Concert in Ansbach

[118] Carl Maria verließ das ihm gänzlich verleitete Carlsruhe am. 23. Februar 1807, während Vater und Tante, eingeschränkt lebend, dort zurückblieben, und begab sich zunächst nach Breslau, um sich die nöthigen Papiere zu verschaffen und Abschied von seinen dortigen Freunden zu nehmen und Pläne zu einer freilich unter den ungünstigsten Auspizien anzutretenden Kunstreise, die ihn aber wenigstens vom[118] Untergange retten sollte, zu schmieden. Die Kriegsunruhe begünstigte ihn, denn die Stadt war voll von Personen, die Anforderungen aller Art, von der tollen Zeit in Breslau her, an ihn hatten, und nur so konnte er dann ziemlich sicher zehn Tage dort zubringen, ja selbst leichten Sinns, wie er damals war, des Lebens harten Druck so weit vergessen, daß er mit alten Freunden und Freundinnen einige jener oben erwähnten kleinen Feste feierte, die Bacchanalien ziemlich ähnlich sahen und deren Kosten so schwer auf seinem spätern Leben lasteten. Dieß war aber Ursache, daß mehrere seiner Gläubiger von seiner Anwesenheit Nachricht erhielten, und er soll am 6. März in aller Frühe, ziemlich hastig die Stadt verlassen haben, die ein Hauptschauplatz seiner Jugendthorheiten gewesen war. In der Zeit vom 7. März bis 27. April begab er sich über Bunzlau, Bautzen, Dresden, Leipzig, wo er einen Abend mit Mahlmann, Seume und Rochlitz zubrachte, an die er von Professor Rhode empfohlen war, Altenburg, Plauen, Bayreuth und Nürnberg, langsam reisend und öfter Versuche machend, ein Concert zu geben, nach Ansbach, wo es ihm endlich gelang, ein Concert zu Stande zu bringen. Ansbach war 1807 von den Franzosen, die es am 24. Februar 1806 besetzt hatten, verwaltet, wurde aber mit solcher Bonhommie behandelt, daß die Anwesenheit der französischen Beamten und Offiziere den Geist der Stadt eher hob als drückte.

Quelle:
Weber, Max Maria von: Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild. Band 1, Leipzig: Ernst Keil, 1864, S. 118-119.
Lizenz:
Kategorien: