1 Der eigentliche Streit, der zwischen beiden obwaltet, und in welchem die Skeptiker sich mit Recht auf die Seite der Dogmatiker, und mit Ihnen des gesunden Menschenverstandes, der zwar nicht als Richter, aber als ein nach Artikeln zu vernehmender Zeuge gar sehr in Betrachtung kommt, geschlagen haben, dürfte wohl der über den Zusammenhang unserer Erkenntnisse mit einem Dinge an sich seyn; und der Streit dürfte durch eine künftige Wissenschaftslehre wohl dahin entschieden werden, dass unsere Erkenntniss zwar nicht unmittelbar durch die Vorstellung, aber wohl mittelbar durch das Gefühl mit dem Dinge an sich zusammenhange; dass die Dinge allerdings bloss als Erscheinungen vorstellt, dass sie aber als Dinge an sich gefühlt werden; dass ohne Gefühl gar keine Vorstellung möglich seyn würde; dass aber die Dinge an sich nur subjectiv, d. i. nur in wiefern sie auf unser Gefühl wirken, erkannt werden. [Anmerkung zur 1. Ausgabe.]
2 Malis rident alienis.
3 Oder der unstudirte Bauer das Factum, dass der jüdische Geschichtsschreiber Josephus zur Zeit der Zer störung Jerusalem; gelebt habe: – [Zusatz zur 1. Ausgabe.]
4 Oder dass Josephus zur Zeit der Zerstörung Jerusalems gelebt habe, [1. Ausgabe.]
5 oder der Geschichte [1. Ausgabe.]
6 und Geschichte [1. Ausgabe.]
7 Sie wäre wohl auch werth, ihr die übrigen Kunstausdrücke aus ihrer Sprache zu geben; und die Sprache selbst, so wie die Nation, welche dieselbe redete, würde dadurch ein entschiedenes Uebergewicht über alle andere sprachen und Nationen erhalten. [Anmerkung zur 1. Ausgabe.]
Es giebt sogar ein nach allen seinen abgeleiteten Theilen nothwendiges, und als nothwendig zu erweisendes System der philosophischen Terminologie, vermittelst der regelmässigen Fortschreitung nach den Gesetzen der metaphorischen Bezeichnung transscendentaler Begriffe; bloss Ein Grundzeichen als willkürlich vorausgesetzt, da ja nothwendig jede Sprache von Willkür ausgeht. Dadurch wird denn die Philosophie, die Ihrem Inhalte nach für alle Vernunft gilt, Ihrer Bezeichnung nach ganz national; aus dem Innersten der Nation, die diese Sprache redet, herausgegriffen, und wiederum die Sprache derselben bis zur höchsten Bestimmtheit vervollkommnend. Diese systematische National-Terminologie aber ist nicht eher aufzustellen, ehe nicht das Vernunft-System selbst, sowohl nach seinem Umfange, als in der gänzlichen Ausbildung aller seiner Theile, vollendet da steht. Mit der Bestimmung dieser Terminologie endet die philosophirende Urtheilskraft ihr Geschäft; ein Geschäft, das in seinem ganzen Umfange für Ein Menschenleben leicht zu gross seyn dürfte.
Dies ist der Grund, warum der Verf. bis jetzt noch nicht ausgeführt, was er in der obenstehenden Anmerkung zu versprechen scheint; sondern sich der Kunstwörter bedient wie er sie eben vorgefunden, ob sie nun deutsch waren, oder lateinisch, oder griechisch. Ihm ist alle Terminologie nur provisorisch, bis sie einst, möge nun ihm dies Geschäft beschieden seyn, oder einem anderen – allgemein, und auf Immer gültig, festgesetzt worden kann. Auch mit um dieser Urasche willen hat er auf seine Terminologie überhaupt weniger Sorgfalt gewendet, und eine feste Bestimmung derselben vermieden; auch von einigen treffenden Bemerkungen anderer über diesen Punct (z.B. von einer vorgeschlagenen Unterscheidung zwischen Dogmatismus, und Dogmaticismus); die denn doch nur für den gegenwärtigen Zustand der Wissenschaft treffend sind, für seine Person keinen Gebrauch ge macht Er wird fortfahren, seinem Vortrage die jedesmal für seine Absicht erforderliche Klarheit und Bestimmtheit durch Umschreibungen und durch Mannigfaltigkeit der Wendungen, zu geben. [Anmerkung zur 2. Ausgabe.]
