III, 30, [264.] An Indra.

[76] Indra wird aufgefordert, Soma zu trinken (Vers 1. 2), die Feinde mit Kraft zu schlagen (3-6) und Güter zu schenken. Dann werden seine Thaten geschildert (7-14), seine Heldenthaten wider Vritra und Vala (8. 10) und seine Werke in der Natur (9. 11-14.) Dann wird er gebeten, die herandringenden Feinde und Dämonen zu tödten (15-17) und den Sängern reiches Gut zu schenken (18-22.) Die Verse 9 und 10 werden umzustellen sein.


1. Dir streben zu mit Soma die Genossen,

sie pressen Soma, reichen dar die Speisen;

Sie wehren ab von sich den Fluch der Menschen;

denn jede Einsicht kommt von dir, o Indra.

2. Nicht ferne sind dir auch die höchsten Räume,

auf, Herr der Rosse, komm mit deinen Füchsen,

Dem starken Stiere stehn bereit die Säfte,

die Steine sind geschirrt, entzündet Agni.

3. Der schönbehelmte mächt'ge Sieger wirket

mit grosser Schar viel Thaten Indra, stürmend,

Wo sind, o starker, deine Heldenkräfte,

dass du, o Stier, bestürmt den Menschen Gut schenkst?

4. Denn du fürwahr bewegst das unbewegte,

ziehst aus allein, zu tödten deine Feinde;

Sich fügend deinem Willen stehn die Berge,

wie festgebannt der Himmel und die Erde.[76]

5.56 Denn du allein zerschlugst mit Macht das Feste,

als Vritratödter, furchtlos, vielgerufner,

Wenn, starker, du die unbegränzten Welten

ergreifst, sind, Indra, dir sie eine Hand voll.

6.57 Vor eil' dein Wagen jählings mit den Füchsen,

und vor dein Blitz, die Feinde niederschmetternd,

Erschlag' die vordern, mittleren und letzten;

lass alles wahr sein und von dir vollendet.

7. der Sterbliche, dem gabenreich du schenktest

erlangt, o Indra, nicht erlangten Hausrath,

Fetttriefend ist und heilvoll deine Güte

und tausendfach die Gab', o vielgerufner.

8. Der da lag sammt dem Dämon, vielgerufner,

den trafst du, Indra, handlos ward er, armlahm;

Den bösen Vritra, ihn der mächtig anwuchs,

zerschlugst mit Kraft du, Indra, fusslos ward er.

10. Der geiz'ge Vala und der Stall der Kühe,

sie gaben nach aus Furcht vor deinem Hiebe;

Die Pfade bahnt' er, trieb heraus die Kühe,

der Winde Ton war lieb dem vielgerufnen.

9. Du setztest Indra hin die gleiche Erde

an ihren Sitz, die saft'ge, reiche, weite;

Es festigte der Stier die Luft, den Himmel,

von dir erregt hier mögen Fluten rinnen.

11. Die zwei vereinten güterreichen füllte

der eine Indra beide Erd' und Himmel,

Und aus der Luft auch fährst du her uns Tränke

im Wagen, und, o Held, verbundne Speisen.

12. Die Sonne ändert nicht die festen Ziele,

der Tag für Tag vom Rosseherrn gesetzt sind,

Wenn sie die Bahn durchlaufen, dann erst lenkt sie

zur Einkehr mit den Rossen, das ist sein Werk.

13. Im Lauf der Nacht auch möchten alle sehen

den grossen, hellen Schein des prächt'gen Frühroths;

Es kennen alle, wenn mit Glanz es ankam,

des Indra viele schöngethanen Werke.

14. Ein grosser Glanz ist in den Leib gesetzet,

die rohe Kuh geht tragend garen Milchtrank

Vereint ist alles Süsse in der Milchkuh,

was Indra machte zum Genuss der Menschen.

15.58 Erstark' o Indra, Wegelag'rer kamen,

dem Opfer hilf, dem Sänger und den Freunden;

Zu tödten sind die zauberischen Menschen,

die bösen, und die Feinde Köcher tragend.[77]

16. Der Lärm erschallt von allernächsten Feinden,

auf sie wirf nieder deinen schärfsten Blitzstrahl;

Zerbrich, zerspalte sie von unten, siege,

den Nachtgeist schlag', o starker, unterwirf ihn.

17. Reiss aus den Nachtgeist mit der Wurzel, Indra,

spalt mitten durch ihn, brich ihm seinen Schädel;

Wie weit bist du umhergeschweift vergeblich,

auf Andachthasser wirf die heisse Lanze.

18. Wenn mit den Rossen du zum Heil, o Lenker,

dich zu den vielen, reichen Tränken setzest,

So seien wir Empfänger grossen Gutes,

uns Indra sei ein kinderreicher Antheil.

19. Uns bring' herbei, o Indra, schönen Antheil,

lass uns der Gabe Ueberfluss empfangen;

Wie Meeresbecken dehnt sich unser Wunsch aus,

den fülle an mit Gütern, Herr des Gutes.

20. Befried'ge diesen Wunsch durch Ross und Rinder,

und mach ihn weit durch glänzende Geschenke;

Nach Glück verlangend brachten mit Gebeten

dem Indra Gaben Kuçiker, die Sänger.

[21. Erschliess die Ställ' und Rinder, Herr der Rinder,

uns mögen kommen Gaben und Genüsse;

Im Himmel wohnest, wahrhaft starker Held du,

o Reicher, sei uns reichlich Kühe spendend.

22. Den mächt'gen Indra rufen wir zum Heil uns,

den männlichsten in diesem Kampf um Beute;

Den starken, der erhört zur Hülf' in Schlachten,

die Feinde tödtet und ihr Gut erbeutet.]

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 76-78.
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