1 In der Schrift: Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre, oder der sogenannter Philosophie: Weimar im Verlage des Industrie-Comptoirs, 1794.
2 Dies haben alle diejenigen übersehen, die da erinnern, entweder was der erste Grundsatz besage, komme unter den Thatsachen des Bewusstseyns nicht vor, oder es widerspreche denselben. [Anm. der 2ten Ausg.]
3 Die der allgemeinen Logik. – [2te Ausg.]
4 So ist es auch allerdings der logischen Form jedes Satzes nach. In dem Satze: A = A ist das erste A dasjenige, welches im Ich, entweder schlechthin, wie das Ich selbst, oder aus irgend einem Grunde, wie jedes bestimmte Nicht-Ich gesetzt wird. In diesem Geschäfte verhält sich das Ich als absolutes Subject; und man nennt daher das erste A das Subject. Durch das zweite A wird dasjenige bezeichnet, welches das sich selbst zum Objecte der Reflexion machende Ich, als in sich gesetzt, vorfindet, weil es dasselbe erst in sich gesetzt hat. Das urtheilende Ich prädicirt etwas, nicht eigentlich von A, sondern von sich selbst, dass es nemlich in sich ein A vorfinde: und daher heisst das zweite A das Prädicat, – So bezeichnet im Satze: A = B, A das, was jetzt gesetzt wird; B dasjenige, was als gesetzt schon angetroffen wird. – Ist drückt den Uebergang des Ich vom Setzen zur Reflexion über das gesetzte aus.
5 Dies Alles heisst nun mit anderen Worten, mit denen ich es seitdem ausgedrückt habe. Ich ist nothwendig Identität des Subjects und Objects: Subject-Object; und dies ist es schlechthin ohne weitere Vermittelung. Dies, sage ich, beisst es; ohnerachtet dieser Satz nicht so leicht eingesehen und nach seiner hohen, vor der W. L. durchgängig vernachlässigten Wichtigkeit erwogen ist, als man denken möchte; daher die vorhergehenden Erörterungen desselben nicht erlassen werden können. [Anm. zur 2ten Ausg.]
6 Es giebt nur zwei Systeme, das kritische und das dogmatische. Der Skepticism, so wie er oben bestimmt wird, würde Bar kein System seyn: denn er läugnet ja die Möglichkeit eines Systems überhaupt. Aber diese kann er doch nur systematisch läugnen, mithin widerspricht er sich selbst und ist ganz vernunftwidrig Es ist durch die Natur des menschlichen Geistes schon dafür gesorgt, dass er auch unmöglich ist. Noch nie war Jemand im Ernste ein solcher Skeptiker. Etwas anderes ist der kritische Skepticism, der des Humo, des Maimon, des Aenesidemus, der die Unzulänglichkeit der bisherigen Gründe aufdeckt, und eben dadurch andeutet, wo haltbarere zu finden sind. Durch ihn gewinnt die Wissenschaft allemal, wenn auch nicht immer an Gehalte, doch sicher in der Form – und man kennt die Vortheile der Wissenschaft schlecht, wenn man dem scharfsinnigen Skeptiker die gebührende Achtung versagt.
7 Es ist merkwürdig, dass im gemeinen Sprachgebrauche das Wort relativ stets richtig, stets von dem gebraucht worden, was bloss durch die Quantität unterschieden ist, und durch weiter nichts unterschieden werden kann; und dass man dennoch gar keinen bestimmten Begriff mit dem Worte Relation, von welchem jenes abstammt, verbunden.
8 Das Nichtseyn läst sich nicht wahrnehmen. [Zusatz der 2. Ausg.]
9 [Zusatz der 2ten Ausg.]
10 [Zusatz der 2ten Ausg.]
11 [Statt dessen in der zweiten Ausgabe:] »und das kann der dogmatische Hang im Menschen nicht fassen.«
12 Weniger für meine Zuhörer, als für andere – gelehrte, und – philosophische Leser, denen diese Schrift etwa in die Hände fallen solle, sey folgende Anmerkung. – Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten. Daher haben sie Kant nicht verstanden, und seinen Geist nicht geahndet; daher werden sie auch diese Darstellung, obgleich die Bedingung alles Philosophirens ihr an die Spitze gestellt ist, nicht verstehen. Wer hierüber noch nicht einig mit sich selbst ist, der versteht keine gründliche Philosophie, und er bedarf keine. Die Natur, deren Maschine er ist, wird ihn schon ohne alle sein Zuthun in allen Geschäften leiten, die er auszuführen hat. Zum Philosophiren gehört Selbstständigkeit: und diese kann man sich nur selbst geben. – Wir sollen nicht ohne Auge sehen wollen; aber sollen auch nicht behaupten, dass das Auge sehe. (Anm. zur 1ten Ausg.) Es ist bei der ersten Erscheinung dieser Note im Umkreise des Verfassers mannigfaltig über sie gespottet worden, von Einzelnen, die sich durch sie getroffen fühlten. Ich wollte sie gegenwärtig vertilgen; aber ich erinnere mich, dass sie leider noch immer gilt. [Anm. zur 2ten Ausg.]
