10. Feinde.

[16] II, 12.


1. Der Himmel mit der Erd, der weite Dunstkreis,

die Feldgöttin, der Hehre, der weit schreitet,

Das weite Luftgebiet, das windbeherrschte,

die sollen glühen, wenn mich Glut verzehret.

2. O höret diess, ihr opferwürdgen Götter!

Lobsprüche singt euch für mich Bharadvāja!

An's Unglück wie mit Stricken sei gefesselt

wer's wagt, uns unsern Sinn allhier zu schädgen.

3. Du Somatrinker Indra! höre, wenn ich,

von Schmerz durchglüht, aus tiefster Seel dir rufe:

Wie mit der Axt den Baum zerhau ich jenen,

der's wagt, uns unsern Sinn allhier zu schädgen.

4. Mit uns die dreimal achtzig Sāmasänger,

die Ādityas, Vasus und A girasen,

So schütze uns der Väter selge Wonne;

mit göttlich mächtgem Griff erfass ich diesen.

5. O seht nach mir, ihr beiden, Erd und Himmel!

Ihr Götter! schliesset euch mir an doch alle;[16]

Ihr Angiras, ihr somafrohen Ahnen!

wer Abscheuwürdges that, stürz ins Verderben.


6. Ihr Marutscharen! wer gering uns achtet,

wer uns ob dieses heilgen Werkes schmähet,

Dem werd die Bosheit ein verzehrend Feuer,

ringsum verseng der Himmel den Gottlosen!


7. Den Siebenodem trenn ich dir, dein achtfach Mark durch heilgen Spruch,

Begib dich hin zu Yama's Sitz, ganz fertig bring dich Agni hin.

8. Des Wesenkenners Agni Glut, die lass ich dich betreten jetzt,

Agni verzehre deinen Leib, in's Geisterwesen geh die Stimm.


III, 6.


1. Açvattha stammt vom Khadira, der männliche vom männlichen,

Drum bring er meine Feinde um, die, die mir gram sind, die ich hass.

2. Zerreiss die wild Andringenden, Açvattha, der du Alles sprengst,

Dir hilft Mitra und Varuna und Indra, der den Vṛitra schlug.

3. Wie du im Ocean der Luft, Açvattha, anseinanderreisst,

Also zerreiss die ganze Schar, die, die mir gram sind, die ich hass.

4. Der du dich unbezwinglich zeigst, dem unbezwungnen Stiere gleich,

Durch dich, Açvattha! möchten wir bezwingen alle, die uns feind.

5. Des Todes Bande schling um sie unlösbar Göttin Nirṛiti,

Um meine Feinde, Açvattha! die, die mir gram sind, die ich hass.

6. Gleichwie die Bäume du ersteigst, Açvattha! und sie unterwirfst,

So spalte meines Feindes Haupt entzwei und überwinde ihn!

7. Wegschwimmen sollen sie zerhaun, dem Schiff gleich, das vom Tau sich riss;

Wen der Zersprenger stösst hinweg, für den gibt's keine Wiederkehr.

8. Ich treib sie weg durch Geisteskraft, kraft des Gedankens und Gebets,

Mit diesem Baume treiben wir, mit des Açvattha Zweig, sie fort.


VI, 75.


1. Stoss den hinaus aus unsrem Heim, der uns beneidet und bekämpft!

Kraft des Verbannungsopfers hat Gott Indra sogleich ihn zermalmt.

2. Indra, der Vṛitratödter, treib denselben in die fernste Fern,

Von wo er nimmer wiederkehr, in allen künftgen Jahren nicht.

3. In die drei Fernen gehe er, durch die fünf Völker wandre er,

Dring durch die drei Lichträume durch, von wannen er nicht wiederkehr,

In allen künftgen Jahren nicht, so lang die Sonn am Himmel steht.
[17]

VII, 13.


1. Gleichwie die Sonn, wenn sie aufgeht, der Sterne Schimmer an sich zieht,

Also entziehe ich die Kraft dem, der mich hasst, Mann oder Weib.

2. Ob euer, Feinde! noch so viel mich anschaun, wenn ich vor euch tret,

Die Hasser blende ich, gleichwie die Morgensonn des Schläfers Aug.

Quelle:
Hundert Lieder des Atharva-Veda. Tübingen 1879 [in: Schulschriften a. d. Kgr. Würtemberg. Nachtrag 1869–80], S. 16-18.
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