8 Man kann ohne Widerspruch nach keinem Grunde seiner Gewissheit fragen.
9 Weil sie im ersten Falle nicht Grund –, sondern abgeleitete Sätze, weil es im zweiten Falle sonst u.s.w.
10 – nicht eigentlich, in der Wissenschaftslehre, aber doch im Systeme des Wissen, dessen Abbildung sie seyn soll –.
11 Denn sie fragt: 1) Wie ist Wissenschaft überhaupt möglich? 2) Sie macht Ansprüche darauf, das auf einen einzigen Grundsatz gebaute menschliche Wissen zu erschöpfen.
12 Aus einen möglichen Einwurf, den aber nur ein Popular-Philosoph machen könnte! [Zusatz zur 1. Ausgabe.] – Die eigentlichen Aufgaben des menschlichen Geistes und freilich, sowohl ihrer Anzahl als ihrer Annäherung nach, unendlich; ihre Auflösung wäre nur durch eine vollenden Annäherung zum Unendlichen möglich, welche an sich unmöglich ist; aber die sind es nur darum, weil sie gleich ab unendlich gegeben werden. Es sind unendlich viele Radien eines unendlichen Cirkels, dessen Mittelpunct gegeben ist; und so wie der Mittelpunct gegeben ist, ist ja wohl der ganze unendliche Cirkel, und die unendlich vielen Radien desselben gegeben. Der eine Endpunct derselben liegt freilich in der Unendlichkeit; aber der andere liegt im Mittelpunct, und derselbe ist allen gemein. Der Mittelpunct ist gegeben; die Richtung der Linien ist auch gegeben, denn es sollen gerade Linien seyn: also sind alle Radien gegeben. (Einzelne Radien aus der unendlichen Anzahl derselben werden durch allmählige Entwicklung unserer ursprünglichen Begrenztheit bestimmt, als wirklich zu ziehende; aber nicht gegeben; gegeben waren sie zugleich mit dem Mittelpuncte). Das menschliche Wissen ist den Graden nach unendlich, aber der Art nach ist es durch seine Gesetze vollständig bestimmt, und lässt sich gänzlich erschöpfen. Die Aufgaben liegen da und sind zu erschöpfen; aber sie sind nicht gelöst und können nicht gelöst werden.
13 Zu viel. [1. Ausgabe.]
14 Die Wissenschaftslehre hat also absolute Totalität. In ihr führt Eins zu Allem, und Alles zu Einem. Sie ist aber die einzige Wissenschaft, welche vollendet werden kann; Vollendung ist demnach ihr auszeichnender Charakter. Alle andere Wissenschaften sind unendlich, und können nie vollendet werden; denn sie laufen nicht wieder in ihren Grundsatz zurück. Die Wissenschaftslehre hat dies für alle zu beweisen und den Grund davon anzugeben.
15 Eine Frage an die Mathematiker! – Liegt nicht der Begriff des Geraden schon im Begriffe der Linie? Giebt es andere Linien als gerade? und ist die sogenannte krumme Linie etwas anderes, als eine Zusammenreihung unendlich vieler, unendlich naher Puncte? Der Ursprung derselben, als Grenzlinie des unendlichen Raumes, (von dem Ich als Mittelpuncte werden unendlich viele unendliche Radien gezogen, denen aber unsere eingeschränkte Einbildungskraft doch einen Endpunct setzen muss; diese Endpuncte als Eins gedacht sind die ursprüngliche Kreislinie) scheint mir dafür zu bürgen; und es wird daraus klar, dass, und warum die Aufgabe, als durch eine gerade Linie zu messen, unendlich ist, und nur in einer vollendeten Annäherung zum Unendlichen erfüllt werden könnte. – Gleichfalls wird daraus klar, warum die gerade Linie sich nicht definiren lässt. [Anmerkung zur 1. Ausgabe.]