13 Ein vermitteltes Beilegen. [Zusatz der 2. Ausg.]
14 Kant erweist die Idealität der Objecte aus der vorausgesetzten Idealität der Zeit und des Raumes: wir werden umgekehrt die Idealität der Zeit und des Raumes aus der erwiesenen Idealität der Objecte erweisen. Er bedarf idealer Objecte, um Zeit und Raum zu füllen; wir bedürfen der Zeit und des Raumes, um die idealen Objecte stellen zu können. Daher geht unser Idealismus, der aber gar kein dogmatischer, sondern ein kritischer ist, um einige Schritte weiter, als der seinige.
Es ist hier weder der Ort zu zeigen, was sich übrigens handgreiflich zeigen lässt, dass Kant sehr wohl auch das wusste, was er nicht sagte; noch der, die Gründe anzugeben, warum er nicht alles sagen konnte noch wollte, was er wusste. Die hier aufgestellten und aufzustellenden Principien liegen offenbar den seinigen zum Grunde, wie jeder sich überzeugen kann, der sich mit dem Geiste seiner Philosophie (die doch wohl Geist haben dürfte) vertraut machen will. Dass er in seinen Kritiken die Wissenschaft nicht, sondern nur die Propädeutik derselben aufstellen wolle, hat er einige Mal gesagt; und es ist schwer zu begreifen, warum seine Nachbeter nur dieses ihm nicht haben glauben wollen. [Anm. der 1. Ausg.]
15 qualitativen. [Anm. der 2. Ausg.]
16 [Marginalzusatz des Verf.]
17 Wie jene Aufgabe zur Bestimmung je zu seiner Wissenschaft gelangen könne, so dass es sich nun selbst mit Wissen darnach bestimmte. [Zusatz der 2. Ausg.]
18 des Philosophirens. [Zusatz der 2. Ausg.]
19 Ein Hinschauen – in activer Bedeutung – eines unbestimmten Etwas. [Zusatz der 2. Ausg.]
20 gleichsam zum Stehen gebracht wird [Zusatz der 2. Ausg.]
21 wiewohl erst durch die Einbildungskraft. [Zusatz der 2. Ausg.]
22 In Beziehung auf u.s.w. [Zweite Ausg.]
23 beide, das anschauende und das angeschaute. [Zw. Ausg.]
24 Die reine Vernunft ohne Einbildungskraft, in theoretischer Bedeutung; diejenige, welche Kant in der Kritik der reinen Vernunft zu seinem Objecte machte. [Zusatz der 2. Ausg.]
25 Wer in dieser Aeusserung tiefen Sinn und ausgebreitete Folgen ahnet, ist mir ein sehr willkommener Leser, und er folgere aus ihr nach seiner eigenen Art immer ruhig fort. – Ein endliches Wesen ist nur als Intelligenz endlich; die praktische Gesetzgebung, die ihm mit dem Unendlichen gemein seyn soll, kann von nichts ausser ihm abhangen.
Auch diejenigen, welche sich die Fertigkeit erworben haben, aus wenigen Grundlinien eines völlig neuen, und von ihnen nicht zu übersehenden Systems – wenn auch nichts weiter, doch aufs mindeste Atheismus zu wittern, halten sich indessen an diese Erklärung, und sehen, was sie etwa daraus machen können. [Anm. der 1. Ausg.]
