Karl Marx

Bericht des Generalrats der Internationalen Arbeiter-Assoziation an den IV. allgemeinen Kongreß in Basel

Die Delegierten der verschiedenen Sektionen werden Euch ausführliche Berichte abstatten über den Fortschritt unserer Assoziation in ihren resp. Ländern. Der Bericht Eures Generalrates bezieht sich hauptsächlich auf die Guerillagefechte zwischen Kapital und Arbeit, wir meinen die Strikes, welche im vergangenen Jahre den Kontinent von Europa beunruhigt haben und von denen man behauptet, sie seien weder aus dem Elend des Arbeiters entsprungen, noch aus dem Despotismus des Kapitalisten, sondern aus den geheimen Intrigen unserer Assoziation.

Einige Wochen nach Abhaltung unseres letzten Kongresses brach unter den Bandwebern und Seidenfärbern in Basel ein denkwürdiger Strike aus. Basel ist ein Platz, der bis auf unsre Tage viele Züge einer mittelalterlichen Stadt mit ihren lokalen Überlieferungen, ihren engen Vorurteilen, ihren börsenstolzen Patriziern und ihrem patriarchalischen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter bewahrt hat. Noch vor wenigen Jahren prahlte ein Basler Fabrikant gegenüber einem englischen Gesandtschaftssekretär, daß

»die wechselseitige Stellung von Meister und Leuten hier ungleich günstiger sei als in England«, daß »in der Schweiz ein Arbeiter, der einen guten Meister für bessere Löhne verließe, von seinen eigenen Mitarbeitern verachtet werden würde« und daß »unser Vorteil England gegenüber hauptsächlich in der langen Arbeitszeit und den mäßigen Löhnen besteht«.

Man sieht, das patriarchalische Regime in seiner durch moderne Einflüsse veränderten Gestalt kommt darauf hinaus, daß der Meister gut und sein Arbeitslohn schlecht ist, daß der Arbeiter wie ein mittelalterlicher Vasall fühlt und wie ein moderner Lohnsklave schanzt.

Diesen Patriarchalismus mag man ferner beurteilen aus einer offiziellen schweizerischen Untersuchung über den Kinderverbrauch in den Fabriken[370] und den Zustand der öffentlichen Elementarschulen. Es stellte sich heraus, daß

»die Basler Schulatmosphäre die schlechteste in der Welt ist, daß, während in freier Luft die Kohlensäure 4 Teile auf 10000 bildet und in geschlossenen Räumen 10 Teile nicht überschreiten sollte, sie in den Basler gewöhnlichen Schulen auf 20-81 Teile des Vormittags und auf 53-94 Teile des Nachmittags steigt«.

Hierauf bemerkte ein Mitglied des Basler Großen Rates, Herr Thurneysen, sehr kühl:

»Laßt Euch nicht schrecken. Die Eltern haben in ebenso schlechten Schulräumen gesessen als jetzt die Kinder, und dennoch sind sie mit heiler Haut davongekommen.«

Man wird nun sofort verstehen, daß eine ökonomische Revolte seitens der Basler Arbeiter Epoche in der sozialen Geschichte der Schweiz macht. Nichts ist charakteristischer als der Ausgangspunkt dieser Bewegung! In Basel haben die Arbeiter nach altem Gebrauch am letzten Tage der Spätjahrmesse 1/4 Tag Feierstunden. Als nun am 9. November 1868 die Arbeiter der Bandfabrik Debary und Söhne denselben wie gewohnt in Anspruch nahmen, erklärte ihnen einer der Fabrikherren in barschem Ton und mit gebieterischer Miene:

»Wer weggehe und nicht fortarbeite, sei sogleich und für immer entlassen.«

Nach einigen vergeblichen Protestationen verließen 104 von 172 Webern sofort die Fabrik. Sie glaubten jedoch nicht an die definitive Entlassung, weil gegenseitige vierzehntägige Aufkündigungsfrist durch schriftlichen Vertrag bedingt war. Bei ihrer Rückkehr am nächsten Morgen fanden sie die Fabriken mit Gendarmen umstellt, welche die Rebellen ausschlossen. Auch die Weber, welche den 1/4 Tag nicht gefeiert hatten, wollten nun ebenfalls nicht eintreten. Das allgemeine Losungswort war: »Alle oder keiner.«

So plötzlich arbeitslos gemacht, wurden die Weber mit ihren Familien zugleich aus den Wohnungen herausgeworfen, welche sie von ihren Fabrikanten gemietet. Letztere sandten zugleich Rundschreiben an Metzger, Bäcker, Krämer, den Aufständigen allen Kredit für Lebensmittel abzuschneiden. Der so eröffnete Kampf währte vom 9. November 1868 bis Frühling 1869. Die Grenzen unseres Berichts erlauben uns nicht, auf weitere Details einzugehen. Genug, die Bewegung entsprang aus einem frivolgehässigen Akt kapitalistischer Despotie, aus einem grausamen Lockout, mündete in Strikes, von Zeit zu Zeit unterbrochen durch Kompromisse, wieder und wieder verletzt durch die Meister, und gipfelte in dem vergeblichen Versuch des hochmächtigen Basler Großen Rates, die Arbeiter[371] durch militärische Maßregeln und eine Art von Belagerungszustand einzuschüchtern.

