Silva-Lisboa, Rio-Janeiro 1820). Le Breton's Hauptquelle waren Griesinger's Notizen in der Allg. Musik. Zeitung nebst Anekdoten nach Pleyel und Neukomm. – Im Jahre 1812 erschien zu Mailand Le Haydine ovvero lettere su la vita e le opera del celebre Maestro Gius. Haydn di Giuseppe Carpani (mit Porträt, 2. verm. Aufl. Padua 1823). Carpani, ein italienischer Dichter, ging bei Haydn aus und ein (der italienische Text zur »Schöpfung« stammt von ihm). Diese, bis dahin umfangreichste, Biographie ist auf 17 Briefe vertheilt. Da Carpani Haydn's Umgang genoß, als dieser noch kräftig genug war, seine beiden großen Oratorien zu schreiben, muß es um so mehr überraschen, gerade ihn, der so vieles bei Dies, Le Breton und Framery anzweifelt, so oft selbst straucheln zu sehen. (Fétis suchte ihm manche Unrichtigkeiten nachzuweisen, wobei er aber meistens, die Fehler verbessern wollend, noch neue hinzufügte.) Nichtsdestoweniger fand Carpani's, doch immerhin mit Liebe zur Sache geschriebenes Buch rasch einen Uebersetzer und Umarbeiter, der es jedoch als eigene Originalarbeit herausgab. Als solche erschienen Lettres écrites de Vienne en Autriche, sur le célèbre compositeur J. Haydn, etc. par Louis Alexandre César Bombet. Paris 1814. (Neu bearbeitet unter dem Titel: Vie de Haydn, Mozart et Metastase, par Stendhal, Paris 1817.) Unter dem Pseudonym Bombet und Stendhal versteckte sich der Schriftsteller Beyle; er sagt geradezu von seinem Werke: »Il y a plusieurs biographies de Haydn, je crois, comme de juste, la mienne la plus exacte.« Ueber die Echtheit entspann sich ein heftiger Streit: Carpani veröffentlichte zwei Briefe dagegen(Lettere due dell' Autore delle Haydine etc. Vienna 1815) und legte die wörtliche Uebersetzung zur Genüge dar. Dennoch erschien Bombet auch in englischer Uebersetzung: Lives of Haydn and Mozart etc. London, 1817, dann Boston 1839. Das Original von Carpani kam erst 1838 in Paris heraus in getreuer französischer Uebersetzung von M.D. Mondo unter dem Titel »Haydines de Carpani.« – Die von J.E. Grosser[12] veröffentlichten »Biographische Notizen«, Hirschberg 1826, sind nur eine Blumenlese früherer Berichte. – Eine begeisterte biographisch-ästhetische Skizze lieferte Fröhlich in der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, herausgegeben von Ersch und Gruber, II. Section, 3. Theil, Leipzig 1828. – Auch C.F. Becker's Aufsatz in den »Zeitgenossen«, Leipzig 1832, ist hier zu nennen. – Fétis, Biographie universelle des Musiciens etc., Bruxelles, V. 1839 (2. Aufl. Paris, IV. 1862), benutzte mit bestem Willen in fleißiger Zusammenstellung die vorhandenen Biographien, die er von seinem Aufenthalte aus natürlich nicht in der Lage war, zu prüfen und zu sichten. – Werthvolleres, weil endlich einmal auf sicheren Quellen Beruhendes, brachte Aug. Schmidt's »Orpheus«, musikal. Taschenbuch, Wien 1841, und die von ihm redigirte Allg. Wiener-Musikzeitung, namentlich 3. Jahrgang, 1843. – Dasselbe gilt von dem Briefwechsel Haydn's mit seiner verehrten Freundin Frau M.A. Sabine Edle von Genzinger, in anziehender Darstellung, mit Benutzung von Dies und Grinzinger, verwerthet von Th. Georg von Karajan, Jahrbuch für vaterländische Geschichte, Wien 1861, selbstständig erschienen unter dem Titel »J. Haydn in London 1791 und 1792«. Wien bei Gerold, 1861. – Eine fleißig gearbeitete übersichtliche Zusammenstellung der bekannten Daten brachte Dr. Constantin von Wurzbach in seinem Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 8. Theil, 1862; besonderer Abdruck: »Jos. Haydn und sein Bruder Michael. Zwei biobibliographische Künstler-Skizzen«. Wien 1861. – »Jos. Haydn. Ein Lebensbild«, von C.A. Ludwig, Nordhausen 1867, faßt zusammen, was in Griesinger, Dies, Wurzbach, Karajan und einzelnen Zeitschriften vorlag. – Die letzte, seitdem erschienene Arbeit ist meine eigene vorerwähnte Monographie »Mozart und Haydn in London«, Band II. Wien 1867. – Einzubeziehen wäre hier auch noch die »Biographische Skizze von Michael Haydn« (von Schinn und Otter), Salzburg 1808. – Unbekannt geblieben sind mir: G.J. Mayer. Brevi notizie istoriche della vita e delle opere di G. Haydn. Bergamo 1809. – J. Kinker, Ter Nagedachtenis van J. Haydn. Amsterdam 1810.Essai historique sur la vie de J. Haydn. Strasbourg 1812. – Die sonstigen biographischen Zugaben zu den verschiedenen Gesammtausgaben Haydn's, wie auch die Artikel in den bekanntesten Lexika glaubte ich, Fétis und Gerber ausgenommen, hier unerwähnt lassen zu können.

