Die einzelnen Linien

[157] Anfangs eine Neun bedeutet:

Wenn die Geschäfte fertig sind, rasch hingehen,

ist kein Makel.

Doch muß man überlegen,

wie weit man andere mindern darf.


Es ist selbstlos und gut, wenn man nach Erledigung der unmittelbar wichtigen eigenen Aufgaben seine Kraft in den Dienst der anderen stellt und, ohne viel daraus zu machen oder zu prahlen, rasch hilft, wo zu helfen ist. Aber der Mann an höherer Stelle, dem so geholfen wird, muß wohl überlegen, wieviel er annehmen darf, ohne den hilfreichen Diener oder Freund im wesentlichen zu schädigen. Nur wo solches Zartgefühl vorhanden ist, kann man sich ohne Bedenken unbedingt geben.


Neun auf zweitem Platz bedeutet:

Fördernd ist Beharrlichkeit.

Etwas zu unternehmen, ist von Unheil.[157]

Ohne sich selbst zu mindern,

vermag man die andern zu mehren.


Ein edles Selbstbewußtsein und konsequenter Ernst, der sich nichts vergibt, ist die Gesinnung, die notwendig ist, wenn man andern dienen will. Wer sich wegwirft, um einem Höheren zu Willen zu sein, der mindert zwar seine eigene Stellung, ohne aber dem andern dauernd zu nützen. Das aber ist vom Übel. Ohne sich selbst aufzugeben, dem andern zu dienen, das erst ist der wahre Dienst von dauerndem Wert.


± Sechs auf drittem Platz bedeutet:

Wenn drei Menschen miteinander wandern,

so vermindern sie sich um einen Menschen.

Wenn ein Mensch wandert,

so findet er seinen Gefährten.


Wo drei zusammen sind, da gibt es Eifersucht. Da muß einer weichen. Engste Verbindung ist nur zu zweien möglich. Wo aber einer einsam ist, da findet er sicher seinen Gefährten, der ihn ergänzt.


Sechs auf viertem Platz bedeutet:

Wenn man seine Mängel mindert,

macht man, daß der andre eilig kommt und Freude hat.

Kein Makel.


Oft hindern unsere Fehler selbst wohlgesinnte Menschen, uns näherzutreten. Diese Fehler werden oft verstärkt und schlimmer gemacht durch die Umgebung, in der wir uns befinden. Wenn man es über sich bringen kann, sich herabzugeben und sie abzulegen, so befreit man die wohlgesinnten Freunde von einem inneren Druck und bewirkt, daß sie sich nur um so schneller nahen zu beiderseitiger Freude.


Û Sechs auf fünftem Platz bedeutet:

Es mehrt ihn wohl jemand.

Zehn Paar Schildkröten können dem nicht widerstreben.

Erhabenes Heil!


Wenn jemand vom Schicksal zum Glück bestimmt ist, so kommt es unweigerlich. Alle Orakel, wie sie z.B. durch Schildkrötenschalen gewonnen werden, müssen in günstigen Zeichen zu seinen Gunsten übereinstimmen. Er braucht sich vor nichts zu fürchten, denn sein Glück ist höhere Fügung.
[158]

± Oben eine Neun bedeutet:

Wenn man ohne Minderung der anderen gemehrt wird,

so ist das kein Makel. Beharrlichkeit bringt Heil.

Fördernd ist es, etwas zu unternehmen.

Man bekommt Diener,

aber hat kein besonderes Heim mehr.


Es gibt Menschen, die Segen spenden für die ganze Welt. Jeder Kraftzuwachs, jede Mehrung, die ihnen zuteil wird, kommt allen Menschen zugute und bedeutet daher keine Minderung für die andern. Durch beharrliche und eifrige Arbeit hat man Erfolg und findet Gehilfen, wie man sie braucht. Aber was man wirkt, ist nicht ein irgendwie begrenzter Privatvorteil, sondern es ist offen und für jeder mann zugänglich.

Fußnoten

1 Vgl. das Scherflein der Witwe im Lukasevangelium.


Die einzelnen Linien
Quelle:
I Ging. Köln 141987, S. 157-159.
Lizenz:

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