Während dieses Aufstands wurden die Arbeiter unterstützt durch die Internationale Arbeiter-Assoziation. Diese Gesellschaft hatte nach der Meinung der Meister den modernen Rebellengeist zuerst in die gute alte Reichsstadt Basel eingeschmuggelt. Diesen frechen Eindringling wieder aus Basel herauszuwerfen, wurde nun das Ziel ihres Strebens. Sie versuchten, den Austritt aus der Gesellschaft ihren Untertanen als Friedensbedingung aufzuherrschen. Jedoch umsonst. Als sie überhaupt in dem Krieg mit der Internationalen den kürzeren zogen, machten sie ihrer übeln Laune in possierlichen Sprüngen Luft. Diese Republikaner, welche größere Fabriken in dem Basel nahegelegenen badischen Grenzorte Lörrach besitzen, bewogen den dortigen AmtmannA1, unsere dortige Sektion aufzulösen, eine Maßregel, die jedoch bald wieder von der badischen Regierung zurückgenommen wurde. Als die Augsburger »Allgemeine Zeitung« sich herausnahm, unparteiisch über die Basler Ereignisse zu berichten, drohte die »Ehrbarkeit« in närrischen Briefen mit Abonnementskündigung. Nach London sandten sie einen Emissär mit dem phantastischen Auftrag, die Dimensionen der Internationalen Generalgeldkiste auszumessen. Hätten diese guten orthodoxen Christen in den ersten Zeiten des Christentums gelebt, sie hätten vor allem des Apostels Paulus Bankkredit zu Rom nachgespäht.

Ihr unbeholfen barbarisches Verfahren zog ihnen einige ironische Vorlesungen über Weltweisheit von seiten der Genfer Kapitalisten zu. Einige Monate später hatten die Basler Pfahlbürger die Genugtuung, mit Wucherzins den Genfer Weltmännern zurückzahlen zu können.

Im Monat März brachen in Genf 2 Strikes aus, auf Seite der Bauarbeiter und der Setzer, deren beide Gesellschaften Sektionen der Internationalen bilden. Der Strike der Bauarbeiter wurde provoziert durch die Meister, welche den das vorige Jahr mit ihren Arbeitern feierlich abgeschlossenen Vertrag brachen. Der Setzerstrike war das letzte Wort eines 10jährigen Streits, den die Arbeiter vergeblich durch 5 aufeinanderfolgende Kommissionen zu schlichten versucht hatten. Wie in Basel verwandelten die Meister sofort ihre Privatfehde mit den Arbeitern in einen Kreuzzug der Staatsgewalt gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation.

Der Genfer Staatsrat verwandte Polizeidiener, um aus der Ferne durch die Meister importierte Arbeiter an der Eisenbahnstation abzuholen und[372] von aller Berührung mit den Strikers abzuschließen. Er erlaubte der Genfer Jeunesse doréeA2, mit Revolvern bewaffnet Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Straßen und anderen öffentlichen Plätzen zu überfallen. Er schleuderte seine eignen Polizeihalunken bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Arbeiter und namentlich am 24. Mai, wo zu Genf, auf kleiner Stufenleiter, die Pariser Szenen aufgeführt wurden, welche Raspail gebrandmarkt hat als »les orgies infernales des casse-têtes«. Als die Genfer Arbeiter in öffentlicher Versammlung eine Adresse an den Staatsrat beschlossen, worin eine Untersuchung über diese infernalen Polizeiorgien verlangt wird, wies der Staatsrat ihr Gesuch schnöde zurück. Man beabsichtigte offenbar, die Genfer Arbeiter zu einer Erneute aufzustacheln, die Erneute gewaltsam niederzustampfen, die Internationalen vom Schweizer Boden wegzufegen und die Proletarier einem Dezemberregime zu unterwerfen. Der Plan ward vereitelt durch die energischen Maßregeln und den mäßigenden Einfluß unseres Schweizer Föderalkomitees. Die Meister hatten schließlich nachzugeben.