Vollständig zu ignoriren waren jene fabelhaften Erzählungen, in denen Momente aus Haydn's Leben willkürlich entstellt sind, wie z.B. der vierbändige Roman Consuelo von George Sand, die Novelle »Haydn's[13] erstes Quartett« (aus der »Iduna« 1855, in mehrere Blätter übergegangen), sowie unzählige sonstige erträumte, in den verschiedensten Zeitschriften mitgetheilte Episoden.

Eine Reihe beachtenswerther Mittheilungen und Beiträge über Haydn liegen dagegen anderwärts vor; ich erwähne hier beispielsweise nur Triest, Pastor in Stettin (L. Mus. Zeitung, 3. Jahrg., 1801), Chr. F.D. Schubart (Ideen zu einer Aesthetik der Tonkunst, Wien 1806), J.F. Reichardt (Vertraute Briefe, Amsterdam 1810), H.G. Nägeli (Vorlesungen über Musik, Stuttgart und Tübingen 1826), W.H. Riehl (Musik. Charakterköpfe, Stuttgart 1862), Dr. F. Lorenz (Jos. Haydn und seine fürstlichen Mäcene, Deutsche Musikzeitung 1862), Dr. Ed. Hanslick (Brief Haydn's an die Tonkünstler-Societät, Signale 1865), L. Nohl (Musikerbriefe, 1867) etc. denen sich so manche literarische Erzeugnisse bis herab auf unsere Tage anschließen.

Als neu hinzugekommene Quellen dienten außer den in Eisenstadt befindlichen Haydniana zahlreiche amtliche Actenstücke und Dokumente verschiedener Archive, autographe mir durch gütige Privatmittheilung zur Einsicht zugekommene Compositionen und Briefe (darunter die ganze Correspondenz Haydn's mit dem Hause Artaria), Berichte in der Wiener Realzeitung und im Wiener Blättchen und mancherlei willkommene Notizen in den Jahrgängen des, in musikalischen Dingen, im Allgemeinen schweigsamen Wiener Diariums. Die erst in jüngster Zeit zu Tage gekommenen weitläufigen Tagebücher eines Esterházy'schen Beamten boten dagegen weniger als zu erwarten war; eine zweite Sammlung weiter zurückgreifender minutiös angelegter Tagebücher steht noch in Aussicht. Was ich durch die Güte Otto Jahn's zur Einsicht erhielt, bestand nebst Musikalien und den erwähnten Bemerkungen Neukomm's aus Abschriften amtlicher Belege, die ich aber bereits selbst schon gesammelt hatte, und aus den von Dr. Lorenz besorgten Aufzeichnungen nach mündlichen Aussagen hochbetagter, seitdem verstorbener Mitglieder der fürstlichen Kapelle.