16 Nicht-Ich. [1. Ausgabe.]
17 So sonderbar dies manchem Naturforscher vorkommen möge, so wird es sich doch zu seiner Zeit zeigen, dass es sich streng erweisen lässt: dass er selbst erst die Gesetze der Natur, die er durch Beobachtung von ihr zu lernen glaubt, in sie hineingelegt habe, und dass sie sich, das kleinste, wie das grösste, der Bau des geringfügigsten Grashalms, wie die Bewegung der Himmelskörper, vor alter Beobachtung vorher aus dem Grundsatze alles menschlichen Wissens ableiten lassen. Es ist wahr, dass kein Naturgesetz und überhaupt kein Gesetz zum Bewusstseyn kommt, wenn nicht ein Gegenstand gegeben wird, auf den es angewandt werden kann; es ist wahr, dass nicht alle Gegenstände nothwendig, und nicht alls in dem gleichen Grade, damit übereinkommen müssen; es ist wahr, dass kein einziger ganz und völlig mit ihnen übereinkommt, noch übereinkommen kann; aber eben darum ist es wahr, dass wir sie nicht durch Beobachtung lernen, sondern als aller Beobachtung zum Grunde legen, und dass es nicht sowohl Gesetze ihr die von uns unabhängige Natur, als Gesetze für uns selbst sind, wie wir die Natur zu beobachten haben. [Anmerkung zur 1. Ausgabe.]
18 Z.B. ob thierisches Leben sich aus dem bloss Unorganischen erklären lasse, ob etwa Crystallisation der Uebergang von der chemischen Verbindung zur Organisation sey, ob magnetische und elektrische Kraft im Wesen einerlei, oder verschieden seyen u.s.w.
19 Zur Form der Form, als ihres Gehaltes. [1. Ausgabe.]
20 So die vorkantischen dogmatischen Systeme, die einen falschen Begriff des Dinges aufstellen.
21 Es ist zu merken, dass von dieser Frage bis jetzt völlig abstrahirt worden, dass also alles Vorhergehende nach der Beantwortung derselben zu modificiren ist.
22 Es erhellet daraus, dass der Philosoph der dunklen Gefühle des Richtigen oder des Genie In keinem geringeren Grade bedürfe, als etwa der Dichter oder der Künstler; nur in einer anderen Art. Der letztere bedarf des Schönheits-, jener des Wahrheits-Sinnes; dergleichen es allerdings giebt. [Anmerkung zur 1. Ausgabe.]
Es hat sich – Ich sehe nicht recht ein, wie und warum – ein sonst achtungswürdiger philosophischer Schriftsteller über die unschuldige Aeusserung der obenstehenden Anmerkung ein wenig ereifert. »Man möge das leere Wort Genie Seiltänzern, französischen Köchen – schönen Geistern, Künstlern u.s.w. überlassen; und für solide Wissenschaften lieber also Theorie des Erfindens aufstellen.« – Ja wohl sollte man das; und es wird ganz sicher geschehen, sobald die Wissenschaft überhaupt bis zur Möglichkeit einer solchen Erfindung vorgerückt seyn wird. Aber inwiefern sieht denn die obige Aeusserung mit einem solchen Vorhaben in Widerspruch? – Und wie wird denn eine solche Theorie des Erfindens selbst erfunden werden? Etwa durch eine Theorie der Erfindung einer Theorie des Erfindens? Und diese? [Anmerkung zur 2. Ausgabe.]