Hört nun einige der Invektiven der Genfer Kapitalisten und ihrer Preßbande gegen die Internationalen! In öffentlicher Versammlung erließen sie eine Adresse an den Staatsrat, worin es unter anderm heißt:

»Man ruiniert den Kanton Genf durch Dekrete von London und Paris, man will hier alle Arbeit und alle Industrie unterdrücken.«

Und ein Schweizer Blatt druckte, die Leiter der Internationalen seien

»Geheimagenten des Kaisers Napoleon, die im gelegenen Augenblick als öffentliche Ankläger gegen unsre kleine Schweiz auftreten werden«.

Und dies von Seite derselben Herren, die sich ebenso eifrig gezeigt, das Dezemberregime auf den Schweizer Boden zu verpflanzen; von seiten jener Finanzenagenten, welche Genf wie andre Schweizer Städte beherrschen und von denen ganz Europa weiß, daß sie sich seit lange aus Bürgern der Schweizer Republik in Lohnsträger des Crédit mobilier und anderer internationaler Schwindelassoziationen verwandelt haben!

Die Metzeleien, wodurch die belgische Regierung im Monat April auf die Strikes der Puddlers zu Seraing und der Kohlengräber der Borinage antwortete, wurden ausführlich bloßgelegt in einer Adresse des Generalrats an die Arbeiter Europas und der Vereinigten Staaten. Wir betrachteten eine solche Adresse um so dringender, als in diesem konstitutionellen[373] Musterstaat ein Arbeitermassakre kein Zufall, sondern eine Institution ist. Dem abscheulichen Militärdrama folgte auf dem Fuß die gerichtliche Farce. In seinen Untersuchungen gegen unser belgisches General-Komitee zu Brüssel, dessen Wohnungen brutal von der Polizei überfallen und dessen Mitglieder teilweise arretiert wurden, fand der Untersuchungsrichter den Brief eines Arbeiters, der »500 Internationale« verschreibt. Er schließt sofort, man verlange 500 Klopffechter nach dem Kampfplatz. Die »500 Internationalen« waren 500 Exemplare der »Internationale«, des Wochenorgans des Brüsseler Komitees. Er stiebert dann ein Telegramm nach Paris auf, worin eine gewisse Quantität Pulver verlangt wird. Nach langer Haussuchung wird die gefährliche Substanz in Brüssel entdeckt. Es war Rattenpulver. Schließlich schmeichelt sich die belgische Polizei, das Schatzgespenst gepackt zu haben, welches im Hirn der kontinentalen Kapitalisten spukt, dessen Hauptstock in London lagert und wovon Ableger beständig über die See nach allen Zentralsitzen unserer Gesellschaft spediert werden. Der belgische offizielle Forscher wähnt es versteckt in einer eisernen Kiste in einem finstern Winkel. Seine Schergen stürzen auf die Kiste los, erbrechen sie gewaltsam und finden – ein paar Stücke Kohle. Vielleicht, berührt von Polizeihand, verwandelt sich das reine internationale Gold sofort in Kohle.

Von den Strikes, die im Dezember 1868 verschiedene Sitze der französischen Baumwollenindustrie heimsuchten, war der wichtigste der in Sotteville-lès-Rouen. Die Fabrikanten des Departements der Somme hatten nicht lange vorher eine Zusammenkunft zu Amiens, um zu beraten, wie sie ihre englischen Rivalen auf dem englischen Markt selbst unterkaufen (undersell) könnten. Man war darüber einig, daß neben den Zöllen die verhältnismäßige Niedrigkeit des Arbeitslohns Frankreich hauptsächlich gegen englische Baumwollwaren geschützt habe. Man schloß natürlich, daß eine noch größere Senkung des Arbeitslohns erlauben würde, England mit französischen Baumwollwaren zu überfallen. Man zweifelte keinen Augenblick, daß die französischen Baumwollarbeiter stolz darauf sein würden, die Kosten eines Eroberungskriegs zu bestreiten, den ihre patriotischen Meister auf der andern Seite des Kanals zu führen beschlossen. Kurz nachher verlautete, daß die Fabrikanten von Rouen und Umgegend in geheimem Konklave ein ähnliches Übereinkommen getroffen. Bald darauf fand plötzlich eine bedeutende Lohnherabsetzung statt in Sotteville-lès-Rouen, und nun erhoben sich die normännischen Weber zum ersten Mal gegen die Übergriffe des Kapitals. Sie handelten in der Aufregung des Augenblicks. Sie hatten weder vorher Trade-Unions[374] gebildet, noch für Widerstandsmittel irgendeiner Art gesorgt. In ihrer Verlegenheit appellierten sie an das International-Komitee zu Rouen, welches ihnen die erste notwendige Hülfe von den Arbeitern Rouens, der Nachbarorte und von Paris verschaffte. Gegen Ende Dezember wandte sich das Rouener Komitee an den Generalrat, in einem Augenblick äußerster Not in den englischen Sitzen der Baumwollindustrie, beispiellosen Elends in London und allgemeinen Drucks in allen Produktionszweigen. Dieser Zustand dauert bis zu diesem Augenblick in England fort. Trotz so durchaus ungünstiger Umstände glaubte der Generalrat, daß der eigentümliche Charakter des Rouener Konflikts die englischen Arbeiter zu besondern Anstrengungen aufstacheln würde. Es war dies eine große Gelegenheit, den Kapitalisten zu beweisen, daß ihr internationaler Industriekrieg, geführt durch Niederschrauben des Arbeitslohns bald in diesem Lande, bald in jenem, sich endlich brechen werde an der internationalen Vereinigung der Arbeiterklassen. Die englischen Arbeiter antworteten unserm Aufruf sofort durch einen ersten Beitrag für Rouen, und der Londoner Generalrat der Trade-Unions beschloß, mit uns zusammen ein Monstremeeting zugunsten der normännischen Brüder zu berufen. Die Nachricht vom plötzlichen Aufhören des Sotteville-Strikes verhinderte weiteres Vorgehen.

