Zweites Bruchstück

Die Fragen des Jüngers Ajito

[236] Ajito:


1032

Was ist es, was die Welt verhüllt,

Was ist es, was sie düster läßt,

Wo qualmt der Nebel, sag' mir, her,

Was ist es nur, ihr arges Weh'?


Der Herr:


1033

Unwissen hält die Welt verhüllt,

Die Zwiefalt läßt sie düster sein,

Aus Seufzern qualmt der Nebel her,

Das Leiden ist ihr arges Weh'.


Ajito:


1034

Die Fluten fließen überall,

Was kann den Fluten Stauwerk sein,

Das Wehr der Fluten, gib es an,

Die Fluten, wie man ein sie dämmt.


Der Herr:


1035

Soviel der Fluten fließen je,

Die Einsicht ist ihr Stauwerk da:

Das Wehr der Fluten geb' ich an,

Die Weisheit ist es, die sie dämmt.


[237] Ajito:


1036

Die Weisheit aber, Einsicht auch,

Begriff und Bild, o Großer du:

Die Frage sollst du lösen mir,

Wo das wohl aufgeht ohne Rest.


Der Herr:


1037

Der solcher Kunde lauschen will,

Ajito, sei es dir gesagt:

Wo kein Begriff und Bild erscheint,

Vollkommen wo das untergeht,

Wo kein Bewußtsein leuchtet auf,

Auf geht es also ohne Rest.


Ajito:


1038

Der Satzung Ende, wer es merkt,

Und wer bei sich da weiterkämpft:

O sag' mir, der so hell du siehst,

In was für Bahnen solche ziehn.


Der Herr:


1039

Dem Reich der Wünsche gern entrückt,

Im Geiste wird er nicht mehr trüb:

Der kundig aller Dinge ward,

Gewärtig zieh' er hin, der Mönch.

Quelle:
Die Reden Gotamo Buddhos. Bd. 3, Zürich/Wien 1957, S. 236-238.
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