23 Der Philosoph bedarf nicht bloss das Wahrheitssinnes, sondern auch der Wahrheitsliebe. Ich rede nicht davon, dass er nicht durch seine Sophisticationen, deren er sich selbst wohl bewusst ist, von denen er aber etwa glaubt, dass sie keiner seiner Zeitgenossen entdecken werde, die schon vorausgesetzten Resultate zu behaupten suchen solle; dann weiss er selbst, dass er die Wahrheit nicht liebt. Doch ist hierüber jeder sein eigener Richter, und kein Mensch hat ein Recht, einen anderen Menschen dieser Unlauterkeit zu bezüchligen, wo die Anzeigen nicht ganz offen da liegen. Aber auch gegen die unwillkürlichen Sophisticationen, denen kein Forscher mehr ausgesetzt ist, als der Forscher des menschlichen Geistes, muss er aus seiner Hut seyn: er muss es nicht nur dunkel fühlen, sondern es zum klaren Bewusstseyn und zu seiner höchsten Maxime erheben, dass er nur Wahrheit suche, wie sie auch ausfalle und dass selbst die Wahrheit, dass es überall keine Wahrheit gebe, ihm willkommen seyn würde, wenn sie nur Wahrheit wäre. Kein Satz, so trocken und so spitzfindig er aussehe, muss ihm gleichgültig – alle müssen Ihm gleich heilig seyn, weil sie alle in das eine System der Wahrheit geboren, und jeder alle unterstützt. Er muss nie fragen: was wird hieraus folgen? sondern seines Weges gerade fortgehen, was auch immer folgen möge. Er muss keine Mühe scheuen, und sich dennoch beständig in der Fähigkeit erhalten, die mühsamsten und tiefsinnigsten Arbeiten aufzugeben, sobald ihm die Grundlosigkeit derselben entweder gezeigt wird, oder er sie selbst entdeckt. Und wenn er sich denn auch verrechnet hätte, was wäre es mehr? was träfe Ihn weiter, als das bis jetzt allen Denkern gemeinschaftliche Loos?
24 Man hat die Bescheidenheit dieser Aeusserung der nachherigen grossen – Unbescheidenheit des Verf. entgegengestellt. Allerdings konnte derselbe unmöglich voraussehen, mit welcherlei Einwürfen, und welchem Vortrage dieser Einwürfe er es zu thun haben würde, und kannte die grössere Anzahl der philosophischen Schriftsteller bei weitem nicht so wohl, als er sie seitdem kennt; ausserdem würde er nicht verfehlt haben, sein betragen auch aus diejenigen Fälle, die wirklich eingetreten sind, vorher zu sagen. Inzwischen enthält die obige Aeusserung nichts, was mit seinem nachherigen Benehmen in Widerspruch stünde. Er redet oben von Einwendungen gegen seine Folgerungen; aber so weit sind bis jetzt die Gegner noch nicht gekommen: sie streiten noch über den Grundsatz, d.h. über die ganze Ansicht, welche der Verf. der Philosophie giebt; und darüber findet, seiner damaligen und gegenwärtigen innigsten Ueberzeugung nach, Gar kein Streit statt, wenn man nur weiss, wovon die Rede ist; und aus einen solchen Widerstreit hat et in der That nicht gerechnet Er redet von Einwendungen, die sich wenigstens das Ansehen der Gründlichkeit, das Ansehen, dass sie wirklich etwas beweisen, und nachweisen, geben; und dergleichen sind ihm von denjenigen, die seine vorgebliche Unbescheidenheit getroffen haben soll, nicht vorgekommen. – Hier ist die Erklärung, deren Nothwendigkeit der Verf. damals nicht voraussetzen durfte. Ein Geschwätz, dessen Urheber die nöthigen Vorerkenntnisse nicht erworben, und die nöthigen Vorübungen nicht angestellt haben, dem man es sogleich anhört, dass sie nicht wissen, wovon die Rede ist, dass in einem bellenden und geifern den Tone vorgebracht wird, dass da es unmöglich aus Ueberzeugung und aus Eifer für den Fortgang der Wissenschaften hervorgehen kann, aus anderen nichtswürdigen Bewegungsgründen (Eifersucht, Rachsucht, Ruhmsucht, Honorariensucht u. dergl.) entspringen muss, – ein solches Geschwätz verdient nicht die geringste Schonung, und die Entgegnung darauf gehört gar nicht unter die Regel wissenschaftlicher Streite.
Warum machen diese Ausleger aus diesen und ähnlichen Aeusserungen nicht vielmehr den Schluss – den einzigen, welcher Statt hat – dass der Ton, der ihnen so misfällt, lediglich durch den ihrigen entstanden ist? [Anmerkung zur 2. Ausgabe.]