Für den materiellen Fehlschlag dieser ökonomischen Revolte entschädigten große moralische Resultate. Sie warb die normännischen Baumwollarbeiter für die revolutionäre Armee der Arbeit, gab den Anstoß zur Stiftung von Trade-Unions zu Rouen, Elbeuf, Darnétal usw. und besiegelte von neuem den Bruderbund zwischen englischen und französischen Arbeiterklassen. Während des Winters und Frühlings 1869 blieb unsre Propaganda in Frankreich gelähmt durch die 1868 erfolgte Unterdrückung unsres Pariser Komitees, die Polizeischikanen in den Departements und das überwältigende Interesse der allgemeinen Wahlen.

Die Wahlen waren kaum vorüber, als zahlreiche Strikes ausbrachen in den Minendistrikten der Loire, zu Lyon und an vielen andern Plätzen. Die starkgefärbten Phantasiegemälde von der Prosperität der Arbeiter unter dem Zweiten Kaiserreich verschwammen wie Nebelbilder vor den ökonomischen Tatsachen, welche diese Kämpfe zwischen den Kapitalisten und Arbeitern ans Licht brachten. Die Forderungen der Arbeiter waren so bescheiden und so unabweisbar, daß sie nach einigen oft schamlosen Versuchen des Widerstands alle eingeräumt werden mußten. Es war durchaus nichts Auffallendes an diesen Strikes außer ihrer plötzlichen Explosion nach scheinbarer Windstille und der Geschwindigkeit, womit sie Schlag auf Schlag einander folgten. Dennoch war die Ursache davon handgreiflich[375] einfach. Während den Wahlen hatten die Arbeiter sich mit Erfolg aufgelehnt wider ihren öffentlichen Despoten. Was natürlicher, als sich nach den Wahlen aufzulehnen gegen ihre Privat-Despoten?

Die Wahlen hatten die Geister in Bewegung gesetzt. Es ist in der Ordnung, daß die Regierungspresse, bezahlt wie sie ist für Verfälschung der Tatsachen, den Schlüssel fand in den geheimen Kommandoworten des Londoner Generalrats, der seine Emissäre von Ort zu Ort schicke, um den vorher ganz und gar zufriedengestellten französischen Arbeitern das Geheimnis zu offenbaren, daß ein böses Ding ist, überarbeitet, unterzahlt und brutal behandelt zu werden. Ein französisches Polizeiorgan, welches in London erscheint, »L'international«, enthüllt der Welt in seiner Nummer vom 3. August die geheime Triebfeder unsrer heillosen Tätigkeit.

»Das Sonderbarste«, sagt es, »ist, daß den Strikes verordnet wurde, in solchen Ländern auszubrechen, wo das Elend noch weit davon entfernt ist, sich fühlbar zu machen. Diese unerwarteten Explosionen kamen so außerordentlich gelegen für einen gewissen Nachbar Frankreichs, der gerade Krieg zu befürchten hatte, daß viele Leute sich fragen, ob diese Strikes nicht vorfielen auf Verlangen eines auswärtigen Machiavelli, der sich die Gunst dieser allmächtigen Gesellschaft zu erringen wußte.«

Zur selben Zeit, wo dieser französische Polizeiwisch uns anklagte, die französische Regierung zu Haus mit Strikes zu belästigen, um dem Grafen Bismarck die Last eines auswärtigen Kriegs abzuwälzen, deutete ein rheinpreußisches Fabrikantenblatt an, wir erschütterten den Norddeutschen Bund mit Strikes, um die deutsche Industrie zum Vorteil fremder Fabrikanten lahmzulegen.