Das Ergebniß dieses Gesammt-Materials bildet die Grundlage, welche diese erste umfassende Darstellung des Lebensganges Haydn's möglich machte; manche leider bereits eingewurzelte irrthümliche Angaben, entstellte Nachrichten und unverbürgte Anekdoten ließen sich auf ihr richtiges Maß zurückführen; schon die Thatsachen allein konnten als beste Widerlegung dienen; manches üble Wort, manche üble Ansicht über Haydn wird man zudem, hoffe ich, noch gerne zurücknehmen. Wie sehr es Noth thut, über sein Leben klar zu werden, beweist, daß man noch in unseren Tagen, in einem 1874 erschienenen Abriß der[14] Musikgeschichte lesen kann, daß Haydn bis zum Jahre 1790 in der musikalischen Welt fast unbekannt geblieben war!

Die Ausarbeitung vorliegender Abtheilung wurde von Jahr zu Jahr verzögert und unterbrochen durch die sich häufenden zeitraubenden Nachforschungen, durch andere unvermeidliche literarische Arbeiten, durch die Uebersiedelung des mir anvertrauten Musikarchivs der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, wie auch durch wiederholte schwere Krankheit. Da nunmehr das ganze nöthige Material vorliegt, wird es hoffentlich möglich sein, dem Leser mit Ende des Jahres 1878 den Schluß des Werkes vorlegen zu können. Die zweite Abtheilung um faßt hauptsächlich den Aufenthalt Haydn's in Esterház (bis 1790); beide Abtheilungen des zweiten Bandes werden, die erste, Haydn's Aufenthalt in London und die Jahre bis inclusive der ersten Aufführung der »Schöpfung«, die zweite, »Die Jahreszeiten« und die letzten Lebensjahre Haydn's enthalten. Den beiden zweiten Abtheilungen wird die Verlagshandlung ein Porträt Haydn's nach meiner Wahl und der ersten Abtheilung des zweiten Bandes ein interessantes Facsimile Haydn's beifügen.

Indem ich hiermit den ersten Theil des Werkes der Oeffentlichkeit übergebe, fühle ich mehr denn je die ganze Schwere und Verantwortung der von mir übernommenen Aufgabe. Die Biographie des volksthümlichsten unserer großen Musikheroen verlangte auch eine dem entsprechende Darstellung. Ich dachte mir sein Leben und Wirken so darstellen zu müssen, daß auch der Nichtmusiker Interesse daran nehmen könne. Nicht um Haydn allein handelt es sich hier; vielmehr war auf die ganze Zeit, die er durchlebte, soweit sie musikalisch auf ihn einwirken mußte, Rücksicht zu nehmen. Diese war aber gerade die allerinteressanteste in der Entwickelungsgeschichte der Musik und ganz dazu geschaffen, einen belebenden Hintergrund zu bilden, auf dem sich die Hauptfigur des Bildes nur um so glänzender abheben konnte. Die örtlichen und persönlichen Verhältnisse, in denen sich Haydn bewegte, mußten daher ganz besonders so nahe wie möglich vor Augen gerückt werden. Die »Chronik«, eine fortlaufende Kette aller wichtigeren Momente in Haydn's Lebenszeit bildend, sollte als Sammelplatz dienen, auf dem sich auch manches nicht allzu abseits liegende Kulturhistorische (so ungern ich dies abgenutzte Wort gebrauche) über die alte Kaiserstadt unbeschadet dem Hauptzwecke einfügen ließ.

