Der Purusha (Urmensch) als Weltschöpfer.

[7] Ṛigveda 10,90.


1.

Der Purusha mit tausendfachen Häuptern,

Mit tausendfachen Augen, tausend Füssen

Bedeckt ringsum die Erde allerorten,

Zehn Finger hoch noch drüber hin zu fliessen.


2.

Nur Purusha ist diese ganze Welt,

Und was da war, und was zukünftig währt,

Herr ist er über die Unsterblichkeit, –

Diejenige, die sich durch Speise nährt.


3.

So gross ist diese, seine Majestät,

Doch ist er grösser noch als sie erhoben;

Ein Viertel von ihm alle Wesen sind,

Drei Viertel von ihm sind unsterblich droben.


4.

Drei Viertel von ihm schwangen sich empor,

Ein Viertel wuchs heran in dieser Welt,

Um auszubreiten sich als alles, was

Durch Nahrung sich und ohne sie erhält.


5.

Aus ihm, dem Purusha, ist die Virâj,

Aus der Virâj der Purusha geworden;

Geboren überragte er die Welt

Nach vorn, nach hinten und an allen Orten.


6.

Als mit dem Purusha als Darbringung

Ein Opfer Götter angerichtet haben,

Da ward der Frühling Opferschmalz, der Sommer

Zum Brennholz und der Herbst zu Opfergaben.
[8]

7.

Als Opfertier ward auf der Streu geweiht

Der Purusha, der vorher war entstanden,

Den opferten da Götter, Selige

Und Weise, die sich dort zusammenfanden.


8.

Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier

Floss ab mit Schmalz gemischter Opferseim,

Daraus schuf man die Tiere in der Luft

Und die im Walde leben und daheim.


9.

Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier

Die Hymnen und Gesänge sind entstanden,

Aus ihm auch die Prunklieder allesamt,

Und was an Opfersprüchen ist vorhanden.


10.

Aus ihm entstammt das Ross, und was noch sonst

Mit Schneidezähnen ist auf beiden Seiten,

Aus ihm entstanden sind die Kuhgeschlechter,

Der Ziege und der Schafe Sonderheiten.


11.

In wieviel Teile ward er umgewandelt,

Als sie zerstückelten den Purusha?

Was ward sein Mund, was wurden seine Arme,

Was seine Schenkel, seine Füsse da?


12.

Zum Brâhmaṇa ist da sein Mund geworden,

Die Arme zum Râjanya sind gemacht,

Der Vaiçya aus den Schenkeln, aus den Füssen

Der Çûdra damals ward hervorgebracht.


13.

Aus seinem Manas ist der Mond geworden,

Das Auge ist als Sonne jetzt zu sehn,[9]

Aus seinem Mund entstand Indra und Agni,

Vâyu, der Wind, aus seines Odems Wehn.


14.

Das Reich des Luftraums ward aus seinem Nabel,

Der Himmel aus dem Haupt hervorgebracht,

Die Erde aus den Füssen, aus dem Ohre

Die Pole, so die Welten sind gemacht.


15.

Als Einschlusshölzer dienten ihnen sieben,

Und dreimal sieben als Brennhölzer da,

Als, jenes Opfer zurüstend, die Götter

Banden als Opfertier den Purusha.


16.

Die Götter, opfernd, huldigten dem Opfer,

Und dieses war der Opferwerke erstes;

Sie drangen mächt'gen Wesens auf zum Himmel,

Da wo die alten, seligen Götter weilen.

Quelle:
Die Geheimlehre des Veda. Leipzig 1919, S. 7-10.
Lizenz:

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