26 Kants kategorischer Imperativ. Wird es irgendwo klar, dass Kant seinem kritischen Verfahren, nur stillschweigend, gerade die Prämissen zu Grunde legte, welche die Wissenschaftslehre aufstellt, so ist es hier. Wie hätte er jemals auf einen kategorischen Imperativ, als absolutes Postulat der Uebereinstimmung mit dem reinen Ich, kommen können, ohne aus der Voraussetzung eines absoluten Seyns des Ich, durch welches alles gesetzt wäre, und, inwiefern es nicht ist, wenigstens seyn sollte. – Kants mehrste Nachfolger scheinen das, was sie über den kategorischen Imperativ sagen, diesem grossen Manne bloss nachzusagen, und über den Grund der Befugniss eines absoluten Postulats noch nicht aufs reine genommen zu seyn. – Nur weil, und inwiefern das Ich selbst absolut ist, hat es das Recht, absolut zu postuliren; und dieses Recht erstreckt sich denn auch nicht weiter, als auf ein Postulat dieses seines absoluten Seyns, aus welchem denn freilich noch manches andere sich dürfte deduciren lassen. – Eine Philosophie, die an allen Enden, wo sie nicht weiter fortkommen kann, sich auf eine Thatsache des Bewusstseyns beruft, ist um weniges gründlicher, als die verrufene Popular-Philosophie.
27 Die Behauptung, dass die reine Thätigkeit an sich, und als solche, sich auf ein Object beziehe und dass es dazu keiner besonderen absoluten Handlung des Beziehens bedürfe, wäre der transcendentale Grundsatz des intelligiblen Fatalismus; des consequentesten Systems über Freiheit, das vor der Begründung einer Wissenschaftslehre möglich war: und aus diesem Gundsatze wäre man denn allerdings in Rücksicht auf endliche Wesen zu der Folgerung berechtigt, dass, insofern keine reine Thätigkeit gesetzt seyn könne, inwiefern sich keine äussere, und dass das endliche Wesen schlechthin endlich, es versteht sich nicht durch sich selbst, sondern durch etwas ausser ihm, gesetzt sey. Von der Gottheit, d. i. von einem Wesen, durch dessen reine Thätigkeit unmittelbar auch seine objective gesetzt wäre, würde, wenn nur nicht überhaupt ein solcher Begriff für uns überschwenglich wäre, das System des intelligiblen Fatalismus gelten.
28 Bedingung der Möglichkeit – [Marginalverbesserung.]
29 kann nur – [Marginalverbesserung]
30 Im consequenten Stoicismus wird die unendliche Idee des Ich genommen für das wirkliche Ich; absolutes seyn und wirkliches Daseyn werden nicht unterschieden. Daher ist der stoische Weise allgenugsam und unbeschränkt; es werden ihm alle Prädicate beigelegt, die dem reinen Ich, oder auch Gott zukommen. Nach der stoischen Moral sollen wir nicht Gott gleich werden, sondern wir sind selbst Gott Die Wissenschaftslehre unterscheidet sorgfältig absolutes Seyn und wirkliches Daseyn, und legt das erstere bloss zum Grunde, um das letztere erklären zu können. Der Stoicismus wird dadurch widerlegt, dass gezeigt wird, er könne die Möglichkeit des Bewusstseyns nicht erklären. Darum ist die Wissenschaftslehre auch nicht atheistisch, wie der Stoicismus nothwendig seyn muss, wenn er consequent verfährt.
31 aufgehoben.
32 Die Wissenschaftslehre soll den ganzen Menschen erschöpfen; sie lässt daher sich nur mit der Totalität seines ganzen Vermögens auffassen. Sie kann nicht allgemein geltende Philosophie werden, so lange in so vielen Menschen die Bildung eine Gemüthskraft zum Vortheil der anderen, die Einbildungskraft zum Vortheil des Verstandes, den Verstand zum Vortheil der Einbildungskraft, oder wohl beide zum Vortheil des Gedächtnisses tödtet; sie wird so lange sich in einen engen Kreis einschliessen müssen – eine Wahrheit, gleich unangenehm zu sagen, und zu hören, die aber doch Wahrheit ist.
33 besonderen. [Marginalzusatz des Verf.]
34 d.h. [Marginalzusatz des Verf.]
35 Sich-abschliessen im einzelnen Objecte. [Marginalverbesserung.]
36 Wollen und Handeln. [Marginalverbesserung.]
37 Erst durch die Synthesis des Zuckers mit einem bestimmten u.s.w. [Marg. V.]
38 wie süss, roth u. dgl. [Marg. Zusatz.]
39 in den einzigen Punct, den ihr fühlt? [Marg. Zusatz.]
40 von X in C. – [Marg. Zusatz.]
41 ohne Gegensetzung. – [Marg. Zusatz.]
42 ein wechselndes. – [Marg. Zusatz.]
43 Das bestimmte ersehnte. – [Marg. Zusatz.]