Alpheus

[30] Alpheus (Gr. M.), ein Flussgott, Sohn des Oceanus und der Tethys, bekannt durch seine Abenteuer mit der Nymphe Arethusa, welche sich in dem Flusse, den er beherrschte, badete, und von ihm gesehen und geliebt wurde. Sie versagte ihm Gehör und floh, mit Zurücklassung ihrer Gewänder, doch A. schwang sich aus dem Strome ihr nach, und schon fühlte sie seinen Athem sie umwehen, als sie zu Diana flehete, welche sie in eine Wolke hüllte. Doch auch diese ward von A. verfolgt, da zerfloss sie plötzlich in Wasser; von den Händen, dem Gesicht, den Haaren floss es hernieder, und sie war eine Quelle. A. verwandelte sich nun selbst in seine Flussgestalt, um sich mit dem Wasser der Arethusa zu vermischen; Diana versetzte sie nach der Insel Ortygia, doch A. bahnte sich unter dem Meere hindurch einen Weg und kam neben ihr zum Vorschein. Solcher Liebe konnte Arethusa nicht widerstehen, und sie erlaubte dem Gott, sein Gewässer mit dem ihrigen zu vereinen. - Von dem Zusammenhange der beiden Quellen erzählen uns die Alten viel; so soll eine zu Olympia in den A. geworfene Opferschale in der Arethusa zum Vorschein gekommen sein, und letztere soll sich roth färben, wenn zu Olympia das Blut der geopferten Rinder in den A. fliesst etc. - Auch soll A. seinen Bruder Cercaphus erschlagen, und sich aus Verzweiflung in den Fluss Nyctimus gestürzt haben, der von da an des A. Namen erhalten. Das Wasser sollte die Eigenschaft haben, den Seelen der Verstorbenen völlige Vergessenheit alles Vergangenen zu verschaffen, gleich der Lethe. Der A., (jetzt Alfeo, auch Rofeo und Ryfo Carbon), entspringt an der Südgrenze von Arcadien und durchläuft Elis im Peloponnes.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 30.
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