Ob ich nur annähernd das getroffen, was ich gewollt, ob das Gewollte auch das Richtige gewesen, darüber wird ja bald der Erfolg entscheiden. Daß derselbe aber kein ungünstiger sein möge, wünschte ich ebenso lebhaft, als er befruchtend auf die Fortsetzung und Vollendung[15] einer Arbeit einwirken muß, die von mir, ich darf es wohl aussprechen, in der ehrlichsten und uneigennützigsten Absicht übernommen wurde, um eine so lange vermißte Lücke in der musikalischen Literatur auszufüllen. Ich suchte mir dazu selbst den nöthigen Muth zuzusprechen, indem ich mir vorhielt, daß, wer nach dem Maße seiner Kraft es versucht, das nachzuholen, was Berufenere unterließen, des Anspruches auf billige Nachsicht wohl nicht unwerth sei. Und so möchte ich denn, Haydn's eigene Worte bei Uebersendung seiner »Schöpfung« an Breitkopf gebrauchend, wünschen und hoffen, daß man meine Arbeit »nicht allzu streng anfassen und ihr dabei zu wehe thun möge«.

Es erübrigt mir schließlich noch, allen Denen, die mich bei meinem Unternehnmen bereitwilligst unterstützten, meinen tiefgefühltesten Dank hier öffentlich auszusprechen. Seibstverständlich steht hier in erster Linie Se. Durchlaucht Fürst Nicolaus Esterházy von Galantha etc. etc., dessen mir geschenktes ehrenvolles Vertrauen ich in vollstem Maße zu würdigen weiß. Ohne seine gütigst ertheilte Bewilligung, die Archive in Eisenstadt nach Bedarf zu benutzen, wäre meine Arbeit in Vorhinein verfehlt gewesen. Um so größere Befriedigung mußte es mir gewähren, dokumentarisch nachweisen zu können, daß die Tonkunst von jeher von den hohen Vorfahren dieses erlauchten Fürstenhauses in kunstsinniger Weise gepflegt wurde und daß das seltene Genie und die Verdienste Haydn's und die Talente seiner Untergebenen jederzeit in wahrhaft fürstlicher Weise gewürdigt wurden. Hat es ja Haydn selbst oft genug ausgesprochen, wie glücklich er sich in seiner Stellung fühle und wie er nur unter diesem Fürstenhause zu leben und zu sterben sich wünsche. Mein Erfolg wäre aber nur ein halber gewesen, wenn mich nicht die Herren Sigismund v. Bubics, inful. Abt von Monostra und Johann Mandl, fürstl. Archivar mit einer Liberalität ohne Gleichen mit Rath und That unterstützt hätten. Das lebhafte und wahrhaft freundschaftliche Interesse, das beide Herren für meine Arbeiten faßten, deren unermüdliche Bereitwilligkeit, meinen Wünschen jederzeit nachzukommen, hat mich ihnen zu ganz besonderem Dank verpflichtet. Auch die Herren Bibliothekar Purgert, Bürgermeister Permayer, Bezirksrichter Pregard und Musikdirector Zagitz waren jederzeit bemüht, mich in meinen Nachforschungen zu unterstützen; Letzterer namentlich mußte es oft genug empfinden, daß man nicht ungestraft die Ehre genießt, sich einen directen Amtsnachfolger Haydn's nennen zu dürfen. Meines Dankes dürfen auch diese Herren versichert sein. – Die wichtigsten Ergänzungen zu den Schätzen in Eisenstadt boten die mir zur Einsicht und Benutzung anvertrauten Haydniana im Besitz der Verlagshandlungen Artaria und Co. und Breitkopf und Härtel. Selbst Verleger, wissen es[16] diese Herren am besten, welchen großen, dankenswerthen Dienst sie meiner Sache erwiesen haben. Dasselbe gilt