IV, 3. [299.] An Agni.

[111] Recht in Vers 9-12 bedeutet das gerechte, heilige Werk, Gottesdienst, rechte Gesinnung u.s.w.


1. Des Opfers König, ihn den hehren Agni,

der recht verehrt, den Priester beider Welten,

Eh' noch der laute Donnerer gewahrt wird,

schafft euch zur Hülfe her, den goldgefärbten.

2. Hier ist der Schooss, den wir dir zubereitet,

wie dem Gemahl die will'ge schöne Gattin,

Setz nieder dich, recht nahe rings umhüllter;

auch diese Tränke nah'n sich dir, willkommner.

3.82 Dem holdgesinnten, welcher hört und aufmerkt,

dem männerschaunden sprich Gebet, Verehrer;

Dem Gotte, dem Unsterblichen ein Loblied,

ihn ruf' ich, wie der Stein, der Soma keltert.

4. Beachte recht dies unser Werk, o Agni,

den frommen Brauch, o Kenner frommen Brauches;

Wann tönen dir die frohen Festgesänge?

wann schliesst sich Freundschaft dir in deinem Hause?[111]

5. Wie klagst du das dem Varuna, o Agni?

warum dem Himmel? was ist unsre Sünde?

Warum dem gnäd'gen Mitra und der Erde?

was sagst du nun dem Arjaman und Bhaga?

6. Was willst, o Agni, an Altären wachsend,

dem mächt'gen Wind du sagen, der zum Schmuck eilt,

Der ringsum wandelt, dem wahrhaft'gen Stiere,

dem Rudra, Agni, ihm, der Männer tödtet?

7.83 Was willst dem grossen Nahrungbringer Puschan,

dem kampfgeübten Somatrinker Rudra,

Dem Weithinschreiter Vischnu welches Unrecht,

was, Agni, sagen du dem grossen Speergott?

8. Wie gibst der heil'gen Marutschar du Antwort,

wenn du gefragt wirst? wie der hohen Sonne?

Dem kräftigen und schrankenlosen Gotte?

zum Himmel schreite weiser Wesenkenner.

9. Durch Recht erstreb' ich rechte Gab' der Milchkuh,

die rohe strebt nach garem süssen Safte;

Die dunkle schwillt vom schimmernden Getränke,

von nahrungsreicher (?) Milch, o Agni, strotzend.

10. Denn traun der Stier durch rechte Milch gesalbet

auf seinem Rücken, Agni, er der Mannheld,

Nicht gleitend wandert er, der Kraftverleiher,

der Same strömt dem Stier, der Kuh das Euter.

11. Durch Recht zerstückten sie den Fels, ihn spaltend,

die Angirasen jauchzten mit den Kühen;

Zum Heil umsassen sie die Morgenröthe,

hell ward der Himmel bei des Agni Zeugung.

12. Durch Recht auch strömten unversehrt, unsterblich

die Wasser vor mit honigsüssen Fluten,

So wie ein schnaubend Ross in schnellem Wettlauf,

die Göttinnen zu ew'gem Strom, o Agni.

13. Verfolg als Rächer nicht des Menschen Unrecht

nicht falscher Freunde oder Hausgenossen,

Nicht, Agni, räch die Schuld des sünd'gen Bruders,

nicht komm uns Noth von feindlichen Genossen.

14. Behüt, o Agni, uns durch deine Huten,

und holdgesinnt, o Held, du starker Hüter,

O stoss hinweg, zerbrich das harte Drangsal,

und das Gespenst, auch wenn es hoch sich aufthürmt.

15. Durch diese Lieder sei uns hold, o Agni,

berühr, o Held, erbetner, diese Speisen;

Und die Gebet' empfang, o Himmelsbote,

dir rausche zu das gottgefäll'ge Loblied.[112]

16. Gesungen hab' ich alle diese Lieder,

o Ordner, Agni, und geheime Worte;

dem weisen Seher weisheitsvolle Reden,

o Priester, dir mit Sprüchen und Gebeten.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 111-113.
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