VI, 17. [458.] An Indra.

[247] 1. Den Soma trink, den, mächt'ger, du erschlossest,

so wie den Kuhstall, hochgepries'ner Indra,

Der, Kühner, du, den Blitz im Arm, den Vritra

mit Kraft erschlugst und alle Feindesscharen.

2. So trink ihn denn, vordringend du und siegreich,

der gross an Lippen du der Andacht Stier bist,

Stallöffner du, Blitzträger, Rossbesteiger,

erschliesse, Indra, dir die reichen Laben.

3. So trink, er mög' nach alter Art erfreun dich,

Gebet vernimm und labe dich an Liedern;

Mach offenbar die Sonne, fett die Tränke,

die Feinde tödte, Indra, lös die Kühe.

4. Dich, Indra, stärkten mächtig diese Tränke,

selbstherrlicher, den lichten die getrunknen,

Den grossen, starken, ganz vollkommnen, mächt'gen

erfreuten die berauschenden, den Sieger.

5. Durch die erquickt, die Sonn' und Morgenröthen

erhellt du hast, zersprengend alles Feste;

Den grossen Fels, der, Indra, barg die Kühe,

den starren stiessest du von seinem Sitze.

6. Durch deine Macht und Wunderkräfte legtest

du rüstig gare Milch in rohe Kühe;

Den rothen that'st du auf die festen Thüren,

durch deine Boten aus dem Stall sie lassend.

7. Du fülltest aus die grosse Erd' ein Prachtwerk,

und stütztest, grosser Indra, fest den Himmel;

Du trugst der Götter Aelternpaar, die Welten,

die alten, hehren Mütter heil'gen Rechtes.

8. Da stellten, Indra, dich die Götter alle

zum Kampf voran, dich als den einzig starken;

Als auf die Götter lauerte der Ungott,

da wählten sie beim Himmelssturm den Indra.

9. Da bog der Himmel selbst vor seinem Blitz sich

sogleich herab aus Furcht vor seinem Zorne,

Als allgewaltig Indra schlug den Drachen,

den lauernden zu Boden auf dem Lager.

10. Da drehte, starker, dir der grosse Tvaschtar

den tausendzack'gen Blitz, den hundertkant'gen,

Den gier'gen, der dem Willen folgt, mit dem du

die Schlang', o Held, die tobende zermalmtest.[247]

11. Dir, den vereint die Maruts alle stärken,

dir briet, o Indra, Puschan hundert Büffel;

Sie all und Vischnu strömten drei der Seen

ihm zu, den Saft, der Rausch gibt, Feinde tödtet.

12. Den grossen Schwall der Ströme, den versteckten,

die rings umstellten Wogen machtest frei du,

Und ihre Bahn am Abhang hin, o Indra;

du liessest eilend sie zum Meere strömen.

13. Den Indra, der dies alles so vollbracht hat,

den grossen, starken, ew'gen Kraftverleiher,

Der gute Helden, Waffen, guten Blitz führt,

dich wende her das neue Lied zur Hülfe.

14. So schenke, Indra, uns, den Sängern, Labung

viel Speis' und Trank und glanzbegabten Reichthum,

Dem Bharadvadscha männerreiche Helden,

und hilf uns, Indra, am Entscheidungstage.

(15. siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 247-248.
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