von den reichen Musikalien-Sammlungen in Zittau, Frankfurt a.M. und im geistlichen Stifte Göttweig; auch hier habe ich eben nur Worte des Dankes gegenüber den häufigen Gefälligkeiten, die mir die Herren Paul Fischer, Ph. Christian Wecker und P. Hermann Moser so überaus zuvorkommend erwiesen haben. Mit besonderem Danke muß ich namentlich auch das liberale Entgegenkommen aller jener Herren Dechante und Pfarrer anerkennen, die mir in Berücksichtung des Zweckes ausnahmsweise die eigene Einsicht in die Pfarr-Register gestatteten. Sie Alle zu nennen, würde hier allein schon ganze Seiten ausfüllen; doch drängt es mich, wenigstens nachfolgende Herren namhaft zu machen: Ehrendomherr Joh. Brem (St. Stephan in Wien), Don Anton Maria Pfeiffer (St. Michael in Wien), Dechant Retzl (Bruck a.d.L.), Dechant Miehl (Frauenhaid), Franz Hlauzal (Hainburg), Rud. Klerikus (Rohrau), Peter Schlegel (Süttor), Bonaventura Hallasch (Thernberg). Auch die Herren Archiv-Vorstände suchten mir durch besondere Begünstigungen die Arbeit zu erleichtern, ich nenne hier nur die Namen Karl Weiß (Wiener Stadtarchiv), Jos. Laimegger (W. Landgerichtsarchiv), Eduard Kloß (Kirchenmeisteramt), Dr. Hippolyt Kneißler (W. Magistrats-Registratur), Jos. Groißl (Hainburger Stadtarchiv). – Einen besonderen Vortheil bot mir die reichhaltige, mir jederzeit offenstehende Bibliothek des k.k. Custos HerrnDr. Theodor Ritter von Karsjan; es ist mir ein um so schmerzlicheres Gefühl, daß ich ihn wie so Viele, nun zu den Heimgegangenen zählen muß. Auch Herr Dr. Paul Mendelssohn-Bartholdy in Berlin, der mir seine kostbaren Haydn-Autographe anvertraute, zählt nicht mehr zu den Lebenden. Eine lange Reihe Namen stehen noch auf der Dankesliste: Herr Rudolph Graf Morzin in Prag, Henry Littleton Esq. und George Grove Esq. in London, die Herren N. Simrock und Franz Espagne in Berlin, die Hofbibliotheken zu Wien und Berlin, die Herren Franz Kornheisl, fürsterzbischöflicher Kanzleidirector, Hofrath Alfred Ritter von Arneth, Director des kais. geh. Haus-, Hof- und Staats-Archivs, Dr. Franz Gehring, Kunsthändler Wessely, Professor Dr. Cornet und Franz Haidinger in Wien, Professor Dr. Ad. Michaelis in Tübingen, Domkapitular Joh. Klingler und Regenschori Santner in Salzburg, Frau Emilie von Wölföl in Pest, die geistlichen Stifte Kremsmünster, Melk, St. Florian und Zwettl. Auch die hier nicht Genannten (Vieler wird noch am gehörigen Orte gedacht) mögen versichert sein, daß mir ihre Güte unvergeßlich bleiben wird. Mit[17] so vielen vortrefflichen Männern in Berührung gekommen zu sein, bildet eine der Lichtseiten dieser von mancherlei Prüfung heimgesuchten Arbeit.

Noch ein Wort an die Besitzer von Haydn'schen Autographen: Sollte Einer oder der Andere (und es giebt deren gewiß noch Viele) durch meine Arbeit aufmerksam gemacht, sich bewogen fühlen, mir zur Kenntnißnahme solcher Reliquien zu verhelfen, würde ich dies als den schönsten Lohn meiner Bemühungen ansehen.


Wien, 25. Juli 1875.

C.F. Pohl.[18]

Quelle:
Pohl, Carl Ferdinand / Botstiber, Hugo: Joseph Haydn. Band 1, Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1878.
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