Die Verhältnisse der Internationalen zu den französischen Strikes werden wir nun beleuchten an zwei Fällen von einem typischen Charakter. In dem einen Fall, dem Strike von Saint-Étienne und dem folgenden Massakre bei Ricamarie, wird die französische Regierung selbst nicht mehr wagen, irgendeine Einmischung der Internationalen zu behaupten.

In den Ereignissen zu Lyon war es nicht die Internationale, welche die Arbeiter in Strikes warf, sondern umgekehrt die Strikes, welche die Arbeiter in die Arme der Internationalen warfen.

Die Kohlenarbeiter von Saint-Étienne, Rive-de-Gier und Firming hatten ruhig, aber fest von den Direktoren der Minen-Kompanien eine Revision des Lohntarifs und eine Beschränkung des Arbeitstages verlangt, der 12 volle Stunden harter, unterirdischer Arbeit zählte. Erfolglos in ihrem Versuch eines gütlichen Vergleichs, erklärten sie einen Strike am 11. Juni. Es war für sie natürlich eine Lebensfrage, die Kooperation ihrer Kameraden zu sichern, die noch fortarbeiteten. Um dies zu verhindern,[376] verlangten und erhielten die Direktoren vom Präfekten der Loire einen Wald von Bajonetten. Am 12. Juni fanden die Strikers die Kohlengruben unter starker, militärischer Besetzung. Um sich des Eifers der Soldaten, welche die Regierung ihnen so lieh, zu versichern, zahlten die Minen-Kompanien jedem Soldaten täglich einen Franken per Kopf. Die Soldaten zahlten den Kompanien zurück durch Einfangung von ungefähr 60 Kohlengräbern, welche zu ihren Kameraden in den Gruben vorzudringen suchten. Diese Gefangenen wurden am Nachmittag desselben Tags nach Saint-Étienne eskortiert durch 150 Mann vom vierten Linienregiment. Vor dem Aufbruch der tapfern Krieger verteilte ein Ingenieur der Kompanie, Dorian, 60 Flaschen Kognak unter sie und legte ihnen eindringlich ans Herz, ein scharfes Auge auf die Gefangenen zu haben. Diese Bergleute seien Wilde, Barbaren, entlassene Galeerensträflinge. Durch den Branntwein und die Predigt war eine blutige Kollision eingeleitet. Auf ihrem Marsch, gefolgt von einem Haufen Kohlenarbeiter mit Frauen und Kindern, umringt von denselben in einem Engpaß auf den Höhen des Moncel, Quartier Ricamarie, angegangen, die Gefangenen auszuliefern, auf ihre Weigerung mit einem Steinhagel angegriffen, feuerten die Soldaten ohne vorläufige Warnung mitten in den enggedrängten Haufen, töteten 15 Personen, darunter 2 Weiber und einen Säugling, und verwundeten eine große Menge. Die Torturen der Verwundeten waren furchtbar, unter ihnen befand sich ein armes Mädchen von 12 Jahren, Jenny Petit, deren Name unsterblich in der Martyrologie der Arbeiterklasse leben wird. Sie ward von hinten getroffen von zwei Kugeln, wovon die eine in der Lende fest sitzen blieb, die andre den Rücken durchflog, den Arm zerbrach und durch die rechte Schulter herausfuhr. »Les chassepots avaient encore fait merveille.«

Diesmal fand jedoch die Regierung bald aus, daß sie nicht nur ein Verbrechen, sondern einen Fehler begangen. Sie wurde nicht von der Mittelklasse als Gesellschaftsretter begrüßt. Der Munizipalrat von Saint-Étienne gab seine Entlassung in Masse in einem Dokument, worin er die Soldateska der Unmenschlichkeit zieh und die Verlegung des Regiments von der Stadt forderte. Die französische Presse brach in einen Schrei des Entsetzens aus. Selbst solche konservativen Blätter wie der »Moniteur universel« sammelten für die Opfer. Die Regierung hatte das gehässige Regiment von Saint-Étienne zu entfernen.

Unter diesen schwierigen Umständen war es ein lichter Einfall, einen Sündenbock auf dem Altar der öffentlichen Entrüstung zu opfern – die Internationale Arbeiter-Assoziation. Bei den Gerichtsverhandlungen gegen die angeblichen Aufrührer teilte der Anklageakt sie in 10 Kategorien, die[377] Grade ihrer Schuld sehr kunstreich schattierend. Die erste Klasse, die dunkelste, bestand aus 5 Arbeitern, besonders des Verdachts verdächtig, ihr geheimes Losungswort von außen, von der Internationalen erhalten zu haben. Die Beweise waren natürlich überwältigend, wie der folgende Auszug aus einer französischen Gerichtszeitung zeigt:

»Das Zeugenverhör hat nicht erlaubt, die Teilnahme der Internationalen Assoziation genau festzusetzen. Die Zeugen versichern nur, daß sich an der Spitze der Banden Unbekannte befanden, mit weißen Kitteln und Mützen. Aber keiner dieser Unbekannten ist arretiert worden, und keiner sitzt auf der Anklagebank. Auf die Frage: Glauben Sie an die Einmischung der Internationalen Assoziation? antwortete ein Zeuge: Ich glaube daran, aber ich habe durchaus keine Beweise.«

Kurz nach dem Ricamarie-Massakre ward der Tanz der ökonomischen Revolten zu Lyon eröffnet durch die Seidenhaspler, meist weiblichen Geschlechts. In ihrer Not appellierten sie an die Internationale, die namentlich durch ihre Mitglieder in Frankreich und der Schweiz zum Sieg verhalf. Trotz aller Einschüchterungsversuche der Polizei erklärten sie öffentlich ihren Anschluß an unsre Gesellschaft und traten ihr formell bei durch Zahlung der statutenmäßigen Beiträge an den Generalrat. Zu Lyon wie vorher zu Rouen spielten die Arbeiterinnen eine hochherzige und hervorragende Rolle.

Andre Geschäftszweige von Lyon folgten den Seidenhasplern auf dem Fuß nach. So gewann unsre Gesellschaft in wenigen Wochen mehr als 10000 neue Anhänger in dieser heroischen Bevölkerung, welche vor mehr als 30 Jahren das Losungswort des modernen Proletariats auf ihr Banner schrieb: »Vivre en travaillant ou mourir en combattant!« (Arbeitend leben oder kämpfend sterben!)

Unterdes fuhr die französische Regierung fort mit ihren kleinlichen Quengeleien gegen die Internationale. Zu Marseille verbot sie unsern Mitgliedern zusammenzukommen zu der Wahl eines Delegierten für den Basler Kongreß. Derselbe Streich ward in andern Städten wiederholt, aber die Arbeiter des Kontinents, wie anderswo, beginnen endlich einzusehen, daß man seine natürlichen Rechte am sichersten erwirbt, wenn man sie ohne Erlaubnis ausübt, jeder auf seine persönliche Gefahr.

Die Arbeiter Östreichs, besonders Wiens, nehmen bereits den Vordergrund ein, obgleich sie erst nach den Ereignissen von 1866 in die Bewegung eintraten. Sie sammelten sich sofort unter der Fahne des Sozialismus und der Internationalen, in welche sie massenhaft durch ihre Delegierten an dem neulichen Eisenacher Kongreß eintraten. Wenn irgendwo, hat die liberale Mittelklasse in Östreich ihre selbstischen Instinkte, ihre geistige Inferiorität und ihren kleinlichen Groll gegen die Arbeiterklasse[378] zur Schau gestellt. Ihr Ministerium, welches das Reich zerrissen und bedroht sieht durch den Racen- und Nationalitätenkampf, verfolgt die Arbeiter, welche allein die Verbrüderung aller Racen und Nationalitäten proklamieren. Die Mittelklasse selbst, welche ihre neue Stellung nicht ihrem eigenen Heroismus, sondern ausschließlich den Unglücksfällen der östreichischen Armee verdankt, welche kaum imstande ist, wie sie selbst weiß, ihre neuen Errungenschaften wider die Angriffe der Dynastie, der Aristokratie und des Klerus zu verteidigen, diese Mittelklasse vergeudet nichtsdestoweniger ihre Kräfte in dem elenden Versuch, die Arbeiterklasse auszuschließen vom Recht der Koalition, der öffentlichen Meetings und der Presse.

In Östreich, wie in allen andern kontinentalen Staaten, hat die Internationale das weiland rote Gespenst verdrängt. Als am 13. Juli ein Arbeitermassakre auf kleinem Maßstab zu Brunn, der Baumwollhauptstadt Mährens, aufgeführt wurde, erklärte man das Ereignis durch die geheimen Aufhetzungen der Internationalen, deren Agenten jedoch im Besitz der Nebelkappe sind, die sie unsichtbar macht. Als einige Wiener Volksführer vor Gericht standen, brandmarkte der öffentliche Ankläger sie als Agenten des Auslands. Zum Beweis seiner tiefen Sachkenntnis beging er nur den kleinen Irrtum, die bürgerliche Freiheits- und Friedensligue von Bern mit der proletarischen Internationalen zu verwechseln.

Wird die Arbeiterbewegung so in dem zisleithanischen Östreich verfolgt, so wird sie offen und schamlos gehetzt in Ungarn. Über diesen Punkt liegen dem Generalrat die zuverlässigsten Berichte von Pest und Preßburg vor. Ein Beispiel der Behandlung der ungarischen Arbeiter seitens der Behörden genüge.

