Der Allschöpfer (Viçvakarman).

[5] Ṛigveda 10,81,1–4.


1.

Der, opfernd, sich in alle diese Wesen

Als weiser Opfrer senkte, unser Vater,

Der ging, nach Gütern durch Gebet verlangend,

Ursprungverhüllend in die niedre Welt ein.


2.

Doch was hat wohl als Standort ihm ...,

Was hat und wie als Stützepunkt gedient ihm,

Auf dem die Erde er erschuf, allschaffend,

Mit Macht den Himmel deckte auf, allschauend? –


3.

Allseitig Auge und allseitig Antlitz,

Allseitig Arme und allseitig Fuss,

Schweisst schaffend er mit Armen, schweisst mit Flügeln

Zusammen Erd' und Himmel, Gott, der Eine.


4.

Was ist das Holz, was ist der Baum gewesen,

Aus dem sie Erd' und Himmel ausgehauen?

Ihr Weise, forscht im Geiste diesem nach, worauf

Er sich gestützt hat, wenn er trägt das Weltenall!


Ṛigveda 10,82.


1.

Des Auges Vater, treu dem eignen Ratschluss,

Schuf die im Urschlammschmalz versunknen Welten:

Als erst zuäusserst war der Saum befestigt,

Da woben zwischenein sich Erd' und Himmel.
[6]

2.

Der Allschaffer, kraftvoll an Geist und Werken,

Der Schöpfer, Ordner ward dann höchster Anblick;

Mit Opfer jauchzt ihm zu der Menschen Wünschen,

Wo jenseits der Sternscharen thront die Einheit.


3.

Er, unser Vater, Schöpfer, er, der Ordner,

Kennt die Wohnstätten und die Wesen alle;

Er gab allein den Göttern ihre Namen,

Von ihm erfragten sie die andern Wesen.


4.

Ihm brachten, gleichwie Beter, Opfergaben

Aus ihrer Fülle dar die Erstlingsweisen,

Als aus dem Niederschlag des Weltenraumes,

Dem dunkeln, hellen, sie die Wesen schufen.


5.

Der hoch erhaben über Erd' und Himmel,

Erhaben über Götter und Dämonen, –

Wer war der Urkeim, den die Wasser bargen,

In dem die Götter all zu sehen waren?


6.

Er war der Urkeim, den die Wasser bargen,

In dem die Götter all versammelt waren,

Der Eine, eingefügt der ew'gen Nabe,

In der die Wesen alle sind gewurzelt.


7.

Ihr kennt ihn nicht, der diese Welt gemacht hat,

Ein andres schob sich zwischen euch und ihn ein;

Gehüllt in Nebel und Geschwätz umherziehn

Die Hymnensänger, ihren Leib zu pflegen.

Quelle:
Die Geheimlehre des Veda. Leipzig 1919, S. 5-7.
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