[26] Ein Anhänger:
Den Mann, der umgeht als ein Knecht,
O lehr' ihn kennen, Gotamo:
Den Herrn erkunden kam ich her,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
92
Gar leicht erkennbar ist der Herr,
Gar leicht erkennbar Knechtes Art:
Es liebt der Herr die rechte Bahn,
Dem Knecht ist rechte Bahn verhaßt.
Der Anhänger:
93
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes erste Art:
Zum zweiten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
94
Unedle sind ihm lieb und wert,
An Edlen übt er keine Gunst:
Unedler Satzung sucht er auf,
So kennt man Knechtes Angesicht.
[27] Der Anhänger:
95
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes zweite Art:
Zum dritten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
96
Ein Träumer sein, ein Schwärmer sein,
Untüchtig, ein verzagter Mann:
Ein Feigling voller Grimm und Groll,
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
97
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes dritte Art:
Zum vierten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
Der Mutter wie dem Vater auch,
Dem Greise, der gebrochen geht,
In Ehrfurcht nicht mehr dienen da:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
99
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes vierte Art:
Zum fünften Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
[28] Der Herr:
100
Wo immer Priester, wo Asket,
Um Gabe wo ein Bettler kommt,
Mit falschem Worte höhnen ihn:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
101
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes fünfte Art:
Zum sechsten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
102
Der reiche Mann, der viel besitzt,
An Golde, Gütern Fülle häuft,
Allein sich selbst nur gönnt Genuß:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
103
Es ist des Knechtes sechste Art:
Zum siebten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
104
Auf Adel stolz, Vermögen stolz,
Um Abkunft wer sich rühmen mag,
Den Stamm der Ahnen überschätzt:
So kennt man Knechtes Angesicht.
[29] Der Anhänger:
105
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes siebte Art:
Zum achten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
Dem Weibe frönen, frönen Wein,
Dem Würfel wer da frönen mag,
Erlangten Lohn vergeuden geht:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
107
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes achte Art:
Zum neunten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
108
Sein Ehgemahl genügt ihm nicht,
Im Kreis der Buhlen wird ihm wohl,
Der Frau des andern geht er nach:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
109
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes neunte Art:
Zum zehnten Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
[30] Der Herr:
110
Verwelkter Mann, der heim noch führt
Ein Mädchen, flaumig auferblüht,
Aus Eifer nicht mehr schlafen kann:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
111
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes zehnte Art:
Zum elften Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
112
Dem Weibe, das Verschwendung liebt,
Und auch dem Manne, der verpraßt,
Nach Willkür unterworfen sein:
So kennt man Knechtes Angesicht.
Der Anhänger:
113
Da hab' ich wohlverstanden schon,
Es ist des Knechtes elfte Art:
Zum zwölften Male sag', o Herr,
Wie kennt man Knechtes Angesicht?
Der Herr:
Gering an Habe, reich an Durst,
Im Kriegerstande wer erwächst
Und nach der Königskrone hascht:
So kennt man Knechtes Angesicht.
[31] 115
Das heißt man Knechtschaft in der Welt,
Gelehrig die man leicht erkennt:
Wo heilig dann empor man blickt
Um heiter seinen Gang zu gehn.