Herr von Wenckheim, königlicher Minister des Innern in Ungarn, befand sich gerade bei der ungarischen Delegation in Wien. Die Preßburger Arbeiter, welche seit Monaten keine Versammlungen mehr abhalten dürfen und denen sogar untersagt wurde, ein Fest zu veranstalten, dessen Reinertrag dem Gründungsfonds einer Krankenkasse zufallen sollte, sandten vor einigen Tagen mehrere Arbeiter, darunter den bekannten Agitator Niemtzik, nach Wien, um bei dem Herrn Minister des Innern Beschwerde zu führen. Es kostete Mühe, Zutritt zu dem hohen Herrn zu erhalten, und als sich endlich das ministerielle Zimmer öffnete, wurden die Arbeiter von dem Minister in einer allem Anstande widersprechenden Weise empfangen:

»Sind Sie Arbeiter? Arbeiten Sie fleißig?« fragte der Minister, indem er die dampfende Zigarre im Mund herumdrehte. »Nun, weiter haben Sie sich um nichts zu bekümmern. Sie brauchen keine Vereine, und wenn Sie Politik treiben, so werden wir Mittel dagegen wissen. Ich werde gar nichts für Sie tun. Mögen die Arbeiter immerhin murren!«[379]

Auf die Frage, ob also alles der Willkür der Behörden überlassen bleibe, antwortete der Minister:

»Ja, unter meiner Verantwortung.«

Nach langen vergeblichen Auseinandersetzungen verließen die Arbeiter endlich den Minister mit der Erklärung:

»Da die staatlichen Verhältnisse die Lage der Arbeiter bedingen, so müssen sich die Arbeiter mit Politik beschäftigen, und sie werden es tun.«

In Preußen und dem übrigen Deutschland zeichnete sich das vergangene Jahr aus durch die Bildung von Trade-Unions über das ganze Land. Auf dem neulichen Kongreß zu Eisenach stifteten die Delegierten von mehr als 150000 Arbeitern vom eigentlichen Deutschland, Östreich und der Schweiz eine neue Sozialdemokratische Partei mit einem Programm, dem die leitenden Prinzipien unserer Statuten wörtlich einverleibt sind. Durch das Gesetz verhindert, förmliche Sektionen unserer Assoziation zu bilden, beschlossen sie, individuelle Mitgliedschaftskarten vom Generalrat zu nehmen.A3

Neue Zweige der Assoziation haben sich in Neapel, Spanien und Holland gebildet. In Barcelona und Amsterdam werden Wochenorgane ausgegeben.

Die Lorbeeren der belgischen Regierung auf den glorreichen Schlachtfeldern von Seraing und Frameries scheinen den Schlaf unserer Großmächte zu stören. Kein Wunder denn, daß auch England dieses Jahr sich seines Arbeitermassakres zu rühmen hat. Den welschen Kohlengräbern bei dem Leeswood Great Pit in der Nähe von Mold in Denbighshire wurde plötzlich Notiz einer Lohnverkürzung gegeben durch den Verwalter des Bergwerks, der ihnen seit lange als ein kleiner und unverbesserlicher Tyrann verhaßt war. Sie sammelten Leute von den benachbarten Werken, verjagten ihn aus seinem Hause, schleppten alle seine Möbel zur nächsten Eisenbahnstation. Diese Unglücklichen wähnten in ihrer kindischen Unwissenheit, auf diese Weise ihn für immer loszuwerden.A4 Am 28. Mai wurden 2 Führer zum Gericht nach Mold von der Polizei und unter der Eskorte einer Abteilung des 4. Infanterieregiments, »the King's Own«,[380] transportiert. Unterwegs suchte ein Haufen von Kohlengräbern sie zu befreien. Auf den Widerstand der Polizei und der Soldaten hagelte es Steine auf sie. Ohne vorläufige Warnung erwiderten die Soldaten den Steinhagel mit einem Kugelhagel von ihren HinterladernA5. Fünf Personen, darunter zwei Frauen und ein Kind, wurden getötet und eine große Menge verwundet. Bis hierin existiert große Analogie zwischen den Massakres von Mold und Ricamarie, von da hört sie auf. In Frankreich waren die Soldaten nur ihren Kommandanten verantwortlich, in England hatten sie durch das Fegfeuer einer Coroner's jury zu passieren, aber der Coroner war ein tauber, halb versimpelter alter Mann, dem die Zeugenaussagen durch eine Ohrentrompete eingetrichtert werden mußten, und die welsche Jury war eine engherzig vorurteilsvolle Klassenjury. Sie erklärten den Mord für »erlaubten Totschlag«. In Frankreich wurden die Aufrührer zu Gefängnisstrafe von 3 bis zu 18 Monaten verurteilt und bald darauf amnestiert, in England wurden sie zu 10 Jahren Zwangsarbeit mit Eisen verurteilt.

