Urstier

[441] Urstier (Chines. u. pers. M.). Ein Bild eines Stieres soll in China, zu Miako, in einer grossen Pagode ganz von massivem Golde gebildet, stehen. Ist, was aus den Berichten der holländischen Gesandtschaften entlehnt ist, wahr, so muss man erstaunen über die wunderbare Uebereinstimmung der Fabel von diesem U. mit der von dem persischen und ägyptischen. Er ist im Sprunge abgebildet, im Begriff, mit den Hörnern ein Ei zu zerstossen, welches vor ihm halb im Wasser an einen Felsen gelehnt liegt. Chinesen, Aegypter und Perser, sagen: In dem Weltei lag das Weltall verborgen; es schwamm auf dem Meere, bis ein Fels sich aus demselben erhob, an welchem es sich lagerte; nun kam der U. und zersprengte mit seinem Gehörn die Schale, und aus dem Ei ging hervor die Welt mit Allem, was darauf ist, und des Stieres Athem beseelte den Menschen.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 441.
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