X, 15. [841.] An die Ahnen (Väter.)

[301] Der letzte Vers zeigt, dass eine Leichenverbrennung Anlass zu dem Liede gab.


1. Erheben mögen sich die ersten Väter,

die letzten und die mittelsten, die frommen,

Die ohne Leid ins Geisterreich gelangt sind,

bei Festen sein uns hold die opferkund'gen.

2. Dies Andachtswerk sei heut geweiht den Vätern,

die früher und die später heimgegangen,

Die in der Luft, der Erde wohnen, oder

in schönbewohnten Dörfern nun verweilen.

3. Ich hab' entdeckt die gabenreichen Väter,

die Kinder und den höchsten Schritt des Vischnu,

Sie, die mit Lust den saft'gen Trank geniessen,

wenn auf der Streu sie sitzen, kommen gern her.

4. O Väter, auf der Streu, mit Hülfe naht euch;

hier haben wir euch Trank gebraut, geniesst ihn;

Mit segensreichster Hülfe kommet her nun

und schenkt uns Heil und unversehrten Segen.

5. Geladen sind die Soma-frohen Väter

zu lieben Speisen, welche auf der Streu stehn;

Sie mögen kommen und uns hier erhören

und freundlich zu uns reden und uns helfen.

6. Nachdem ihr mit gebeugtem Knie zur Rechten

gesetzt euch, nehmet alle gern dies Opfer;

Ihr Väter, straft uns nicht um eine Sünde,

die wir an euch nach Menschenart verüben.

7. Hier sitzend in dem Schooss der Morgenröthen

verleihet Gut dem sterblichen Verehrer,

Von diesem Reichthum theilet euren Söhnen,

o Väter, aus, und bringet grosse Kraft her.

8. Mit unsern Ahnen, die den Soma lieben,

den besten, die zum Somatrunk gekommen,

Geniesse Jama huldreich unsre Tränke

behaglich mit den gierigen begierig.

9. Die bei den Göttern sitzend, lechzend dürsten,

die Opfer kennend, mit Gesang gepriesen,

Mit denen, Agni, komm, den holden Vätern,

den treuen, weisen, die im Lichte wohnen.

10. Die Opfer essen, Opfer trinken, treu sind,

vereint mit Indra und den Göttern fahren,

Mit tausend Vätern, früheren und spätern

komm, Agni, die im Licht die Götter preisen.[302]

11. Ihr einst verzehrt vom Feuer naht, o Väter, euch,

die schön ihr leitet, setzet euch auf Sitz für Sitz;

Geniesst die dargereichten Speisen auf der Streu

und schenkt uns Gut, das alle Männer reichlich nährt.

12. Du Wesenkenner, Agni, bist gepriesen,

du fuhrst die Opfer jetzt, sie duftig schmückend,

Gabst sie den Vätern, die mit Lust sie assen;

iss du, o Gott, die dargereichten Speisen.

13. Die Väter welche hier, und die nicht hier sind,

und die wir kennen und die nicht wir kennen,

Du weisst wie viel es sind, o Wesenkenner,

mit Lust geniess das schön bereite Opfer.

14. Mit den verbrannten und den nicht verbrannten,

die lustig schwelgen in des Himmels Mitte,

Mit denen führ, o Herrscher, diesen Körper

zum Geisterreich und bild' ihn nach Gefallen.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 301-303.
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