In der ganzen französischen Presse ein Wutschrei gegen die Truppen. In England hatte die Presse nur Schmunzeln für die Soldaten und nur Runzeln für ihre Opfer. Dennoch haben die englischen Arbeiter viel gewonnen durch den Verlust einer großen und gefährlichen Illusion. Bis jetzt glaubten sie sich mehr oder minder beschützt durch die Formalität der Riot Acts und die Unterordnung des Militärs unter die Zivilbehörde. Sie sind nun eines Bessern belehrt. Herr Bruce, der liberale Minister des Innern, erklärte im Hause der Gemeinen, jeder Magistrat, der erste beste Fuchsjäger oder Pfaffe, könne ohne vorherige Verlesung der Riot Acts auf ihm aufrührerisch scheinende Haufen feuern lassen. Zweitens aber könnten die Soldaten auch auf eigene Faust feuern unter dem Verwände der Selbstverteidigung. Der liberale Minister vergaß hinzuzufügen, daß unter so bewandten Umständen jedermann auf Staatskosten mit einem Hinterlader bewaffnet werden müßte zu seiner Selbstverteidigung gegen die Soldaten.

Der folgende Beschluß wurde am 30. August auf dem allgemeinen Kongreß der Trade-Unions zu Birmingham verfaßt:

»In Anbetracht, daß die lokale Organisation der Arbeit fast verschwunden ist vor einer Organisation mit nationalem Charakter; daß die Ausdehnung des Prinzips des Freihandels eine solche Konkurrenz der Kapitalisten hervorruft, daß in dieser internationalen Hetzjagd das Interesse des Arbeiters aus dem Gesicht verloren und aufgeopfert wird; daß die Arbeiterorganisation noch weiter ausgedehnt und international gemacht werden muß; in Anbetracht ferner, daß die Internationale Arbeiter-Assoziation die gemeinsame Vertretung der Arbeiterinteressen bezweckt und daß die Interessen[381] der Arbeiterklassen überall identisch sind, empfiehlt dieser Kongreß jene Assoziation herzlich der Unterstützung der Arbeiter des Vereinigten Königreichs und namentlich den organisierten Arbeiterkörpern und geht sie aufs dringendste an, sich mit jener Assoziation zu affiliieren. Der Kongreß ist zugleich überzeugt, daß die Verwirklichung der Prinzipien der Internationalen zum dauernden Frieden unter den Nationen der Erde führen wird.«

Letzten Mai drohte Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und England. Euer Generalrat sandte daher eine Adresse an Herrn Sylvis, den Präsidenten der amerikanischen National Labor Union, worin er die amerikanische Arbeiterklasse aufrief, gegenüber dem Kriegsgeschrei der herrschenden Klasse Frieden zu kommandieren.

Der plötzliche Tod des Herrn Sylvis, dieses tapfern Vorkämpfers unsrer Sache, berechtigt, zur Erinnerung an ihn unsern Bericht mit seinem Antwortschreiben zu schließen:


»Philadelphia, 26. Mai 1869

Ihre Adresse vom 12. Mai habe ich gestern empfangen. Ich bin sehr glücklich, solche herzliche Worte von unsern Arbeitergenossen jenseits des Ozeans zu erhalten. Unsere Sache ist eine gemeinschaftliche: Es ist der Krieg zwischen Armut und Reichtum. Die Arbeit nimmt überall dieselbe niedrige Stellung ein, und das Kapital ist derselbe Tyrann in allen Teilen der Welt. Darum sage ich: Unsere Sache ist eine gemeinsame. Ich reiche Euch im Namen der Arbeiterklassen der Vereinigten Staaten die Hand der Kameradschaft. Ich reiche sie durch Euch allen denen, die Ihr repräsentiert, und allen niedergetretenen und unterdrückten Söhnen und Töchtern der Mühsal in Europa. Geht voran in dem guten Werk, das Ihr unternommen habt, bis der glorreichste Erfolg Eure Anstrengungen krönt. Das ist auch unser Entschluß. Unser letzter Krieg hat resultiert in dem Aufbau der infamsten Geldaristokratie auf dem Antlitz der Erde. Diese Geldmacht zehrt das Mark des Volkes aus. Wir haben ihr den Krieg erklärt und fühlen uns des Sieges gewiß. Wenn möglich, wollen wir durch Stimmzettel siegen, wenn nicht, müssen wir zu ernstem Mitteln greifen. Ein kleiner Aderlaß ist manchmal notwendig in verzweifelten Fällen.«


Im Auftrag des Generalrats:

Robert Applegarth, Vorsitzender

Cowell Stepney, Kassierer

J. George Eccarius, Generalsekretär


London, den 1. September 1869

Office: 256, High Holborn, W.C.[382]


Quelle:
Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1962, Band 16.
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