Die einzelnen Linien

[80] Anfangs eine Sechs bedeutet:

Begeisterung, die sich äußert, bringt Unheil.


Jemand in untergeordneter Stellung hat vornehme Beziehungen, deren er sich begeistert rühmt. Durch diesen Übermut zieht er mit Notwendigkeit das Unheil an. Begeisterung darf nie ein egoistisches Gefühl sein, sondern nur als allgemeine Stimmung, die mit andern verbindet, hat sie ihre Berechtigung.


Sechs auf zweitem Platz bedeutet:

Fest wie ein Stein. Kein ganzer Tag.

Beharrlichkeit bringt Heil.


Es wird hier jemand gezeichnet, der sich von keinen Illusionen betören läßt. Während andere durch Begeisterung sich blenden lassen, erkennt er vollkommen klar die ersten Zeichen der Zeit. So ist er nach oben hin nicht schmeichlerisch, nach unten hin nicht nachlässig. So ist er fest wie Stein. Sobald das erste Anzeichen von Mißstimmung sich zeigt, weiß er sich rechtzeitig zurückzuziehen, ohne auch nur einen Tag zu versäumen. Beharrlichkeit in solchem Tun bringt Heil.

Konfuzius sagt darüber: »Die Keime zu kennen, das ist wohl göttlich. Der Edle ist im Verkehr nach oben hin nicht schmeichelnd, im Verkehr nach unten hin nicht anmaßend. Er kennt wohl die Keime. Die Keime sind der erste unmerkliche Beginn der Bewegung, das, was von Heil (und Unheil) zuerst sich zeigt.[80] Der Edle sieht die Keime und handelt sofort. Er wartet nicht erst den ganzen Tag. Im Buch der Wandlungen heißt es:

›Fest wie ein Stein. Kein ganzer Tag. Beharrlichkeit bringt Heil.‹

Fest wie ein Stein, wozu ein ganzer Tag?

Das Urteil kann man wissen.

Der Edle kennt Geheim- und Offenbares.

Er kennt das Schwache, kennt das Starke auch:

Drum schauen die Myriaden zu ihm auf.«


Sechs auf drittem Platz bedeutet:

Nach oben blickende Begeisterung schafft Reue.

Zögern bringt Reue.


Es ist hier das Gegenteil der vorigen Linie; dort Selbständigkeit, hier das begeisterte Emporblicken. Zögert man zu lange, so schafft auch das Reue. Es gilt in der Annäherung den richtigen Moment zu ergreifen; nur dann trifft man das Rechte.


Û Neun auf viertem Platz bedeutet:

Der Ursprung der Begeisterung. Er erreicht Großes.

Zweifle nicht.

Die Freunde scharen sich um dich

wie um eine Haarspange.


Jemand, der Begeisterung zu erwecken vermag durch die eigene Sicherheit und Freiheit von Bedenken: dadurch, daß er nicht zweifelt und ganz wahrhaftig ist, zieht er die Menschen an. Indem er ihnen Vertrauen schenkt, gewinnt er sie zu begeisterter Mitarbeit und hat Erfolg. Wie eine Haarspange den Haaren Halt gibt und sie vereinigt, so vereinigt er die Menschen durch den Halt, den er ihnen gibt.


Sechs auf fünftem Platz bedeutet:

Beharrlich krank und stirbt doch immer nicht.


Die Begeisterung wird hier verhindert. Man befindet sich unter dauerndem Druck, der nicht zu freiem Aufatmen kommen läßt. Aber dieser Druck hat unter Umständen sein Gutes. Man wird dadurch bewahrt, daß man seine Kräfte in leerer Begeisterung aufzehrt. So kann der dauernde Druck gerade dazu dienen, daß man am Leben bleibt.


Oben eine Sechs bedeutet:

Verblendete Begeisterung.

Aber wenn man nach der Vollendung zur Änderung

kommt, so ist das kein Makel.


[81] Wenn man sich von der Begeisterung verblenden läßt, so ist das vom Übel. Aber wenn diese Verblendung auch schon vollendete Tatsache ist und man kann sich noch ändern, so wird man frei von Makel. Ernüchterung aus falscher Begeisterung ist sehr wohl möglich und ist sehr günstig.


Die einzelnen Linien
Quelle:
I Ging. Köln 141987, S. 80-82.
Lizenz:

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